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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 14=24.1894

— 198 -—

Schläfenringe des Prager Museums, die mit der
Etiquette: „Kladno, Zbecno“ u, A. bezeichnet sind,
aus einer schon oben genannten Gräberstätte stammen
Hradec Krälov6 (Königgrätz):
Chrudim;
Chotoviny bei Täbor;
Kladno;
KnöZiec bei Caslau.
Kocanda in Prag;
Korno bei Hotfoviec;
Nestömic bei Aussig a. E.:;
Oufking&ves bei Prag;
Radnic bei Pilsen;
Rejkovic bei Hotovic;
Rivnäß (Burgstätte) bei Prag;
Särka (Burgstätte bei Prag);
Väclavic (welches?);
VySehrad bei Prag;
Zbeäno (aus der Umgebung dieses Ortes):
Zleby bei Caslau,
Sechsmal wurden die Schläfenringe in Böhmen in
Brandgräbern gefunden, und zwar: 1. im Urnenielde
 am Berge St. Johann bei Netolie '); 2. in einem
Brandhügelgrabe im Walde „Bor“ bei Libe&jic’);
3. an zwei Stellen bei Rataje (nach Hrase). Einer
kam in einer Urne vor, die auf der Flur „na vySinkäch“
 im Felde aufgefunden worden ist, die anderen
in Hügelgräbern auf der Flur „na homoli“ in den
Jahren 1862—1863®). Nach einer brieflichen Mittheilung
 Hrase’s stammen auch die Ringe im Prager
Museum, welche mit „Chynov“ bezeichnet sind.
aus den Hügelgräbern. Nach einer älteren Nachricht*)
 fand Lüssyzr einen Hakenring in einer Urne
des bekannten Urnenfeldes am Fusse des Kunöticer
Berges bei Pardubitz. Herr L. ScnweiDEer machte
mich aber aufmerksam, dass dieser Fund nicht hinreichend
 beglaubigt ist.
Endlich stammen einige Schläfenringe aus
Münzendepöts her. So wurde bei Zeltany unweit
Blovice ein Schatz von Silberdenaren der Herzoge
Oldrich I. (1012-—1037) und Bfetislav (1037— 1055)
1) Durchforscht von Prof. Dr. WoLpticH (Pamätky archaeologick6,
 XII, S. 145).
?) WoLDkich, Beiträge zur Urgeschichte Böhmens, III, in
den Mitth. der Wiener Anthropologischen Gesellschaft, XVI,
S. 87, 90.
„83) Vocer, Pravök zemö GCesk6, S. 10; Pamätky archaeologicke,
 VI, S. 211. Ob ein silberner Schläfenring, den Hrase
mit „Rataje“ bezeichnet und dem Prager Landesmuseum
schenkte, von demselben Fundort stammt, ist mir unbekannt.
4) VoceL, Pravök zemö Cesk6, S. 508: Pam. arch., IV, S. 88.

sammt 10 Schläfenringen aus Silber '), und bei
Zadrazany nächst Neu-Bidschau viele Denare des
Fürsten Svatopluk (1107—1109) und Bofivoj II.
sammt 9 Silberringen gefunden *).
Die Gesammtzahl aller Fundorte ohne Rücksicht
auf die Fundumstände beträgt demnach 124.
Es ist daraus ersichtlich, dass uns Böhmen durch
seinen ausserordentlichen Reichthum an Funden dieser
typischen Art von Schläfenringen überrascht. Ich
kenne kein anderes Land, das sich in dieser Hinsicht
 mit Böhmen messen könnte. Schon das benachbarte
 Mähren ist an solchen ungleich ärmer.
Meines Wissens sind es im Ganzen nur 18 Fundstätten,
 auf welchen in Mähren S-förmige Ringe
vorgekommen sind, und zwar sind es folgende:
Boritov (Skelettgräber);
Cholina bei Litovel (Skelettgräber);
Dunajovic Horni (Ober-Danowic) (Skelettgräber) ;
KrouZek bei Nömcany (Skelettgrüber) ;
Mährisch-Krumau *);
Malomö&tic bei Brünn;
Mikulovie (Niklovice) bei Znaim (Skelettgräber);
Näklo (Nakel) bei Olmütz;
Rena (Burgstätte) bei Eibenschütz;
Ryb&Sovic bei Raigern (Skelettgräber):
Vedrovic bei Krumau (Skelettgräber);
Vranovic (Branovic) (Skelettgräber):
Vrchoslavie bei Prerau;
Zäbrdovic bei Brünn;
Znaim (am Burgwall);
Zidlochovie (Sellovic) (Skelettgräber).
Aus Brandgräbern wurden solche nur aus dem
Polesovicer Urnenfelde (?) gemeldet *); aber auch
anter den Beigaben des Urnenfeldes von TrZie beindet
 sich im Wiener Hofmuseum ein Ring, den
nan entweder für einen beschädigten Schläfenring
oder offenbar für einen Hakenring vom Typus
Fig. 262 halten muss 5). *
Dass diese echten S-förmigen Schläfenringe im
eigentlichen Westeuropa vorkämen. ist mir gänzlich

1) Pamätky archaeologicke, XII, S, 483, 503, 556.
?) Pamätky archaeologick6, XV, 8. 780; Casopis spol.
prätel star., 1893, S. 18,
3) Nach der Angabe des Prof. Dr. J. Worpticn befindet
sich ein Schläfenring in der Sammlung des Brünner Polytechnicums
 mit der Etiquette „von Krumau“, Es ist aber
wahrscheinlich, dass derselbe von dem benachbarten Fundorte
bei Vedrovic stammt.
4) Casopis muz, spolku olomuck6ho, 1890, S. 75.
5) Saal XI, Vitr. 64 (im Jahre 1890).
            
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