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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 14=24.1894

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gehört. Die westliche Schmalseite ist dem Meere
zugekehrt, an der südlichen Langseite senkt sich
der Weg von Torre zum Hafen, an der nördlichen
liegt eine enge Schlucht, an der östlichen Schmalseite
 hängt der Hügel mit dem Nachbarterrain zusammen;
 hier ist der Zugang und auch der obligate
Wall. Der Castellier liegt in der Einsenkung zwischen
zwei grossen Höhenrücken, beherrscht aber den Abstieg
 zum Porto Torre, von wo noch jetzt ein ziemlich
 reger Verkehr (mit Holz und Steinen) nach
[Italien stattfindet. Der unförmliche und sehr hohe.
aus Steinen aufgethürmte Wall ist durch die Anlage
der neuen Fahrstrasse zum Häfen theilweise beseitigt
 worden, Eine weitere Umwallung ist nicht
zu bemerken, doch läuft um den Hügel ein flacher,
breiter Rand, der künstlich angelegt scheint. Innerhalb
 dieser Randzone, welche allwärts Scherben von
römischen und prähistorischen Thongefässen, Quetschsteine
 u. dgl. enthält, erhebt sich die felsige, jetzt
grösstentheils mit Dorngestrüpp bedeckte Hügelkuppe,
 deren höchste Stelle unfern des erwähnten
Walles von der unvollendeten Capelle San Martino
eingenommen wird. Von hier geniesst man einen
weiten Ausblick über das Meer, das Vorgebirge, die
Quietomündung und das jenseitige Ufer bei Cittanova.
An dieser Stelle soll ehedem ein Friedhof gelegen
 haben. Beim Baue der neuen Capelle wurden
Gräber der Vermo-Pizzughistufe aufgefunden, deren
Inhalt, soweit er gerettet ist, in das Museum zu
Parenzo gelangte. Die Hauptstücke desselben sind:
2 mittelgrosse Bronzesitulen, Fragmente einer Cista
a cordoni; 1 flacher Bronzedeckel (vielleicht von der
Ciste); Bruchstücke schwarzer, mit Bronzenägelchen
(borchie) verzierten Schalen, die einzigen, die bisher
in Istrien gefunden wurden, dann Schlangen- und
Certosafibeln, mehrknöpfige Schmucknadeln, Drahtspiralrollen.
 Nach den Fibelformen und der ebenso
gut chronologisch bestimmten Reifenciste gehören
diese Gräber dem V., Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung,
 wahrscheinlich der II. Hälfte oder dem
Ende desselben an.
. Ich liess, im Vereine mit Herrn Bezirksarzt
Dr. Bernardo Schravuzzı, dem verdienten Vicepräsidenten
 der Societä Istriana di archeologia e storia
patria, durch nur vier Arbeiter an fünf Stellen des
Castelliers Gräben ziehen. Zunächst an zwei Stellen in
der nördlichen Randzone. Unter der lockeren, circa
0:25 m tiefen Ackerkrume, welche, wahrscheinlich
in Folge. ihrer Abschwemmung von der zum Theile
denudirten Hügelkuppe Bruchstücke römischer und

»rähistorischer Thongefässe enthielt, zeigte sich eine
metertiefe, dichtere Humusschichte, in welcher sich
bis zu 0:50 m Tiefe das Gemenge prähistorischer
ınd römischer Reste fortsetzte, worauf in gleicher
Mächtigkeit eine rein prähistorische Schichte folgte.
£rst hier in der Tiefe fanden sich die zwei Scherben
ıines rothfigurigen, griechischen Gefässes, von welchen
ler eine Fig. 218 abgebildet ist. Darunter trat der
‘odte Schotterboden zu Tage. Noch weniger ergiebig
waren mehrere Stellen. in der Nähe der Capelle,
wohin die Arbeit dann verlegt wurde, um eventuell
ı10ch Gräber der Hallstatt-Periode aufzufinden. Hier
war die Bedeckung des Felsbodens entweder sehr
schwach oder sie bestand in der Tiefe aus Steinschutt,
 über dem die Erde nur unbedeutende Topf->ruchstücke
 enthielt. Wenn nicht der Zufall eine
zünstige Wendung herbeiführt, darf man demnach
lie Culturschichte dieses Castelliers als nicht abbauwürdig
 bezeichnen. Die Funde waren: ‚,
1. Metall: 1 Victoriat ohne Münzmeisternamen
Münzmeisterzeichen ein Eber); 2 Bronzeblechfragnente,
 das eine sehr stark, nicht von einem Geässe;
 1 dreikantige eiserne Pfeilspitze mit Dülle:
* eiserner Schlüssel mit Ring.
2. Glas: Spitziger Boden eines kleinen Gefässes,
3. Thon: Bruchstücke römischer Amphoren mit
spitzem und kleinerer Gefässe mit flachem Boden;
Reste schwarzgrauer, stark gebrannter, henkelloser
Drehscheibentöpfe mit scharf profilirtem Rand und
Jmlauffurchen (römisches Bauerngeschirr); Randstück
eines ähnlichen Gefässes mit getupftem Mundsaum;
durchbohrte, blassgelbe Thonkugeln (Netzkugeln).
Dann aus älterer Zeit: Zwei Bruchstücke, wohl
ron einem und demselben griechischen Gefässe (das
ıicht abgebildete ist etwas stärker und zeigt nur
len Rest eines breiten, rothen Horizontalstreifens,
;onst den gleichen innen und aussen etwas verıchiedenen
 schwarzen Firnissfarbanstrich). Auf dem
nen Splitter (Fig. 218) sieht man den Ueberrest
ner Mantelfigur, dahinter ein Stück von der Ein-:ahmung
 des Bildes, rothes Band mit schwarzen
'nnenlinien, zwischen welchen Reihen gegenständiger
“pheublätter erscheinen. Diese KEinrahmung ist
;harakteristisch für die Uebergangszeit vom schwarzigurigen
 zum rothfigurigen Vasenstil, wie sie etwa
in den Amphoren des Nikosthenes unserer Anschauung
zugänglich ist. Demnach würde das Gefäss aus dem
\nfange des V. Jahrhunderts stammen. Bruchstücke
‘lesiger, flacher (Back-?) Pfannen mit niederem Rande;
sehr grosser (Vorraths-) Gefässe mit unförmlichen.
            
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