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turellem Sinne oder in Abweisung davon, im sogenannten
Verbrecherthum „aus der übertragenen Wirkung todter
Gehirne“ abzuleiten, Die ganze Tragweite der Lehre
MEvnErT’s wird aber erst dann hervortreten, wenn es
sich darum handeln wird, das allseitig zusammenströmende
Material über das primitive Geistesleben für
eine Geschichte menschlicher Geistesentwicklung zu verwerthen.
MeEvnErt’s Interesse für unsere Gesellschaft hat sich
seit deren Gründung bewährt. Er hat viele Jahre unserem
Ausschusse angehört und sich bei einigen unserer Specialcommissionen
betheiligt. Die letzte derselben betraf die
Untersuchung der Reste von Beethoven, Haydn und
Schubert gelegentlich ihrer Exhumirung. Von dessen
bei uns gehaltenen Vorträgen und in den Mittheilungen
publicirten Aufsätzen seien erwähnt:
Ueber Unterschiede im Gehirnbau des Menschen und
der Säugethiere, (Mit 8 Abbildungen im Texte.) I, 79.
— Ueber die Methode der Gehirnwägungen. (Mit 2 Abbildungen
im Texte.) I, 119. — Ueber thatsächliche
Phrenologie, XI, 59. — Ueber die physiologische Genesis
der Gefühle. XI, 211; XIL, 175. — Ueber die
frontale Gehirn- und Schädelentwicklung. XVI, [49]. —
Nachruf auf Dr. KARL LANGER v. EDENBERG, XVII, [72]. —
Ueber die Diagnose vorzeitig synostotischer Schädel an
Lebenden. XVIIL, [67]. — Bericht über die an den
Gebeinen LuDwıG vAN BEETHOVEN’sS gelegentlich der
Debertragung derselben aus dem Währinger Ortsfriedhofe
auf den Central-Friedhof der Stadt Wien am 21. Juni
1888 vorgenommenen Untersuchung, XVIII, [73]. —
Bericht über die Exhumirung von NEsTroy und GLUCK.
XX, [81]. (Die beiden letzteren zusammen mit Dr, C, ToLDT
und Dr. A. WErssAcH.) — Wahre und falsche Grenzen der
Anthropologie (Genie, Wahnsinn, Verbrechen. XXII, [37]
<— „Genie und Verbrecher“ von LomzBroso. XXIM, [1].
Noch im Jahre 1891 liess er sich auf meine Bitte
zu einem Vortrage über LomBroso’s „Genie und Verbrecher“
herbei, welcher nun wider Erwarten zu einem
Vermächtniss an uns geworden ist !). Wir werden unseren
hochsinnigen Freund niemals vergessen,
Unmittelbar vor Schluss dieses Berichtes ereilt
uns die Nachricht von dem Ableben unseres Ehrenmitgliedes,
des Herrn Geheimen Medicinalrathes Professor
Dr. HERMANN SCHAAFFHAUSEN, welcher am 26. Januar
1893 zu Bonn verschieden ist. Er war seit dem
Jahre 1888 ordentlicher Professor der Anthropologie
an der Universität zu Bonn. Von seinen zahlreichen
Publicationen hebe ich folgende hervor: Ueber die
anthropologischen Fragen der Gegenwart (Arch. für
Anthr. 1867); über das Zweckmässige in der Natur
ibid. 1868); die Lehre Darwin’s und die Anthropologie
(ibid. 1868); über die Methode der vorgeschichtlichen
Forschung (ibid. 1872); Cu. DArwın, Ein Nachruf
(ibid. 1883); die Physiognomik (ibid, 1888), Ferner
im Jahrbuche des Vereines von Alterthumsfreunden im
Rheinlande: Ueber den römischen Isisdienst am Rhein
(1883); den Onyx von St. Castor in Coblenz (1885);
1) Ein Abdruck dieses Vortrages findet sich in diesen
Mittheilungen, Sitzungsbericht I, 1893
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sine in Cöln gefundene römische Terracottabüste (1888);
Regenbogenschüsseln am Rhein (1888); die vorgeschichtliche
Ansiedlung in Andernach; zwei römische Bronzefunde
aus Cöln (1890); eine römische Aedicula von
Jarden an der Mosel (1890). In der Zeitschrift des
naturhistorischen Vereines der preussischen Rheinlande
1883): Ueber den menschlichen Kiefer aus der Schipkahöhle
bei Stramberg. In den Publicationen der Nieder--heinischen
Gesellschaft. für Natur und Heilkunde zu
Bonn: Neuere Funde roher Schädel, die mit dem aus
lem Neanderthale verglichen werden können (1846);
über die in Cöln ausgestellten sogenannten Azteken
1891). In unseren eigenen Mittheilungen hat Herr
SCHAAFFHAUSEN veröffentlicht: Zur Keltenfrage (XII, 23);
zur Geschichte des Haushundes (XII, 31); über den
Kiefer aus der Schipkahöhle (XII, 39, 42, 66, 68); über
lie Mammuthzeit (XII, 61). Besonders erwähne ich noch
folgende selbstständige Publicationen: Die anthropoogische
Sammlung des Museums der Universität Bonn
L880; anthropologische Studien 1885; der Neanderthaler
Fund (der Deutschen anthropologischen Gesellschaft
zu ihrer 19, allgemeinen Versammlung in Bonn
zewidmet, 1888).
Mit dem Tode SCHAAFFHAUSEN’S hat ein langes und
ırfolgreiches Forscherleben sein Ende erreicht. Wenn auch
lie aus seinen Beobachtungen abgeleiteten Schlüsse ihn in
ielfache Controversen zu anderen Meistern der deutschen
Anthropologie brachten und der Gegensatz seiner An-;chauungen
über die Formenentwicklung des prähisto-:ischen
Schädels zu der exacteren Auffassung ViRcHOow’s
ınd dessen Schule unausgleichbar war, so hat doch
Niemand den Werth und die Gewissenhaftigkeit seiner
hatsächlichen Forschungen bestritten. Der Ruhm, einer
ler Begründer der anthropologischen Forschung Deutschands
gewesen zu sein, bleibt ihm gesichert. Seiner
;dlen und liebenswürdigen Persönlichkeit, welche der
Anthropologie bis in die höchsten Kreise Anerkennung
verschaffte, wird ein treues Andenken bewahrt bleiben.
Wir haben ferner durch den Tod verloren die wirkichen
Mitglieder: Dr. KARL ABERLE, unser langjähriges
\usschussmitglied, Dr. Joser MuHr, ALoıs Davıpn, Exp
SoxDInG. Wir widmen ihnen ein treues Andenken.
Auch im verflossenen Jahre hat unsere Gesellschaft
ler namhaften Unterstützungen Sr. Majestät des Kaisers
für praktische Untersuchungen und deren Veröffent-'ichung
sich zu erfreuen gehabt. Wir sprechen dafür
unseren ehrerbietigsten Dank aus. Das k. k. Unterrichtsministerium
hat uns nicht blos den für 1891 ausgefallenen
Beitrag nachträglich, sondern auch für 1892
den bisher gewährten Beitrag bewilligt, wofür wir zum
wärmsten Danke verpflichtet sind.
Von unseren eigenen Ausgrabungen an prähistorischen
Fundstätten haben wir in diesem
Jahre nur wenig zu berichten, In unerwartet kurzer
Zeit gelang es, einen Abschluss der vor zwei Jahren
begonnenen Arbeiten auf dem Castellier von Villanova
bei Verteneglio in Istrien zu erzielen,
Herr Dr. M. Hoxrxes begab sich über Triest, wo ihm
der stets wachsende Reichthum der für das grosse
Publieum noch nicht zugänglichen prähistorischen Samm-