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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 13=23.1893

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sowohl das ältere wie das jüngere Steinalter vertreten:
 hier finden sich aber auch die sonst nirgends
 nachweisbaren Uebergangs- und Zwischenformen.
 Dass die durch die Kjökkenmöddinger-See-
 und Küstenfunde vertretene Culturperiode älter
ist als die Periode der megalithischen Grabdenkmäler,
gilt heute unter den angesehensten nordischen Archäologen
 als unzweifelhafte Thatsache.
Während die der ersten Periode angehörenden
Gegenstände aus Feuerstein einfach zugeschlagen
und nicht geschliffen sind, erscheinen die in den
Gräbern gefundenen Aexte und Meissel schön geschliffen
 und die Lanzen- und Pfeilspitzen kunstvoll
zugehauen. Während die Kjökkenmöddinger-Menschen
ausser dem Hunde kein anderes Hausthier besassen,
haben nun auch für Dänemark die in den letzten
Jahren vorgenommenen Untersuchungen dieselbe
Thatsache, die für Schweden schon früher nachgewiesen
 war, festgestellt : dass das Volk der Jüngeren
Steinzeit die Ziege, das Schaf, das Schwein und das
Pferd als Hausthier besass. Nur hinsichtlich des
Rindes konnte auf Grund der dänischen Ueberreste
noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden, ob
dasselbe gezähmt war oder nicht !). Für Schweden
ist jedoch diese Frage längst schon entschieden.
Während ferner die Menschen der älteren Steinzeit
 von der Jagd und Fischerei lebten, waren es in
der jüngeren Steinzeit hauptsächlich die Viehzucht
und der Ackerbau, die den Menschen mit der nöthigen
Nahrung versahen. Zum Schlusse war auch die Vegetation
 während der jüngeren Steinzeit eine andere
als während der Errichtung der Muschelhaufen. Diese
fällt in die Kiefer- ?) und die darauffolgende Eichenperiode,
 während im Beginne der neolithischen Zeit
jedenfalls schon die Buche im Lande aufgetreten
war. Dies ergibt sich unzweifelhaft daraus, weil
das Germanische den urarischen Ausdruck für „Buche“
besitzt, den es nicht besässe, wenn nicht im Beginne
 der neolithischen Zeit die Buche im Lande
vorhanden gewesen wäre, möge man nun mit MonrELIUS
 die Germanen zu dieser Zeit nach Skandinavien
 einwandern lassen oder sie als die unmittelbaren
Nachkommen des in der Heimat zurückgebliebenen
arischen Urstockes betrachten,

ı) MüönLEerR, Sormus, Zoologiske 0g archxologiske Bestemmelser
 (in den Aarböger for nordisk Oldkyndighed og Historie
1888, S. 265). — Petersen, C. 6. Jom., Wınae, HerLur, 0g WInGE
OLur, Dyrelevninger fra eldre og yngre Stenalders Bonladseı
(Aarb. 1888, S. 311).
2) Steenstaup. Kiokkenmeddinger 17—19.

Auch darüber besteht - unter den nordischen
\rchäologen kein Zweifel, dass das ältere Steinalter
Dänemarks und Südschwedens als eine Fortsetzung
Jer paläolithischen Periode West- und Mitteleuropas
„u betrachten ist. Es mögen hier nur die letzten
Aeusserungen der angesehensten unter denselben ihre
Stelle finden: „Aus diesen Gründen“, sagt UnpDser,
„führt mich eine allgemeine archäologische Betrachzung
 der Ueberreste aus dem Steinzeitalter Europas
Jahin, in den dänischen Kjökkenmöddingern die
üngsten und letzten Ausläufer des namentlich
in Westeuropa so wohlbekannten älteren Steinalters
zu sehen, welches in seinen früheren Phasen sich
veit zurück in ältere geologische Perioden erstreckt.“ *)
Ind Soru. MüönLEer, der gegenwärtige Conservator des
\ltnordischen Museums in Kopenhagen, äussert sich
über diese Frage in folgender Weise: „La premi&re
spoche de läge de pierre de Danmark est la coninuation
 de ces äges prec6edents, que l’homme avait
jass6s dans 1’Ouest de l’Europe, et ]ä on trouve
presque toutes les mömes formes que dans ce pays.“ *)
Während jedoch die neolithische Periode Westınd
 Mitteleuropas durch eine tiefe Kluft —- den soyenannten
 Hiatus — von der paläolithischen Periode
zeschieden ist®), ist das ältere Steinalter Dänemarks
ınd Südschwedens mit dem jüngeren Steinalter durch
sine Reihe von Uebergangs- und Zwischenfunden
zerbunden.
So hat schon im Jahre 1874 MoxrTeLmus die in
Jen Kjökkenmöddingern gefundenen ovalen Aexte
Typus ß, Fig. 13) als das Zwischenglied zwischen
lem Typus der in den paläolithischen Schichten Westxyuropas
 gefundenen Aexte (Typus «) und dem dem
\nfange der neolithischen Periode Skandinaviens anzehörenden,
 gleichfalls ovalen Typus 4 und dem
;päter aus diesem entwickelten Typus B nachzewiesen.
 „Il est ä croire que le type A s’est developpe
 ‚du type represente par la fig. 13. La
liff&rence proprement dite parait consister en ce.que
Yoriginal de la fig. 13 est d’une facture plus grosziere
 et n’a pas €t6 poli, et que le tranchant en a
5t& fait au moyen de quelques coups rudes, L’on
veut montrer, entre ces deux types, une foule de
‘ransitions trouvees en Suede, et probablement un
nombre encore plus grand en Danmark. Tandis que,
1) Unnser, J., Kjekkenmoddingerne, Kristiania 1886, S. 22.
2) Müönner, S., Ordning af Danmarks Oldsager. Stenalderen.
 S. 32,
8) Näheres über diese Frage in meiner „Herkunft der
Arier“ 68 fg.
            
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