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Funde in der fürstlich Schwarzenberg’schen
Zuckerfabrik bei Postelberg.
Diese gegenwärtig bedeutend ausgedehnte Zuckerfabrik
steht, wie ich mich im Jahre 1891 persönlich
überzeugte, auf einer prähistorisch sehr wichtigen
Stelle am rechten Ufer der Eger, südlich von Postelberg.
Schon bei den ersten Bauten musste man hier
auf Funde stossen, doch liegen keine Nachrichten
hierüber vor. Bei der Erweiterung und dem Umbau
der Fabrik im Jahre 1890 wurde man auf die Funde
aufmerksam und die wichtigsten wurden, Dank deı
Umsicht des Herrn Directors J. MaAscnar und des
Herrn Baumeisters E, v, HArtentnaL, gesammelt und
Notizen hierüber gemacht. Wie aus den mir vorliegenden
zahlreichen Funden hervorgeht, gehört
diese prähistorische Fundstätte zu den wichtigsten
im nördlichen Böhmen; wenn die Existenz derselben
vor der Anlage der Zuckerfabrik bekannt gewesen
wäre, hätte eine systematische Durchforschung der
Stätte neben reichlichen Funden sehr viel zuı
Lösung wichtiger prähistorischer Fragen beitragen
können. Bei meinem Besuche daselbst im Jahre 1891
waren die Anlagen und Erdarbeiten nahezu fertig
und eine systematische Untersuchung nicht mehr
möglich. Zum Glücke haben wir dem Eifer des
Baumeisters Herrn E. v. HartentnaL eine Reihe von
Fundobjecten zu verdanken, die uns wenigstens
einige Kenntnisse von dieser prähistorischen Stätte
zu bieten geeignet sind. Dieselben sind für das fürstliche
Museum in „Ohrada“ bei Frauenberg bestimm{
und wurden mir kürzlich nach Wien behufs wissenschaftlicher
Bearbeitung zugesendet. Ich lasse zunächst
den Bericht des Herrn E. v. HArRTENTHAL
folgen:
„Bei Vornahme von Erdarbeiten in der Zuckerfabrik
Postelberg stiess man öfters auf alte Gräber, die auf eine
alte Culturstätte auf dem von drei Seiten vom Egerflusse
ımgebenen Hochplateau des Fabriksplatzes schliessen lassen.
Das Aufdecken von Gräbern konnte nur an jenen Stellen
geschehen, wo gerade die Bauarbeiten ein Ausheben des Erdreiches
erheischten, während anliegende, gewiss auch von
vielen Gräbern durchsetzte Strecken unberührt bleiben
mussten. .
Da die Erdarbeiten, welche accordmässig durchgeführt
wurden, ungemein rasch fortschreiten mussten, konnte ich
nur die nachstehenden Notizen über die Funde zusammenstellen,
Die ersten Gräber wnrden aufgeschlossen im Jahre 1890
in der Partie des jetzigen Kesselhauses. Sie wurden ohne
jede symmetrische Anordnung angetroffen. Eine Schotterschichte
von circa 50cm deckte das aufgefundene Grab,
welches eine mit schwarzer Modererde ausgefüllte längliche
Grube darstellte. In der circa 1'20 m tiefen Lage der Moderarde
fand man meist vermoderte Gebeine, allem Anscheine
nach gestreckt liegender Skelette, die sofort gänzlich zerfielen.
Nur in zwei Gräbern gelang es, die Urnen Nr. 1 und 2, ferner
zwei Spinnwirtel Nr. 3 zu erhalten. In dieser Gegend fand
man im Jahre 1889 einen Mühlstein.
In den Jahren 1891 und 1892 wurden die Schwemmzanäle
in der östlichen Partie des Hofraumes verlängert und
hier stiess man abermals auf eine bedeutende Zahl von Gräbern,
die meist eine bestimmte Richtung, von Osten nach
Westen, zeigten; die Gesammtanordnung derselben konnte
‘edoch, weil nur in einer Richtung gearbeitet wurde, nicht
sichergestellt werden.
Die gesammten Gräber, circa 15 an der Zahl, waren
L°20—1'30 m tief, mit schotteriger Erde ausgefüllt und enthielten
ziemlich gut erhaltene Knochenüberreste von Menschen
and Thieren, Die vorgefundenen Menschenskelette befanden
sich meist in gebückter Stellung und, soweit sich beurtheilen
liess, auf einer Seite liegend im Schotter eingelagert; der
Schädel, im Falle überhaupt einer vorgefunden wurde, lag
zegen die Mitte des Grabes; gegen Westen lagen die Fuss-,
zegen Osten die Armknochen.
Zwei von diesen Schädeln, Nr. 4 und 5, habe ich in die
Sammlung aufgenommen, Der durchbohrte Armknochen Nr. 6
wurde mir aus einem dieser Gräber überbracht, Meist in der
Gegend des Kopfes der menschlichen Ueberreste wurden die
Öefässe Nr. 7, 8, 9, 10 und der Bronzering Nr. 11 vorzefunden.
Hieher gehören auch noch einige Scherben und
vahrscheinlich ein menschlicher Unterkiefer,
In dieser Partie des Hofes wurden bei Anlage der
Wasserzuleitungen, und auch in der angedeuteten Reihe der
oben angeführten Gräber selbst, fünf andere Gräber angetroffen,
die mit schotteriger, schwarzer Erde ausgefüllt, jedoch
ahne eine besondere Richtung aufzuweisen, situirt waren.
[n einem dieser Gräber wurde in einer Tiefe von 1‘50m
ein vollkommen ausgestrecktes Menschenskelet aufgefunden;
bei dem Kopfe Nr. 12 lag die Lanzenspitze Nr. 13 und bei
Jer unteren Partie die Schwertklinge Nr. 14. In einem anderen
Grabe, wo jedoch die Gebeine sehr zerstört waren,
{and man die Lanzenspitze Nr. 15.
Im Jahre 1891 wurden bei Grabung des Schwemmcanales
ähnliche Gräber, ohne jede Richtung angelegt, 5—6 an der
Zahl, angetroffen und die Gefässe Nr. 16 und 17 und im
Tahre 1892 der Krug Nr. 18 aufgefunden.
In derselben Hofpartie, jedoch mehr gegen das Kesselhaus,
wurden weitere Gräber angetroffen, die bald in einer
hald in anderer Richtung gelagert waren, jedoch keinen
Schotter, sondern blos schwarze Erde bis zu einer Tiefe von
l‘20-—1°50 m enthielten, Ueberreste von Knochen wurden sehr
spärlich angetroffen und diese vollkommen zerstört, Datür
wurden aufgefunden die Gefässe Nr. 19, 20, 21, 22, 23,
24, 25 und 26 und das steinerne Messer Nr. 27. Die Anzahl
ler aufgedeckten Gräber betrug über 20.
In der nächsten Nähe dieses Fundortes wurde eine
Partie von circa 12m Breite und unbestimmter Länge (da
nicht weiter in dieser Strecke nachgegangen werden konnte)
schwarzer, fettiger Modererde aufgefunden, die, mit Schotter
iberlagert, eine Mächtigkeit von fast 2m besass. In dieser
Modererde wurden weder Scherben noch Gefässe oder andere
Gegenstände aufgefunden.