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Holzvorräthe liegen aber auch jetzt noch im Hausgarten.
Eine noch weiter gehende Entwicklung, nicht
zwar in den Wohnräumen, wohl aber in den Wirthschaftsräumen,
zeigt das Haus, dessen Beschreibung
jetzt folgt. Es ist dies ein Bauernhaus aus Oedenburg
selbst (siehe Fig. 84—86).
Uneingeweihten mag es sonderbar erscheinen,
dass jetzt von einem Bauernhause aus Oedenburg
gesprochen werden soll. Man wird es nicht leicht
zusammenreimen können, dass eine anerkannt culturel]
30 hoch stehende und an Einwohnern doch nahezu
Jreissigtausend zählende Stadt überhaupt Bauernhäuser
aufzuweisen haben soll. Während: nämlich
die Bewohner der Städte in unseren deutschen Nachbarstaaten
schon vor ‚Jahrhunderten sich hauptsächlich
aus Handel- und Gewerbetreibenden zusammensetzten,
bildet heute noch in den meisten
Städten Ungarns die Ackerbau betreibende Bevölkerung
den Kern der Masse, So ist es auch in
Dedenburg, und was der Rathsschreiber der königlichen
Freistadt Oedenburg vor 200 Jahren (1694)
gesagt, gilt auch heute noch mindestens für den
vierten Theil der Bewohnerschaft Oedenburgs: „Das
Weinwesen betreffend ist es Gemeiner Stadt und
der armen Bürgerschaft einzige Nahrung und gleichsam
eine Seele, womit sie sich bei so schwer bekümmerlichen
Zeiten und überhäuften Abgaben
einzig und allein aus der Noth zu bringen, müssen
angelegen sein lassen.“
Die Stadt Oedenburg für sich ist Eigenthümerin
eines Grossgrundbesitzes von über 4000 Joch Flächenausmass.
Zum Territorium der Stadt gehören ausserdem
bei 11.000 Joch Wald und über 700 Joch
Hutweide, die Gemeingut aller hausbesitzenden Bürger
sind. Ferner gehören dazu noch an 8000 Joch
Acker-, Wiesen- und Weingartenland, die sich im
Privatbesitze der Ackerbau betreibenden Bevölkerung
Jedenburgs befindet.
Die Ackerbauer bilden in Oedenburg einen für
sich abgeschlossenen Stand, der gewöhnlich mit dem
Namen der „Wirthschaftsbürger“ belegt wird. Der
Wirthschaftsbürger Oedenburgs unterscheidet sich
nicht nur in seiner Kleidung, sondern auch in seiner
Sprache von seinen Mitbürgern. Letztere hat er mit den
Bewohnern der umliegenden deutschen Dörfer gemein,
in Hinsicht auf die Kleidung weicht er als Städter auch
von der der Dörfler ab. Während der Dorfbewohner
das dunkelblaue Tuch vorzieht, ist die Farbe des
Oedenburger Wirthschaftsbürgers das ernste und
würdige Schwarz. Schwarz ist der weiche, niedere
Filzhut, mit der nur schwach nach aufwärts geschwungenen
Krempe, schwarz ist auch der aus
nattglänzendem Tuche gefertigte kurze Rock, schwarz
lie seidene Weste mit den enggereihten silbernen
Knöpfen, schwarz auch das anliegende lederne
Beinkleid, das in hohen, bis an die Kniekehle
teichenden, blank gewichsten Stiefeln steckt.
Das der Oedenburger Wirthschaftsbürger ein echter
Landwirth ist, beweist auch sein Haus.
Das Haus, das die Illustrationen unter Fig. 84
bis 86 veranschaulichen, befindet sich im Besitze der
Witwe nach Johann Pohl und liegt in der Kleinen
Gasse unter Nr. 15 in Oedenburg.
Die Wirthschaft bilden 25—30 Joch Ackerland,
! Weingärten, eine kleine Wiese und ein Krautacker.
Unter der angeführten Anzahl Joch Acker-'and
sind jedoch nicht Katastraljoch verstanden. Der
Jedenburger rechnet in der Regel nach kleinen Jochen
Jui). Er versteht darunter ein Stück Land, das
lurch ein Paar Ochsen im Laufe eines Tages umzeackert
werden kann und etwa 1200 Quadratklafter
umfasst,
In ebenfalls vom gesetzlichen Maasse abweichender
Weise berechnet man in und um Oedenburg das
Weingartenland. Es wird nach Pfund geschätzt. In
)edenburg rechnet man:
100 Pfund == 4 Joch.
Der Agendorfer rechnet:
1 Pfund — 100 Quadratklafter —= 525 Weinstöcke
2. „ = 200 » = 1050 »
u. 8. W.
Die oben angeführten 7 Weingärten machen etwa
10—50 Pfund aus.
Das Wiesenland schätzt man nach „Tagewerk“,
5ine Wiese, die an einem Tage aufgearbeitet werden
zann, umfasst ein Tagewerk (Tä’weach) — 400 bis
500 Quadratklafter. Die oben erwähnte Wiese be-Ttägt
2 Tagewerke.
Auf die Beschreibung des Hauses nun selbst
übergehend, glaube ich, mir ein tieferes Eingehen
arsparen zu können, da die Zeichnung für sich das
Haus schon erklärt und zudem zeigt, dass es in
seiner Anlage und Bauart nur wenig von den bereits
»eschriebenen Häusern abweicht. Es wird genügen,
wieder nur das Abweichende hervorzuheben,
Die ” Vorderansicht zeigt als Einfahrt ein genauertes
Thor, das oben mit einem kleinen Schindellache
versehen ist. Im Thore selbst befindet sich
aine kleine, kaum mannshohe Thüre. Das Dach des