Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 14=24.1894

20

unsichtbaren Vogel enthalten soll. Diese Thiere
werden in kleinen Hütten von kegelförmiger Gestalt.
deren Wände aus dicht aneinanderschliessenden
Pfählen bestehen, gehalten; ihr Inneres ist jedem
unberufenen Auge bei Drohung der Erblindung verschlossen.
 Bleibt der ersehnte Regen aus, so ist der
Ueberbringer des Korbes schuld, der den Vogel hat
entwischen lassen; er muss wieder zurückwandern
um eine zweite Sendung zu holen, Uebrigens constatirte
 Dr. Schınrz, dass in den meisten Fällen die
Voraussetzungen der Priester eintreffen, weil sie in
zweifelhaften Fällen die Gesandtschaft so lange zurückhalten,
 bis eine Aenderung in der Witterung wahrscheinlich
 ist ?).
Ueber einen erfolgreichen Wettstreit eines Priesters
zu Tette, welcher wiederholt Processionen zu Ehren
des heiligen Antonius den Zauberern eines einheimi
schen Häuptlings entgegensetzte, sei auf Livınc-STONE’s
 Bericht verwiesen ?).
Die Wanika bringen Opfer (Sada, Sadaka) an
den Gräbern ihrer Verwandten, um Regen zu erhalten.
 Sie schlachten ein schwarzes Schaf und
sprengen dessen Blut auf das Grab. Auch legen sie
Palmwein oder Mischungen aus Welschkorn, Hirse.
Reis und Wasser dahin und beten: „O koma (Geist),
ich bringe Dir diesen Mfua, damit Du Regen und
Wachsthum des Samens gebest. Denn ohne Dich
wird nichts wachsen.“ Dabei wird sehr häufig der
Muansa (eine Art Brummkreisel) in Bewegung gesetzt
 3).
Sie haben aber auch eigene Regenmacher, deren
Amt in gewissen Familien vererbt wird. Dieselben
kennen aus langer Erfahrung ungefähr die Zeit, wanr
der erste Regen fallen wird. Dann fordern sie die
Häuptlinge auf, ein Opfer zu bringen, welche dann die
Beiträge hiezu von den Einzelnen eintreiben. Kommt
der Regen nicht, so wird ein neues Opfer anbefohlen,
 jedoch die Farbe des Opferthieres so ausgewählt,
 dass einige Zeit bis zur Auffindung desselben
 vergeht, so dass der Regen bis dahin meistens
eintrifft. Sie sollen eine Art Thermometer haben;
auch beachten sie genau die Wolkenzüge %).
Die Wanika kennen auch Verhinderungsmittel
des Regens. Sie nennen es Zenga und bereiten es
durch Rösten gewisser Hölzer, deren Rauch gegen
Himmel steigt und dadurch den Regen abhält. Wenr
1) Hanns Scumrz, Deutsch-Südwest-Afrika, 305 f.
2) Lıyıinesrone, Neue Missionsreisen, D, Ausg,, I, 51.
7 Krarr, Reisen in Ost-Afrika, I, 323, 347, 308, 314:
Kraapr. 1. o.. I. 334.

das Zenga zu ‚stark wirkt, so muss es durch ein
Zana, ein Schlachtopfer, paralysirt werden. Wirkt
das Zana zu stark, so wird der Regen übermässig
stark.
° In einem solchen Falle sammelten die Wanika
auf den Rath einer Wahrsagerin alle Talismane und
verbrannten sie, um den Regen aufzuhalten, Die
Besitzer derselben mussten noch Hühner opfern. Auch
das Trommeln wurde verboten ?).
Die Werthschätzung der Mission bei den Wanikas
richtete sich immer nach dem Regen. Sie glaubten,
ler Fuss von Krapf bringe Regen; das kam davon,
Jass es regnete, als der Mounga (Europäer) ihr Gebiet
 betrat 7).
Die Leute im Inneren Ost-Afrikas glauben, der
Regen komme von den Suahelis, weil sie am Meere
wohnen und das Buch Gottes, den Koran, besitzen;
lie Wanikas sind öfters zum Gouverneur von Mombas
zekommen und haben Regen von ihm verlangt. Die
Wakamba fürchten sich, die Suahelis zu beleidigen,
weil sie sonst den Regen zurückhalten könnten. Die
Suahelis drohen immer damit, wenn sie etwas von
ihnen. erreichen wollen %).
Regenmacher werden für Nord- Usegüha
meistens aus Usambara geholt. Ein solcher Mann
‚ührte in einem kleinen Loche auf der vor dem Dorfe
hergestellten Tenne etwas Wasser um, worauf sofort
die Regenwolken erschienen *).
Bei den Wado& fegt man bei Regenmangel die
Erde über den Gräbern der Landeshäuptlinge, baut
dort auch wohl eine Hütte, in die man Essen und
Pombe stellt, und kehrt dann in Erwartung des
Regens in das Dorf zurück 9).
Der Ruwenzöri SrAnLEy’s heisst bei den Wanyoro
Ru-ndjüru. Njüru bedeutet auf Kinyöro „Regen“
‚Nssöro in der verwandten Sprache der Waköndjo),
Ru-nssöro der „Besitzer des Regens“. Als Nssöro
zanz speciell bezeichneten StumLmAxN die KEinzeborenen
 die oben auf den Bergen sichtbaren weissen
Schneemassen, die nach ihrer wörtlichen Aussage
zu Stein gewordener Regen sein sollten. Der Regen
käme von dort oben her, von wo man sich einen
Stein (Bergkrystall) verschaffe, der überall als sehr
wirksame Regenmediein bekannt sei. Man verhandelt

1) Krarr, 1. c., I, 433, 444.
?) Krarr, Reisen in Ost-Afrika, I, 252, 271, ;
3) Kaarpr, 1, c., I, 209.
*) Dr. Franz StumuMANs, Mit Emin Pascha im Herzen von
Afrika, 8. 24.
5) StuHLmMaANNK. I. c., 39.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.