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würdigen, denn das muss ich als die Aufgabe eines
Fachmannes in der Archäologie betrachten. Nur die
eine Bemerkung sei mir gestattet, dass mir die in
dem sorgfältig zusammengestellten Verzeichnisse deı
hiehergehörigen Kunstwerke (bestehend aus Terrasottafiguren,
Bronze- und Marmorstatuetten, ferneı
Vasen- und Wandgemälden) von SrepHAnı gewählte
Eintheilung in Schauspieler, Musiker, Agonisten und
Schlemmer nicht sehr berechtigt erscheint. Ich war
leider nicht in der Lage, allen diesen Belegen
nachzugehen und es ist, wie gesagt, auch nicht
meine Aufgabe, heute alle diese 24 Kunstgegenstände
zu erörtern: aber nur auf den Umstand möchte ich
Fig. 97. Kynodesme (SrerHANı).
a, b Terracottastatuetten aus Südrussland (griechische Komiker)
c Bronzestatuette aus Canua (etrnskischer Diskobol)
nebenbei hinweisen, dass man auch bei diesem Gegenstande
ersehen kann, wie innig sich zuweilen zwei
Disciplinen berühren können und wie es gerade hier
die Natur der Sache erheischt, dass die Frage nicht
einseitig und nicht nur vom Archäologen, sondern
auch vom Anthropologen und Mediciner untersucht
wird. Die vorerwähnte Eintheilung von SrtEerHaAnı
halte ich darum nicht für vollkommen berechtigt
weil ich überzeugt bin, dass man vielleicht mit der
Zeit auch noch Statuen und Bilder anderer Standeskategorien
auffinden wird. Schon die Satiren der
Silen und der Marsyas, welche er anführt, wollen
nicht recht in die vier Gruppen hineinpassen. Auch
durch die folgenden Worte versucht SrtEerHAnı zu
einer recht gezwungen aussehenden Erklärung zu
gelangen: „Aus den Kunstwerken ersehen wir, dass
dieselbe Gewohnheit (Infibulation) auch im Gymnasion
und überhaupt bei allen Personen, welche auf die
Erhaltung männlicher Kraft besonderen Werth legten
ılso namentlich bei denen, welche sich durch üppige
„ebensweise bereits um einen Theil dieser Kraft
zebracht haben, nicht weniger verbreitet war. Was
las Gymnasion betrifft, so mag wohl geradezu eine
zücksicht auf die dort so leicht zu erregenden
»äderastischen Neigungen mitgewirkt haben. Natürich
aber trug die Kunst die Sitte auch auf mythische
Personen von ähnlichem Charakter über,“
Als die Hauptursache für diese verfehlte Anschauung
ist, wie erwähnt, die Verwechslung der
Infibulation mit der Kynodesme anzusehen. Der
Unterschied ist uns nach dem Vorhergehenden klar:
Die Infibulation war eine durch blutige Operation
bewerkstelligte Verstümmelung, die Kynodesme keine
Verstümmelung, sondern nur eine unblutige Manipulation
mit dem Gliede. Zur Infibulation verwendete
man für gewöhnlich eine Metallfibel verschiedener
Gestalt, welche durch die vorher perforirte Vorhaut
ıindurchgesteckt wurde, und zwar zu dem Zwecke,
um den Coitus zu verhindern; als Kynodesme hingegen
bezeichnete man ein Band zum Aufwärtsvichten
oder Unterbinden des Gliedes. Ueber ‚den
Zweck der Kynodesme sprechen sich die griechischen
Schriftsteller nicht klar aus; es hat vielmehr oft
den Anschein, als wie wenn sie bei Erwähnung
dieses Wortes an etwas Selbstverständliches gedacht
ıätten. Die Begattung konnte durch dieselbe gewiss
ılcht verhindert werden, denn das Glied war nur
nehr oder weniger locker angebunden und der Be-;reffende
hatte es ja in seiner Macht, den an seinem
xliede geknüpften Knoten zu lösen, respective das
ainter die Bauchschnur gesteckte Glied herabzulassen,
wenn er es wollte,
Ein Blick auf die Abbildungen Fig. 94—97 kann
ans davon sofort überzeugen. Würde man thatsächlich
lie Absicht verfolgt haben, durch die Kynodesme
lie Begattung unmöglich zu machen, so hätte es
zewiss viel fester angebrachter Vorrichtungen bedurft,
la ja doch nicht die Cohabitation coram publico,
sondern nur in camera caritatis in Frage kommen
zonnte; dasselbe gilt von den päderastischen Neizungen,
Zu diesem Zwecke war aber die Infibulation
bestimmt. Man vergleiche nur die Fig. 93 mit den
'rüher erwähnten Abbildungen Fig. 94—97.
Und thatsächlich sprechen die römischen Schriftsteller
ausdrücklich von Fibeln, Ringen, Hülsen,
Zuhilfenahme von Schmieden etc. Wäre die Infibulation
identisch mit der Kynodesme, so müsste man doch
an den Statuen oder Gemälden der Griechen und
<trusker eine fibelartige Vorrichtung sehen, wie bei
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