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Dr. Konrad Kun in Wien, und
Dr. WENnzeEIr MeLzer, k. u, k. Stabsarzt in Wien.
3. Mit der Royal Scottish Society Geographical in
Edinburgh und dem Musee Guimet in Paris wird der
Austausch der Publicationen eingeleitet.
Ausflug der Anthropologischen Gesellschaft nach
Fischau und auf die Malleiten bei Wiener-Neustadt
am 4. Juni 1893.
Bericht von JoseFr SZOMBATHY.
(Mit einer Text-Illustration.)
Die lehrreiche prähistorische Ausstellung, welche
der Badener Musealverein während der ersten Augusthälfte
des vorigen Jahres veranstaltete, enthielt neben
den durch die thätigen Mitglieder des Vereines zu Tage
gebrachten interessanten Funden von der Königshöhle und
dem alten Ansiedelungsplatze bei der Ruine Rauheneck,
vom Winschloche, von Guntramsdorf, Leobersdorf und
anderen Localitäten aus der Nachbarschaft Badens eine
sehr ansehnliche‘ Fundserie von der Malleiten, welche
Herr Ignaz Hormanx, k, u. k. Militärlehrer zu Fischau,
aus seinen eigenen Aufsammlungen zur Ausstellung
gebracht hatte, Es war das erste Mal, dass Herr Hor-MANN
mit seinen Malleiten-Funden, von welchen im
engeren Fachkreise bereits seit längerer Zeit gesprochen
worden war, vor die Oeffentlichkeit trat und die grosse
Bedeutung dieses Fundortes zu allgemeinerer Kenntnisse
brachte, Unter den charakteristischen keramischen
Fundstücken, welche Herr HormAnn ausgelegt hatte,
fielen besonders grosse, dickbauchige Urnen, grosse
Schüsseln mit flachem Rande und geometrischen, in
kantigen Wülstchen aufgesetzten Ornamenten, zahlreiche
kleinere Schüsseln mit eingebogenem Rande, theils un
bemalt, theils im Inneren mit fingerbreiten Graphitstrichen
bemalt, breite Schalen mit bandförmigem, hohem
derb verziertem Henkel, verschiedene grobe und daneben
auch wieder feinere, gut geglättete, aussen mit zartem,
geometrischem Ornamente bedeckte Topfgefässe und endlich
zahlreiche, zum Theile ziemlich gut und vollständig
erhaltene halbmondförmige Idole in die Augen, Der
Fachmann sah, es handle sich um einen Ansiedelungsplatz
vom archäologischen Charakter der interessanten
Wohnplätze auf dem Warischberge bei Oedenburg.
welchen die Anthropologische Gesellschaft im vorigen
Jahre einen Besuch abgestattet hat, und der Haupt:
schichte auf dem berühmten Schanzwerke von Lengyel.
Viele Analogien mit den Malleiten-Funden wiesen jene
vom Rauheneck auf, welche aber neben zahlreichen
ähnlichen Thongefässscherben und einem flachen Halbmondfragmente
mit der Darstellung von Hirsch und
Hund, auch Scherben von roth gefärbten und mit
Graphit bemalten Gefässen, eine Doppelspiralfibula,
einen Hohlkelt ungarischer Form und das Bruchstück
einer Gussform für Hohlkelte umfassen. Somit
zeigte sich hier am Westrande des Wiener Beckens
eine hemerkenswerthe Fortsetzung des. Gebietes der
Hallstatt-Facies vom Warischberge, welches bisher nur
durch weiter östlich und südlich gelegene Fundplätze
deutlich ausgesteckt war,
Es war daher so gut wie selbstverständlich, dass der
heuer von Herrn HormAnNn angeregte Plan einer Excursion
der Anthropologischen Gesellschaft nach Fischau zum
Zwecke der genaueren Besichtigung des Fundplatzes
und der Funde von der Malleiten mit Vergnügen
aufgenommen und rasch der Verwirklichung zugeführt
wurde,
Von Wiener-Neustadt aus, wo sich am Morgen des
schönen Frühlingstages neben Mitgliedern der Anthropologischen
Gesellschaft und des Wissenschaftlichen Club
auch einige andere Freunde prähistorischer Forschung
aus Baden und Wiener-Neustadt versammelt hatten,
übernahm Herr HormAnn die Führung der Excursion
und brachte uns in einstündiger Fusswanderung über
lie Heide nach Fischau, Dieser sonst so monotone
Weg wurde freundlich belebt durch den Ueberblick
iber das vor uns sich erhebende Ziel des Tages, von
lessen charakteristischer Silhouette der Meistergriffel
I), VArrong’s in der Zeichnung Fig. 29 ein aus ge-°ingerer
Entfernung aufgenommenes treffliches Bild
gegeben hat. An den von felsigen Abstürzen umrandeten
Gipfel der Malleiten schliesst sich rechts gegen
Norden die von der alten, grossen Ansiedelung occupirt
zewesene Plateaufläche an. Das Cliche für diese Illustration
hat Herr HormAnn der Anthropologischen Gesellschaft
in freundlichster Weise unentgeltlich zur Verfügung
gestellt.
Der Vormittag wurde mit der Besichtigung der von
Terrn HormAnn in seiner Wohnung veranstalteten Ausstellung
von prähistorischen Funden, dem Besuche des
Jrtsfriedhofes, auf welchem ein altes, hübsch geschmiedetes
Eisenkreuz zu sehen ist, der Fischauer
Thermen, der ausgezeichnet eingerichteten und geleiteten
Militär-Lehranstalt und eines östlich von Fischau, auf
lem mit dem charakteristischen Namen Löberfeld oder
Leberfeld belegten Abhange errichteten Tumulus auszefüllt.
Das Hauptinteresse concentrirte sich natürlich
ıuf. Herrn HormaAny’s prähistorische Sammlung, welche
ibersichtlich ausgebreitet war und uns durch einen lichtrollen
Vortrag des Besitzers vortrefflich erläutert wurde,
Auf ein näheres Eingehen in diese grosse, reichhaltige
ınd instructive Collection darf hier wohl verzichtet
werden, nachdem eine eingehende Publication in nicht
zu ferner Aussicht steht. VARRong’s Bild zeigt im Vorderzrunde
eine zum Theile blos durch des Künstlers Griffel
zründlich restaurirte Auslese dieser Sammlung. Ausser
len bereits oben erwähnten Massen von keramischen
Resten sehen wir da noch thönerne Webstuhlgewichte,
Spinnwirtel, Gusslöffel, Gussformen, Steinwerkzeuge,
jesonders eine zugeschlagene Lanzenspitze und einen
olirten Steinhammer, Knochenwerkzeuge und einigen
Bronzeschmuck. Neben der Hauptsammlung war auf
»inem besonderen Tische eine hübsche Collection von
Malleiten-Funden aus dem Besitze des Herrn Fabriks-Jdireetors
Ingenieur JuLIUS PICHLER ausgelegt, welche
als Ergebniss einer halbtägigen Grabung die Ergiebigkeit
der Culturschichte documentirte