Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 13=23.1893

36]

Dieselben sind nämlich schlecht gebrannt, von
zrauer Farbe, sonst aber aus ziemlich feinem Thon
gefertigt, der mit feinem Sande gemischt war; darunter
ist besonders ein Randstück ausgezeichnet, welches
oben einen Eindruck wie von einem flachen Stempel
zeigt; ein Ornament liess sich auf den Scherben nicht
entdecken,
Von grösserer Wichtigkeit ist aber die Fibula.
Sie ist schön erhalten und mit matter Patina überzogen.
 Während nun der Fuss des Bügels noch ganz
den Charakter der jüngeren La Töne-Fibeln zeigt (Fig 32).
indem das bei den älteren La Töne-Fibeln als Nadelhalter
 rückwärts und nach oben umgebogene Stück
hier in einen fest angegossenen Rahmen umgewandelt
ist — „Fibel mit geschlossenem Fuss“ (TiscHLER) —,
zeigt die Spiralrolle schon vollständig den Mechanismus
der ältesten römischen Provinzialfibeln (Fig. 33), d. i. der
„eingliederigen Fibeln mit oberer Sehne und Sehnenhaken“
 (TıschHLER); der Fuss endet dann in einem
Knopfe.
Ausserdem zeigt der Bügel oberhalb der Stelle, wo
der feste Rahmen für die Nadelscheide sich ansetzt.

Fig. 33. Die vorige Bronzefibula in anderer Stellung.

noch zwei Kämme von je zwei Fadenlinie eingefasst
gleichsam als Reminiscenz an die Drahtumwicklungen,
wie sie für die Fibeln der mittleren La Tene-Zeit so
charakteristisch sind. Was die Technik anbelangt, so
ist der Guss selbst schön gelungen; doch sind die
Unebenheiten an dem inneren Rande des Rahmens und
der Nadelscheide, welche von dem Gusse herrühren,
nicht abgefeilt, als ob das Stück noch nicht fertig
wäre,
Es stellt somit diese Fibula eine jener interessanten
Uebergangsformen dar, welche sich aus der La Töne-Zeit
 unter dem Einflusse der bereits eindringenden
römischen Cultur entwickelt haben, aus denen die sogenannten
 provinzialrömischen Formen hervorgegangen
sind !). Sie sind von verschiedenen Orten Oesterreichs
her bekannt geworden, so von Maria-Rast in Steier-1)

 Vgl. hierüber: H, Hındeeranp, Bidrag till Spännet:
histor. Stockholm 1872, S. 105f. — Unnser, Das erste Auftreten
 des Eisens, Hamburg 1882, S. 48f, — 'TiscHLER, im
„Correspondenzblatte der Deutsch. Anthrop. Gesellschaft.“
1885. S. 159

mark !), vom Hradischte bei Stradonic in Böhmen?) und
anderen Orten,
Während wir also auf dem Salzberge am westlichen
fer des Sees die Hallstatt- und La Tene-Zeit, im
jüdwesten, in der Lahn, die entwickelte provinzial-‚ömische
 Cultur vertreten finden, haben wir hier am
jstlichen Ufer des Sees eine Herdstelle, vielleicht eines
Tährmannes, aus der Uebergangszeit von der La Tenezur
 römischen Cultur, d. i. also etwa aus dem Anfange
ınserer Zeitrechnung, vor uns.
Zum Schlusse ist es mir eine angenehme Pflicht,
ijem geehrten Vorstande des Ortsmuseums in Hallstatt
°ür die freundliche Erlaubniss, beide Fundstücke zu
antersuchen und zu beschreiben, auch an dieser Stelle
meinen Dank auszusprechen.

8. Herr Prof. FERDINAND BLUMENTRITT in Leitmeritz
ibersendet eine etymologisch-mythologische Studie des
Herrn P. H. Brincker, Missionär der Rheinischen Missions-Gesellschaft
 in Stellenbosch, Capland,
Ueber den Gottesbegriff der Bantu-Neger °).
Es fällt mit Recht ‚auf, dass man bei. der Bearbeitung
 der verschiedenen Dialekte der grossen Bantu-Sprachenfamilie
 so vielen Namen für den Begriff „Gott“
oegegnet.. Mit dieser Verschiedenheit der Benennung
‘wenn uns z. B. in dem Dialekte der Ama-sulu:
U-nkülunkülu *), in dem der Ama-x6sa u. 8. W.:
U-tixo (x als Lateralclick), in dem der Be-tschuana:
Mo-limo (Mo-dimo), in dem der Ova-hörero: Muküru,
 in dem der Ovä-mbo: Ka-lünga, in dem der
A-mbündu und Ba-ilündu: Süku, in dem der
Songostämme: N-zämbi, in dem der Va-suaheli,
Va-nika u. s. w.: Mu-Jüngu (M’-lüngu, M’-süngu)
antgegentritt) verhält es sich nun nicht, wie mit jener
in unseren arischen oder indo-germanischen, tatarischen
 und anderen Sprachen, dass man nämlich mit
den verschiedenen Namen ein und dasselbe höchste
Wesen meint,
Den ersten Missionären, deren Aufgabe es war, für den
äottesbegriff des betreffenden Stammes zu sorgen, unter
welchem ein jeder von ihnen die Arbeit zu beginnen
hatte und nichts von einer klaren Tradition, geschweige
von Geschichte und Schrift vorfand. wurde es in der

1) Grar G. WurmBRAnD, Archiv für Anthropologie, XI,
S. 422.
2?) W. Oszorng, Mittheil. der Wiener Anthrop. Gesellschaft.
X, 8. 254.
3) Herr Brınckes ist der Verfasser der ausgezeichneten
Werke: „Wörterbuch und kurzgefasste Grammatik des Otjiı16erero
 mit Beifügung verwandter Ausdrücke und Formen
les Oshi-ndonga - Otj -ambo.“ Leipzig 1886, Lexikon-Jetav
 VIII, 351 und 31 Seiten, und „Lehrbuch des Oshikuänjama“,
 Stuttgart und Berlin 1891, Octav IX, 136 Seiten,
Lehrbücher des Seminars für orientalische Sprachen in
Berlin, Bd. VI.) F. Müller.
Herr Prof, Dr. Frızprıcn MüöLLeR war so freundlich,
liesen Aufsatz einer Durchsicht zu unterziehen und einige
Bemerkungen dazu zu machen, wofür ihm der beste Dank
zusgesprochen wird, Anm. d. Red.
4) In den Bantu-Nominibus sind die Nominalpräformativa
lurch — vom Stamme, in Verhis die Silben von einander
zetrennt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.