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aber die Männer sind gewöhnt zu reiten und ihre
Schaf-, Ochsen- und Pferdeherden folgen ihnen nach.
Sie leben von gekochtem Fleisch und trinken Stutenmilch.“
Analoge Vorgänge, wie sie sich seinerzeit bei
den Vorfahren der späteren Skythen und Sarmaten
abgespielt haben, sind auch aus späterer Zeit bei
anderen arischen Völkern nachzuweisen, HrRronoT
sondert die persischen Völker in ackerbauende und
nomadische: „Andere Perserstämme noch sind diese:
die Parthialäer, die Derusiäer, die Germanier; diese
alle sind Ackerbauer, die anderen aber Nomaden.“ ?)
Und an einer anderen Stelle sagt derselbe Hrronor:
„Da gibt es auch Nomaden, welche Sagartier genannt
werden, ein persisches Volk auch der Sprache
nach; ihre Rüstung aber war halb persisch und
halb paktyisch.“ ?) Auch dieser Uebergang von dem
Ackerbau, den das iranische (indische) Urvolk getrieben
hat, zum Hirtenleben erklärt sich auf dieselbe
Weise, wie der vorhin besprochene bei den
Skythen und Sarmaten und zeigt ebenfalls den überwältigenden
Einfluss der äusseren Lebensverhältnisse
auf die Beschäftigung und Lebensweise der Menschen
Denn bekanntlich hat auch ein grosser Theil Persiens
den Charakter der Steppe und Wüste. Noch
instructiver, weil der Gegenwart näher liegend, ist
das Beispiel der Kosaken, auf das K. E. Bagr hingewiesen
hat. Die Ansicht bekämpfend, dass das
südliche Russland durch die Nomaden und durch die
Völkerwanderung zu einer waldlosen Ebene geworden
sei, bemerkt er sehr richtig: „Die Nomaden erzeugen
ebensowenig Steppen, als die Jäger das Wild und
die Fischer die Fische, sondern Steppen machen
Nomaden. Das lehrt so deutlich als irgendwo die
Geschichte im südlichen Russland. Als die mongolisch
- tatarische Macht durch innere Reibungen
gebrochen war und den Angriffen der Litauer und
Russen erlag, da rückten kampfeslustige Russen den
Tataren immer näher und besetzten den Rand der
Steppe. Dem Blute und der Sprache nach Russen
und aus waldreichen und kornbauenden
Gegenden stammend, mussten sie bei der Ansiedlung
in der Steppe in vieler Hinsicht die Lebensart
der Tataren annehmen, so wurden sie Kosaken.
d. h. sie erbten sogar den Namen der tatarischen Reiter;
sie waren eben Steppenreiter von russischem Blute ?).
ı) Hzrovor, I, 125.
2) Hzrooor, VII, 85.
8) Beiträge zur Kenntniss des russischen Reiches, IV
S. 180.
Erklärt sich aus dem Steppencharakter des östlichen
und südlichen Russland und des westlichen
Asien, wie aus sesshaften Ackerbauern nomadisirende
Hirten geworden sind, so erklärt sich auch
Jaraus die auffallende Thatsache, dass bereits in
ainer sehr frühen Zeit ein ausserordentlich grosser
Theil von Asien von Ariern besiedelt worden ist.
Denn bekanntlich bedarf der Hirte wie auch der
Jäger zu seiner und seiner Familie Erhaltung einer
ıngleich grösseren Bodenfläche als der Ackerbauer *).
Darauf geht es zurück, dass, während die ackerdauenden
Russen sich bei ihrer allmäligen Ausbreitung,
trotz der sehr langen Dauer derselben, nur
in geringer Zahl — die Zahl der Russen in Sibirien
veträgt 2:8 Millionen — die Grenzen Europas überschritten
haben, die Vorfahren der späteren Inder und
ranier bei ihrem Vordringen nach Asien in einem unzleich
kürzeren Zeitraume über ungeheuere Länderztriche
‚sich zu verbreiten gezwungen waren.
Aus dem Umstande, dass die Ausbreitung der
Arier nach Asien über Steppen erfolgte, erklärt sich
weiter, dass von den urarischen Baumnamen sich
aur die Namen der Birke, Weide und Fichte (Föhre)
sowohl in den arischen Sprachen Europas wie Asiens
arhalten haben: deutsch birke, engl. birch, lit. berZas,
zanskr. bhürja, Pamirdial. furz, brug; ahd. wida.
zriech. &r&x, lat. vitex — zend. vaö6ti, pars. wid,
ıp. bid; griech. mitu-c, lat. pinus aus *pit-snu-s (vgl.
»itu-ita Schleim) Fichte, sanskr. pitu-däru die Devalarufichte
des Himalaya. Denn sowohl die Birke wie
lie Weide und Fichte (Föhre) kommen auch in der
Steppe vor; andererseits finden sich in den osteuropäischen
und westasiatischen Steppen in der Regel]
1) F. Ratzer nimmt 100 Menschen auf die Quadratmeile als
Maximalzahl an, die in wüsten- und steppenhaften Gebieten er-‚eicht
werden kann, wenn dieselben grossentheils von Nomaden,
welche mit ihren Herden von einem Weideplatze zum anderen
ziehen und von in Oasen gedrängten Ackerbauern bewohnt.
werden. Diese Zahl bleibt weit hinter derjenigen zurück.
velche der Ackerbau möglich macht (2000—2500 in reinen
Ackerbaugebieten der gemässigten Zone, wie Mecklenburg,
?ommern, central-französische Departements). Auf dem jetzt
ussischen Turkmenengebiete schätzte man vor der Eroberung
lie Bevölkerungsdichtigkeit zu 40 pro Quadratmeile, wenn
alle unbewohnbaren Wüsten mit herangezogen wurden und
zu 80, wenn die Hälfte des Landes als eigentliches Weideund
Wandergebiet angesehen wurde. Auch die neuesten Zahlen,
welche LEvasseur nach TromirsKey gibt, schwanken für die
steppen- und wüstenhaften. Bezirke Semipalatinsk, Semirjetschensk,
Ural, Amu Darja, Transkaspisches Gebiet alle
zwischen 40 und 115. Rartzer, Anthropogeographie, II, Theil:
Die geographische Verbreitung des Menschen. Stuttgart 1891
& 961