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Dass es unmöglich wäre, von den Einheimischen
Todtenbretter zu erlangen (vgl. S. 98), scheint nicht
durchgehends richtig zu sein; wenigstens machte sich
Herr Anorr v.ScHEURE in Seewiesen erbötig, mir ein
rohes, blos mit den eingeschnittenen drei Kreuzen
versehenes Brett zu verschaffen, „da die Scheu vor
den Todtenbrettern nur einigen besonders abergläubischen
Weibern innewohnt“, Herr v. Scnwure hat
bestimmte Personen bezeichnen hören, welche Todtenbretter
stehlen, um sie zu verbrennen oder anderweitig
zu verwenden. In Seewiesen soll ein dem Trunke ergebener
Tischler gelebt haben, der die Särge aus Todtenbrettern
verfertigte, welche er Abends, wenn er aus
dem Wirthshause ging, entwendete. Ein Insasse von
Seewiesen nagelt, weil erfahrungsgemäss ein gutes
Brett nicht lange liegen bleibt, jene Laden, auf
welchen Angehörige seiner Familie lagen, am Orte
der Aufbewahrung mit grossen Holznägeln fest. Nach
stärkeren Regengüssen werden die Bretter oft auch
fortgeschwemmt, in den unteren Gegenden aufgefangen
und als Brennholz verwendet. Trotz dieser
Gleichgiltigkeit gegen die Leichladen gelang es Herrn
v. SCHEURE Nicht, von den Leuten selbst ein derartiges
Brett zu erlangen, da sie, wie er meint, ein Geldgeschäft
mit ihm machen wollten, und er nicht gewillt
war, etwas dafür zu bezahlen, Doch bleibt zu bedenken,
dass die Bretter wohl nur zum Verbrennen oder an
sumpfigen Stellen als Gehsteige verwendet werden.
zuweilen auch wieder als Sargbestandtheile dienen
müssen, kaum aber im Hausrathe eine Benützung
finden; es ist daher wohl erklärlich, wenn die Leute
sich scheuen, ein Brett zu ihnen ganz unbekannten
Zwecken auszuliefern, wobei es nicht durch Naturkräfte
(Feuer, Wasser) vernichtet wird.
Zu dem letzten auf S. 93 gebrachten Spruche
macht Herr Prof, Dr. Pavn Woiters in Athen die
Bemerkung: Das mehrfache gleichlautende Vorkommen
desselben erkläre sich daraus, dass er aus
der Literatur stammt. „Mir ist er als Kirchenlied
bekannt in dieser Form:
Wenn junge Himmelserben
In ihrer Unschuld sterben,
Verlieret man sie nicht,
Sie werden nur dort oben
Vom Vater aufgehoben
Und schauen Jesu Angesicht. u. s. w. u. s. W.
Ob dies die originale Fassung ist, kann ich hieı
nicht nachprüfen. Als Dichter wird Jow. Anpr. Rotnr
genannt. — Ob nicht überhaupt Mancherlei aus deı
Literatur in diese Sprüche eingedrungen ist? Die
Analogie der antiken Kirchhofspoesie würde durchaus
lafür sprechen.“ Auch Prof. Dr. JvuLius Eutme in
Strassburg bezeichnet diesen Spruch als ein Bezräbnisslied,
welches in verschiedenen Gesangsüchern,
z. B. in württembergischen, vorliegt. Dass
ler grösste Theil dieser Sprüche, soferne sie nicht
las Volksthümliche unverkennbar an der Stirne
‘ragen, auf Kirchenlieder zurückgehe, betonte mir
gersönlich Herr Dr. HAzerıanDt, der es auch als
wünschenswerth bezeichnete, den Quellen der verschiedenen
Verse nachzuspüren. Das ist eine Aufzabe,
die vorläufig noch der Erledigung harrt, da
leren Durchführung nicht in den Rahmen der vorjegenden
Zusammenstellung gehört.
Auf S. 96 vermuthete ich, dass die Bretter mit
der Uhr, welche die Sterbestunde anzeigen, von
Prof. Serr in der Gegend von Dachau gefunden
wurden. Sie kommen aber auch in der Umgebung
von Cham vor, wie Herr MArTHIAsS WEIXLGARTNER,
5tadtpfarrcooperator daselbst, meldet: „In dem ganzen
hamgau herrscht der Gebrauch der Todtenbretter.
\ufgestellt werden sie gewöhnlich bei Dorfeapellen,
Teldkreuzen, im Walde durch Annageln an Bäumen.
3esonders gebräuchlich ist es, auf das Todtenbrett
»ne Uhr zu zeichnen, mit Angabe der Sterbestunde.“
Auf Taf. II, Fig. 4, ist eine Photographie von der
Jorfcapelle in Prenzing (Gemeinde Willmering, Pfarre
und Bezirksamt Cham, Oberpfalzer Regierungsbezirk),
welche von Herrn Cooperator WEIXLGARTNER aufzenommen
wurde, reproducirt. An der Aussenwand
dieser Capelle sind mehrere Todtenbretter, darunter
vier mit Uhren, aufgehängt. Derartige Bretter mit
Jer Uhr erwähnt auch Rev. S. BArıne-GovrLp in „The
Family Friend“, Nr. 277, January 1893 (London),
in dem Artikel „Martyr-Tables“ (p. 4—6): „The
nost peculiar martyr-tables, if so they may be called,
ıre those seen in the Bavarian and Bohemian Forest.
here, when any one dies, he or she is laid on a
board rudely shaped to the human form, and with
a sort of shelf for the feet to rest against. The
vody lies on this till burial, and after burial the
0ard is painted and furnished with a sort of pentnouseroof,
Where the head was is a circular picture
representing the deceased kneeling upright in prayer,
and in the sky are representations of the Trinity.
Sometimes, instead of a picture, the cirele
is painted to look like a clock dial, with
the hands pointing to the hour and minute
of death. Below, where the back of the corpse
rested, an inseription is painted recording the name.