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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 13=23.1893

— 14

Vor dieser Capelle sind Arbeiter beim Tiefackern auf
Skelette gestossen, die mich veranlassten, einen Ausflug nach
dieser Burg zu machen, Die Skelette waren wieder vergraben
und zwei grosse Steinplatten, welche dieselben bedeckten,
lagen noch vor. Eine dieser Steinplatten zeigte auf der ebenen
Seite ein kleines schiefes, eingemeisseltes Kreuz. Ich unternahm
 in nächster Nähe an ungestörter Stelle eine Grabung
und stiess in einer Tiefe von 1 m in humöser Erde auf ein gestreckt
 liegendes Skelet, dessen Kopf sich im Südosten befand:
dasselbe lag in blosser Erde ohne jegliche Einfassung und enthielt
 keine Beigaben, Der Schädel wurde mit dem ganzen. Erd:
ballen gehoben und eingepackt. Bei der Untersuchung zeigte
es sich, dass derselbe einen Sprung hatte, so dass das Gesicht
 verschoben erscheint und eine sichere Messung nicht
gestattet. Es ist ein Langschädel, dessen Längenbreitenindex
circa 78 beträgt, das Gesicht breit, orthognath, der Unterkiefer
 hoch. Grösste Länge des Humerus 35‘5 cm, des Radius
258 cm, des Femur 47 cm, der Tibia 392 cm. Diese Reste
gehören also einem ziemlich grossen Individuum an und
stammen offenbar aus der Anfangszeit des Christenthums, in
welcher nach heidnischem Gebrauche eine Steinplatte das
Grab bedeckte, die aber mit einem einfachen eingemeisselten
Kreuzzeichen versehen wurde.
Der dortige Förster übergab mir ein Schädelfragment
das vor längerer Zeit „irgendwo am Dfevi@“ gefunden wurde
dem das Hinterhaupt sowie der Unterkiefer fehlen, .Dieses
einem etwa 20jährigen Individuum angehörige Schädelfragment
zeigt einen anderen dolichocephalen Typus als der vorerwähnte
Schädel; es besitzt ein schmales Gesicht und eine flache
zurücktretende Stirne.
Ferner wurden mir Scherben übergeben, die, auf der
Drehscheibe geformt, sehr gut aus lichtem Lehm gebrannı
und mit Wellenornamenten verziert sind. und dem jüngerer
Wallburgtypus angehören,
Sr. Durchlaucht, dem regierenden Fürsten ADoLr JoHANs
ZU SCHWARZENBERG Wurden im Jahre 1891 die nachstehenden
„von oder bei Drevi6“ gefundenen Objecte überbracht:
Eine Lanzenspitze aus Bronze, schön grün patinirt,
Länge 125 cm; Länge der Flügel 85 cm, des Schaftloches
4 cm, Durchmesser des letzteren 2:4 cm, gegossen; das
Schaftloch reicht bis gegen die Spitze und ist an den Seiten
mit Resten von Gussleisten versehen. Leider ist es mir nicht
gelungen, Näheres über die Fundstelle dieses aus der Bronze
oder aus der Hallstätter-Zeit stammenden Stückes zu eruiren
Zwei Sporen mit sternförmigen Rädern; eine Eisenpfeilspitze mit
Widerhaken, alle dem späteren Mittelalter angehörig; endlich
ein wohlerhaltenes Eisenschwert mit Griff aus einem Stück,
messerförmig; Gesammtlänge an 75cm, Breite der Klinge unter
dem Griff 5 cm; die 14 cm lange und 3‘5 cm breite Griffzunge
ist mit drei Löchern und einem aus Eisenplatten bestehenden,
seitlich geschweiften Kopfe mit Gesicht versehen. Der dazugehörige
 Gürtel besteht aus gepressten, verzierten Blechringen
 aus Messing mit Spuren von Vergoldung. Nach
Ansicht des Herrn Custos Bozmsım ist dies ein „böhmisches
Bauernschwert“ aus dem XIV. Jahrhunderte. Die Technik
des Schwertes und des Gürtels verrathen orientalischen
Einfluss.
Unterhalb dieser Wallburg sollen sich in der
Nähe des Meierhofes Gräber befunden haben, in

denen Bronzenadeln gefunden wurden, die sich im
städtischen Museum zu Laun befinden sollen. Wahrscheinlich
 wurde hier auch die oben besprochene
Lanzenspitze aus Bronze gefunden.
Am westlichen Abhange des Berges dürfte ein
anterirdischer Gang‘ vorhanden sein, vor dessen
Mündung gebrannte Steine, Scherben mit Wellenornamenten
 und Knochen vorkommen; von dieser
Mündung einige Meter entfernt, kommt an einer
Stelle gebrannter Kalk zu Tage, in dem ich kleine
Knochenfragmente mit grüner Metallfärbung vorfand.

Flacher Wallbau bei Postelberg.
Die Eger bildet unmittelbar vor Postelberg einen
Zogen, in dem sich niedere, stellenweise ziemlich
breite Erdwälle auf kaum merklich erhöhtem, ebenem
Terrain vorfinden.
Es scheint, dass einst ein Arm dieses Flusses,
vom linken Ufer abzweigend, zunächst ostwärts und
Jann, südlich sich wendend, die besagte inselartige
Erhöhung umflossen hat. Vom linken Ufer der
ger zieht sich bogenförmig ein niederer Wall nordstwärts,
 der eine über fünf Joch grosse Fläche einschliesst
 (Parcelle 392). Vom niedrigen, steil abfallenden
Ufer der Eger zieht im Süden dieser Parcelle ein
1öherer und mächtigerer Wall quer ostwärts und
verbindet sich hier mit dem in südlicher Richtung
verlaufenden steilen Wallabfalle; diese beiden Wälle
schliessen mit der Eger die bedeutend über ein Joch
zrosse Parcelle 389/1 ein, die weiter südlich, unweit
zom Flussufer entfernt, ebenfalls von einem Erdwalle
begrenzt war, der sich von Westen nach Osten zog
und dessen Spuren man noch deutlich auf dem geackerten
 Felde verfolgen kann. In der nordöstlichen
Ecke dieser umwallten Parcelle steht ein kleines
Haus, das „Levanicer Jägerhaus“, vulgo „Küniglhaus“
 genannt.
In Postelberg ist die historisch nicht unbegründete
Ansicht verbreitet, dass an der Stelle der beiden
bezeichneten Parcellen einst die befestigte Burg
„Dragus“ und später das Kloster „Porta apostolorum“
 gestanden sei. Da die beiden Parcellen fast
zur Gänze fürstlich Schwarzenberg’sches Eigenthum
sind, wurden hier auf Veranlassung des Herrn Gutsund
 Fabriksdireetors Joser MascmHarT in Postelberg
Grabungen vorgenommen, die nicht uninteressante
Resultate ergaben und mich veranlassten, im Jahre
1891 die Gegend zu besuchen und weitere Grabungen
zorzunehmen.
            
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