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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 14=24.1894

‚93

mit den Schnitzfiguren auf den Pfeifen, Löffeln,
Speiseschüsseln etc. der Igorroten auf Luzon ist
wohl unabweislich. Desgleichen ist Fig. 256 (Coll.
KıemwäcHTER, Nr. 5354, Berlin), mit Köpfen und
Augennägeln verziert (vgl. J. Tmomsox, Journal of
the Roy. Geogr. Soc., London, XLIII, p. 103, über
die Verzierung der Pfeifen in Südformosa), nicht
unähnlich dem Stil der Verzierung von Metallpfeifenköpfen
 der Tinguianen. Auch die Gewohnheit
der Frauen, die Pfeifen, falls nicht daraus geraucht
wird, in’s Haar des Hinterkopfes zu stecken (J. Donn,
{. c., 75), ist eine malayische.
Ein für Formosa charakteristisches Object ist
die unter Fig. 257—9259 abgebildete Maultrommel

Fig. 257. Fig. 258. Fig. 259.
Maultrommel mit Maultrommel mit Maultrommel mit zwe:
Messingzunge (1/,). Bambuszunge (1/,). Kumpferzungen (1/,).

aus Bambus mit Metallzungen. Dieselbe ist das
einzige Musikinstrument der Formosaner. Sie wird
beim Musiciren mit der gewölbten Fläche an den
Mund zwischen die obere und untere Zahnreihe
gelegt, die Schnur auf der rechten Seite festgehalten,
während auf der entgegengesetzten Seite der Faden
bewegt und gleichzeitig stark gehaucht wird, wodurch
 brummige Töne entstehen. Nach dem Thai
wan futschi (Hırre, 1. e., p. 91) bringt der Bewerbeı
um ein Mädehen demselben auf der Maultrommel
(k‘on-ch‘in) ein Ständchen. „Ist es ihr angenehm,
so kommt die Jungfrau heraus, um sich mit ihm
zu vereinigen.“ Nach Jozsr (Die Ainos auf der Insel
Yesso, Z. f. E., XIV, 1882, p. [191]) besitzen die
Ainos in ihrer Manltrommel. mokorri, ganz dasselbe

Musikinstrument. Die malayischen Parallelen
von den Dayak, . Batak, Sundanesen, Javanen sind
allbekannt.

3.

So kärglich und lückenhaft das Material ist,
auf welches fussend im Obigen einige Mittheilungen
über die ethnographische Ausstattung der nördlichen
Formosaner versucht worden sind, so ist doch das
Jesammtbild ein sehr bestimmtes und durchaus
malayisches Gepräge verrathendes. Im Besondern
zind es die Analogien zwischen den Eingeborenen
‚on Formosa und den malayischen Stämmen der
Philippinen, die dabei gehäuft hervortreten.
Webstuhl, Kleidungsstücke, Regen- und Sonnendach,
Schmuckgegenstände, wie Hals- und Armringe aus
Cberzähnen, Brautschmuck, Pfeifen- und Griffschnitzereien
 u. A. m. weisen neben allgemein
malayischen Anklängen zunächst auf Objecte phiippinischer
 Stämme hin, In ähnlicher Weise ist in
.inguistischer, sowohl: glossarischer wie morphologischer
 Beziehung das philippinische Sprachmaterial
als das beziehungsreichste gegenüber dem Formosanischen
 erkannt worden. (Siehe Frızpr. MüöLLer,
Sprachwissenschaft, II, pp. 87—160; Abbe Favre:
Nötes sur la langue des Aborig. de l’ile de Formose;
J. Morcan, Ethnology of the Indo-Pacific Islands:
Language, Part. I, ch. II, $ VIII, p. 150.) Dies
Verhältniss näherer und gehäufterer Beziehungen zu
ler malayischen Bevölkerung der Philippinen würde
in der geographischen Lage ausreichende Erklärung
äinden. Von den umliegenden kleineren Inseln haben
die Bashee-Islands eine den Tagalen von Luzon
ihnliche Bevölkerung; auch im Südosten von Formosa
1at Botel Tobago eine wilde Malayenbevölkerung,
leren Culturzustand am meisten dem der centralen
Malayenstämme auf den Philippinen entspricht.
Mit den soeben betonten Analogien zwischen den
sogenannten Chekwans und Chinwans von Formosa
ınd den philippinischen Malayenstämmen soll nun
aber keineswegs die Herkunft der Formosaner von
Jer Gruppe der Philippinen behauptet werden; es ist
‚.ndessen anzunehmen, dass in den Eingeborenen von
Formosa eine der nördlichsten Bevölkerungswellen
erkannt werden müsse, die, von dem Centrum der
malayischen Rasse ausgehend, ehedem auch über die
Philippinen hinweggegangen ist. Zur wissenschaftlichen
 Befestigung aller hier einschlägigen Fragen fehlt
ans freilich noch das Meiste, neben dem linguistischen
namentlich auch das anthrovologische Material.
            
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