Eine der eigenthümlichsten Zauberformen sind
die Zaubermuster der SE&mang- Stämme, besonders
der Orang Panggang auf Ost-Maläka. Dieselben
dienen als Schutzmittel gegen die Winde, welche
Krankheiten bringen, und werden auf den Bambukämmen
der Frauen, den Köchern für die Pfeile und
den Schafttheilen der Blasrohre angebracht *).
Herrn F. K. MüönLerR verdanken wir die Verdeutschung
einer batak-malalischen Zauberformel,
um Regen zu erzeugen. Bei deren Gebrauch hat
man einen Schoss Bambus zu nehmen und dessen
Wände dünn zu schaben, doch so, dass das darin
enthaltene Wasser nicht ausläuft. Dann stellt man
sich in einen Fluss, nimmt in eine Hand den Bambus,
in die andere Idjuk (die haarige Faser der Blattachseln
der Zuckerpalme) und schwenkt unter Hersagen
der Formel beides über dem Kopfe. Dann zerbricht
man den Bambus durch einen scharfen Schlag
auf den Wasserspiegel, so dass das innere Wasser
ausläuft. Bei grosser Trockenheit muss man die Formel
drei- bis viermal hersagen,
Dieselbe Formel erzeugt Wind, wenn man beim
Hersagen derselben einen Fledermauskopf in einem
Niru (Reisschwinge) schwenkt. |
Sie lautet, wie folgt:
„Kommt doch, ihr Drache (naga) Balata (grosse
Bergschlange), Drache Balatu (zwei grosse Seeschlangen),
Drache der Wolken im Gebirge von dort
her! Kommt doch, ihr Drachen, weisse, von dort her
Beginne zu regnen, grosse Wolke! Komm’ heran,
Schlange Djenggina! Balle, winde dich, rufe zum
Spielen am Meeresstrand! Triff zusammen mit dem
Gebirgsfürsten, der herabkommt, zu streiten! Darum
herab, Obergott, steig’ hinauf, Untergott, steh’ Erdgott!
Herab, lieber, geehrter Zauberer, mein Schutzgeist,
der Schutzgeist des Guru, zum Schutzgeist
des Geisterfürsten! Heran, ihr Wetterwolken, rothen
Wolken und Cirrhuswolken und du, Sturm, der du
die Blätter der Bataten wendest und die Zäune umwirfst
! Komm heran, Eidechsenkönig, grüne Eidechse.
schwacher Wind!“ Schlussformel: „Es ist aus, Ende.“
Um den Regen zu verscheuchen und schönes
Wetter herbeizuzaubern, gebraucht man die
folgende Formel, welche siebenmal hergesagt werden
muss, worauf man pfeift:
„Komm’ heran, Herr, im Osten! Nimm von uns
deine Wolken, damit nicht Regen aus den weissen
ı) GrünwenDL, in der Sitzung der Berl. Anthropol. Ges
vom 11. März 1893.
Wolken fällt, damit nicht die sich schön färbenden
Wolken regnen. Lass’ nicht regnen die Donnerwolken
und die schwarzen Regenwolken, und uns
Jie Frühstrahlen der Sonne keinen Regen bringen!“ *)
‚Die Sakai der Malaischen Halbinsel laufen
bei Gewittern aus den Häusern heraus und drohen
den Dämonen mit ihren Waffen ?).
Hat sich der Himmel zum Sturme überzogen,
aimmt der Matrose einer malaischen Prau weisse
oder gelbe Hahnenfedern, bindet sie in eigenthümlicher
Weise zusammen und stellt sie in das Forezastle
(das Volkslogis unter Deck). Gleichzeitig betet
ar, dass sich die schwarzen Wolken entfernen mögen.
Dann wird der Hahn getödtet. Der Fischer bestreicht
seine Hand mit Kalk, deutet mit den geweissten Fingern
dreimal in die Wolken und wirft den Vogel in die See ®).
Wenn es donnert, schneiden auf der Malaischen
Halbinsel die Weiber ihre Beine mit Messern, fangen
Jas fliessende. Blut mit einem Bambusrohr auf und
werfen es in die Luft, um die Geister zu besänftigen
*).
Australier.
Der Stamm der Dieyeri am Kupferflusse (Süd-Australien)
wird durch den bösen Geist Kutchi geplagt,
jer nicht blos Krankheit und Tod, sondern auch Donner
and Wirbelwind verursacht. Wenn es donnert, stürzt
Alles aus dem Lager und macht stossende Bewegungen
mit den Händen gegen die Richtung des Donners.
Streift ein Wirbelwind das Lager, so sucht man
wohl manchmal den Geist mit dem Bumerang zu
tödten, doch gilt dies als sehr gefährlich °).
Das Regenmachen ist eine ihrer wichtigsten
Zeremonien, zu der die Bewohner der verschiedenen
Lager an einem bestimmten Orte vereinigt werden.
Es wird eine längliche Grube gegraben, über welcher
eine konische Hütte errichtet wird für die alten
Männer, die jungen sitzen am Eingange. Die Weiber
Jürfen nur hineinsehen und entfernen sich dann
wieder. Nun wird zwei von Mura-mura begeisterten
Männern mittelst eines starken Steines die Ader gelassen;
das Blut bespritzt die Umsitzenden, während
die beiden Männer Hände voll Flaumen in die Luft
1) MöLLEer, Beschr, einer Batak-Sammlung (Veröff, a. d.
k. Mus, f. Völkerk. 1898, 71).
2) Journ. of the Indian Archipelago, III, 430.
3) RızpeL, De sluik- en kroesharige rassen tusschen Selebes
en Papua, 412 f.
4) Journ. of the Straits Branch R. As. Soc, Nr. 4, S. 48.
Cit. in Folk-lore, I, 162.
5) Suyra. Aborigines of Victoria, I, 457.