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Aber wo sind sie da entstanden? In Böhmen
selbst, wo sie auch zahlreicher vorkommen, oder
anderswo? LiıssAauErR sagt darüber, ohne ihre Verbreitung
im Osten zu kennen: Es „erscheint hienach
Vesterreich-Ungarn als die Wiege dieser Ringform“
%. Ich freue mich sehr, in Folge meiner
eigenen Forschungen dieser Meinung beipflichten zu
können, und würde dabei weiter noch am wahrscheinlichsten
Ungarn selbst annehmen. Ich
kenne bis jetzt die ungarischen Sammlungen aus
eigener Anschauung nicht und bin daher nur auf
die in dieser Beziehung etwas dürftigen Berichte
Punszey’s, Hamrpeı’s, Lussauer’s und Anderer ange:
wiesen. Aber wenn es wahr ist, dass dort die Ringe
mit complicirtem, gebogenem Ende schon ım IV,
und V. Jahrhundert vorkommen, dann spricht
dieses chronologische Moment entschieden
für die Annahme, dass die S-förmigen
Ringe dort auch ihren Ursprung nahmen
und von dort sich nach Norden und Nordosten
ausbreiteten, In Böhmen und Mähren
kann man solche Funde höchstens in das VII. bis
VIII. Jahrhundert setzen — die meisten gehören
gewiss dem X. bis XI. Jahrhundert an, wie uns die
häufig mitgefundenen Münzen lehren ?). In Polen und
Russland sind manche Gräberstätten, wie ich schon
früher gesagt habe, schwer zu datiren; doch weisen
die Münzfunde auch da auf eine spätere Zeit °) hin.
Dagegen sind die ungarischen Funde von Schläfenringen
zum Theile noch viel älter als die unsrigen
Die Funde von Alpär, Oroshäza, Nemes-Ocsa,
Karäsz und mehrere im Comitate Fej&r gehören
wahrscheinlich in eine spätere Zeit; die Funde von Oros-1)
Lussaver, 1. c., S. 141.
?) Die Ortschaften, wo in Böhmen und Mähren Münzen
zusammen mit Schläfenringen vorgefunden wurden, sind
folgende: Chrudim (bei der Kirche), Zelöany, Hrädek
bei Caslau, Schüttenhofen, Otmiky, VSelisy, Levy
Hradec, Dauba, Zelenic, ZadraZany, Alt-BydZow.
Hrädek zu Slupy in Prag, Petrovic, Repov, Radonic,
Tasnovic in Böhmen, Ober-Dannowic und Vranovic
in Mähren. Die älteste Münze, ein Denar Boleslaw’s II. (967 bis
999), stammt aus Repover Gräbern. Alle anderen gehören
schon in das XI. bis XII. Jahrhundert,
©) Z. B. die Gräber von Borek am Flusse Bug (Münzer
aus dem XI. Jahrhundert), Plonsk in Polen (XI. Jahrhundert).
Slaboszewo in Posen (XII. Jahrhundert), Urbanice bei
Wielun (XI. Jahrhundert), Körlin in Preussen (XII. Jahrhundert),
Podhorce in Galizien (Datum mir unbekannt) und
Andere. Im Silberfunde von Karowane (Schlesien) kamen
neben den Münzen aus dem X. Jahrhundert zwei eigenthüm-:
liche Silberplättchen vor, deren eines Ende S-förmig umgebogen
war (Schlesiens Vorzeit. II. S. 226).
ıäza gehören nach L, Ber. in das X, bis XI. Jahrh, *),
ın Karäsz (Szaboles) ist ein S-förmiger Schläfenring
nebst einem Kreuzchen mit Christusbild aufgefunden
worden *), in Alpär eine Münze des König Andreas ?);
zuch die Gräberstätte von Hödmezöväsärhely
stammt aus einer späteren Zeit‘). Aber in anderen
Funden kommt der Typus c oder dessen weitere Entwicklungsformen
noch mit typischen Objecten aus der
7ölkerwanderungszeit vor. So tritt z. B. in Nagy-/ärad
Tyrus @ und c neben orientalischen Ohrzehängen
auf). Bei Sös-Härtyän wurde ein
Schläfenring zusammen mit einer Goldmünze Theolosios
II. (408—480) aufgefunden °). Auch die Funde
on Letenye gehören nach Lıssavuer noch in das
/1.Jahrhundert ’). Am wichtigsten erweisen sich hier die
Ausgrabungen Lırr’s bei Keszthely. Dort wurden
zwei ausgedehnte Gräberstätten entdeckt und planmässig
ausgebeutet. Die Gräber enthielten fast durchwegs
Skelette mit verschiedenen Objecten, meistens
Schmucksachen im Style der Völkerwanderungszeit.
pp verlegt sie in das IV. bis V., HAmrpeiL mindestens
n das V, Jahrhundert nach Christi °). In dem Inventar
anden sich auch Schläfenringe vor, und zwar nicht
nur vom Typus @, sondern auch solche vom Typus
Fig. 265 und ähnliche, sowie noch eine eigenthüm-.iche
Form, bei der die einfache Schlinge nicht
nach aussen, sondern nach innen umgebogen erscheint
°).
1) Archaeologiai Ertösitö, 1890, S. 417.
?) Ebenda, 1892, S. 171, Fig. 274. — Ueber andere Funde
aus dem Comitate Gran siehe Prähistorische Blätter 1892,
5. 69. S. MöLLer und Lıssauer erwähnen in ihren Ahhandlungen
noch andere Fundorte,
3) Archaeologiai Ertesitö, 1884 (III), S. 156, 158.
‘) Ebenda 1894, S. 187. |
’) Archaeologiai Ert6sitö, 1893, S. 140, Fig. 22, 27, 28.
») Ebenda, 1887, S. 433.
') Lissaver, 1. c., S. 140.
8) Archaeologiai Ert6sitö, 1883, S. 145. Ungarische Revue,
1886, S. 1 ff., 1887, 251, 314,
% In diese Gruppe können wir auch die ähnlich ge-;talteten
Ringe aus einigen süddeutschen Reihengräbern einreihen.
Ich erinnere hiebei nur an die Formen (Fig. 275),
lie sich von Reichenhall in Berlin befinden. Vgl. auch
"ENDENSCHMIT, Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit, Bd. IV,
Paf. 47. Hier führe ich noch zwei interessante Rıing-'ragmente
aus dem Comitate Fejer an, deren Form uns die Abıildungen
zeigen (Fig. 276 u. 277, nach Archaeologiai Ert6sitö,
‚892, S. 305). Es sind mir noch einmal ähnliche Ringe vor
Augen gekommen, und zwar aus den Gräbern von Redkin-Lager
in Russ. Armenien (Fig, 278, nach Caanrtre, Recherches
anthropologiques dans le Caucase, Bd. II, S. 175; mehrere
sah ich noch in der Ausstellung der kais. archäol. Commission
für das Jahr 1892 in St. Petersburg). Freilich wage ich es
nicht. beide Funde in ein näheres Verhältniss zu bringen.