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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 13=23.1893

— [58] —

gelehnt, in hockender Stellung beigesetzt worden sein,
so dass der Kopf, auf der rechten Seite ruhend und
gegen Norden gewendet, den Rand des Grabes berührte,
Das Kind lag auf dem Schoosse der Mutter, welche es,
wie aus der Lage des Unterarmes hervorgeht, mil
der Hand bedeckt hielt. Dasselbe lag aber auf deı
linken Seite, so dass es, zur Mutter gewendet, gegen
Süden hinschaute. Die hier in der unteren Erdschichte
hin und her zerstreuten Steine, mit welchen der Obertheil
 des Grabes umlegt war, so auch die Menschenknochen
 des Oberkörpers des Weibes, die unter dem
Gestein umherlagen, beweisen, dass das Grab ursprünglich
 mit Steinen umlegt war und bereits vor
Zeiten zum Theile zerstört wurde.
Anderthalb Meter von diesem Grabe gegen Westen
entfernt habe ich noch eine andere im Sandfelsen
gebrochene, 50 cm tiefe und über 90 cm im Durch:
messer haltende Grube geöffnet, in welcher der untere
Theil einer grossen Urne vorgefunden wurde, wogegen
die Scherben von den Gefässwänden um das Grat
herum zerstreut lagen, woraus erhellt, dass auch dieses
Urnengrab mit dem naheliegenden Skeletgrabe — höchst.
wahrscheinlich bei einer zufälligen Grabung — zerstör‘
wurde,
Obzwar in diesen beiden Gräbern keine Bronze:
gegenstände gefunden wurden, kann man deren Alter
doch in die Bronzezeit verlegen; denn auf diese weisen
der Glaswirtel und die keramischen Erzeugnisse und
bekunden bereits einen Fortschritt der Keramik, der
man blos in der Bronzezeit vorfindet. ;
In der Ziegelei des Herrn Zartzcry (Nr. 1165)
ebenfalls in Smolnic, entdeckte Herr Architekt Wızur.
zwei mit Asche, Scherben und Knochen gefüllte Gruben,
die bereits durch Abgraben des Lehms zum Theile
zerstört waren. Bei näherer Untersuchung derselben
fanden wir, dass dieselben beiläufig 150 cm tief, rund
und oben im Durchmesser 4 m hatten. Die grösste
Breite derselben reichte jedoch nicht tiefer als 40 cm
unter die Bodenfläche; denn den wahren Bestandtheil
derselben bildeten beiläufig 1m tiefe und 120 cm am
Rande und 65cm am Boden breite konische Gruben
deren Böden flach und zum Theile mit Steinen belegt
waren, Diese Gruben waren gefüllt mit schwarzer Erde
Asche, vermischt. mit Scherben von Thongefässen und
mit Thierknochen, von ‚welchen mehrere angebrannt
waren; auch ein Feuersteinsplitter und zwei Flussmuscheln
 kamen zum Vorschein. Der Kern derselben
dürfte sich jedoch am tiefsteh Boden befunden haben,
welcher mit reiner Asche gefüllt war. Leider waren
diese Gruben bereits zum Theile zerstört, so dass man
zu keinem bestimmten Resultate gelangen Konnte.
Nichtsdestoweniger kann man doch der Vermuthung
Raum geben, dass es Kesselgräber sind; denn in der
einen Grube, etliche 35 cm tief unter der Humusschichte
kam ein Schädel von einem Kinde zum Vorschein,
welcher mit Steinen umgeben und von denselben ganz
zerdrückt war. Der Schädel ruhte auf der rechten
Schläfe, so dass er gegen Osten hinschaute; ob er aber
allein beigesetzt oder ob er als Ueberrest von einem
hier begrabenen. Kinde. dessen Skelet mit dem Lehm

abgetragen sein dürfte, herrührt, konnte ich nicht mehr
;rmitteln. Jedenfalls spricht dieser Fund für eine
äräberstätte und kann man annehmen, dass die hiesigen
iruben Kesselgräber mit Leichenbrand enthalten und
Jer mittleren neolithischen Zeit angehören; denn die
hier gefundenen Scherben, die von rohen und auch
zeglätteten Gefässen herrühren, sind zumeist mit
yunktirten Ornamenten —- unter welchen namentlich auch
ein Mäander hervorgehoben zu werden verdient — und
nit vortretenden Nabeln verziert, Der Besitzer dieser
Ziegelei versicherte mir, dass daselbst bereits mehrere
solcher Gruben aufgebrochen und zerstört wurden, ohne
dass man ihnen eine grössere Beachtung beigelegt
hätte, Am nördlichen Ende der Lehmbrüche fand ich
ıoch eine solche Grube, die jedoch schon ganz einzestürzt
 war. KEin weiteres Suchen und Graben nach
anderen Gruben, welches daselbst veranstaltet wurde.
plieb erfolglos.
Bei Velt&Z (Bezirk Laun) auf der Feldflur „na
7iskäch“, wo nach Sand gegraben wird, wurden öfters
verschiedene vorgeschichtliche Objecte gefunden, von
welchen die Sage ging, dass sie aus Gräbern herrühren,
Teber Anregung des Herrn Architekten Wırm. liess ich
laselbst nachgraben und wurden nach längerem Nachzuchen
 zwei Gruben entdeckt, die ich gänzlich auszegraben
 habe. Dieselben variirten ziemlich in ihrer
form von einander. Die erste Grube war halbkugel-Örmig
 in der Erde ausgegraben, erreichte die Tiefe
von 70cm und hatte am oberen Rande 1m im Durchnesser.
 Die andere Grube hatte 120 cm Tiefe und
150 cm im oberen Durchmesser, erweiterte sich in der
Mitte kugelförmig, so dass sie hier einen Durchmesser
von 180 cm besass. Der Boden derselben war fast flach.
Beide Gruben waren mit schwarzer Erde und Asche
zefüllt, unter welcher zahlreiche Scherben von allerhand
"ohen und geglätteten Thongefässen nebst häufig von
Feuer angegriffenen Thierknochen zum Vorschein kamen,
[n der ersten Grube wurde ein Bruchstück (die grössere
Hälfte mit der Handhabe) einer Bronzesichel gefunden;
dass dieselbe vom Feuer gelitten hat, erhellt aus ihrer
gekrümmten Form und der rohen Patina. Auch die
Schneide und der Bruch derselben sind abgestumpft,
was ebenfalls diese Annahme bekräftigt,
In Stradonic (Bezirk Laun) habe ich die seit
wenigen Jahren entdeckte Fundstätte besichtigt, welche
sich ganz nahe am Dorfe über mehrere Felder und die
Strasse ausbreitet und bis in’s Dorf hineinreicht. Es
ist, so viel ich habe übersehen können, eine 1—2 m
hohe Aufschüttung eines Gemisches von Erde und Asche,
ınter welcher Scherben von Thongefässen, Thierknochen
und verschiedene Bruchstücke von vorgeschichtlichen
Gegenständen zum Vorschein kommen; darunter stösst
man oft auf ganze Gefässe, auf Wirtel aus Thon,
Bronze-, Eisen-, Glas- und Steinobjecte, von welchen
das dortige Schulmuseum und der Grundbesitzer, Herr
Knorr, ganze Collectionen besitzen, Oft werden auch
yanze Skelette mit verschiedenen Beigaben gefunden.
Zu erwähnen ist namentlich ein Skelet, bei welchem
3zine Kette von Bronze und ein eisernes La Töne-Schwert
zefunden wurde. Was die daselbst gefundenen Obiecte
            
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