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Einbeziehung von manchmal unanwendbaren oder selbst
anrichtig angewendeten Gesichtspunkten zu einem fortwährend
schwankenden und unsicheren zu machen.
In seinen „Neueren Beiträgen“ will der thätige Director
des anthropologischen Museums der Universität in Budapest
so wie in einigen früheren Aufsätzen (z. B.: Das Wesen und
die Aufgabe der systematischen Kraniologie, 1. c. 1891, Bd. VIII,
Heft 2; Ueber die heutige Schädellehre, 1. c. 1892, Bd. IX,
Heft 3; Neuere Beiträge zur Frage der Horizontalebene des
Schädels, Mittheil. d. Anthropol. Ges, Wien 1892, Bd. XXIL
S. 85) und in den Zuschriften an das „Correspondenzblatt
der Deutschen anthropologischen Gesellschaft“, die in seinen
„Grundzügen einer systematischen Kraniometrie“ (Stuttgart
1890) angegebene Richtung einbürgern und weiterbilden
Referent erlaubt sich, im Sinne seiner einleitenden Bemerkungen
das Bedauern auszusprechen, dass der von massenhaftem
kraniologischen Material und von einem selbsterdachten
ausgezeichneten Instrumentarium umgebene sowie durch die
Schar seiner Schüler unterstützte Autor sich, noch nicht
herbeigelassen hat, das complicirte Knochengerüst seines
Systems in einer grundlegenden Arbeit zur Anwendung zu
bringen und es hiedurch mit Fleisch und Blut zu umkleiden
and zu wirksamem Leben zu erwecken, Seine Aufgabe
wäre es doch, den Fachgenossen einmal zu zeigen, was
die Principien und die complieirten Untersuchungen, die er
mit unermüdlicher Feder anempfiehlt, zu leisten vermögen,
Dies wäre wohl der richtige Weg, sich Nachfolge zu verschaffen.
Statt dessen fordert er durch die mit den schärfsten
Waffen geführten Polemiken die Kritik gegen sich selbst
heraus.
In den „Neuen Beiträgen“ glaubt Referent drei Themata.
welche der Autor vielfach untereinander flicht, unterscheiden
zu können: a) den Vorschlag, zur Kategorisirung der Schädel
vornehmlich 9 Volumenmaasse und 27 Längenmaassindices
zu verwenden und jeden dieser Posten in drei Stufen —
klein, mittel und gross — zu zertheilen (I, S. 29); %) den
Versuch, die Anwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung in
der Kraniometrie zu verallgemeinern und sie den gänzlich
unvorbereiteten Fachgenossen mit den allerelementarsten
Hilfsmitteln verständlich zu machen; c) die neuerliche Bekämpfung
der Frankfurter Verständigung und der Konr-MANN’schen
Schädeltypen.
Wenn man den Standpunkt des Autors, der die Kraniometrie
als selbstständige, die Lebensarbeit eines Gelehrten
ausmachende Wissenschaft betrachtet, würdigt, so wird man
es begreiflich finden, dass er sich im Gegensatze befindet mit
den Anthropologen, welche den Menschen und das Ethnos
als Ganzes auffassen und kennen lernen wollen und die
Schädelgestalt als einen Unterscheidungs- und Studienbehelf
neben vielen anderen verwerthen, Dieser Gegensatz ist
es eigentlich, welcher in den aus den letzten Jahren stammenden
Schriften v. Törörk’s den Grundton angibt und das
Wort: führt und neben welchem sich das im Titel jeweils
genannte Thema intermittirend fortspinnt. Referent wird
auf dieses ungenannte Hauptthema nicht eingehen, sondern
sich erlauben, den Blick auf den mehr thatsächlichen Theil
der vorliegenden Schriften zu lenken.
Den stärksten Anspruch auf Beachtung erhebt der Autor
für sein System der kraniometrischen Schädeltpyen, das
er zunächst mit Hilfe eines Schemas einzuführen sucht.
Es ist sehr wohl möglich, dass die v. Törxöx’schen dreimal
36 Schädelkategorien den heute bei der Schädelbeschreibung
in Gebrauch stehenden Gruppen mit Erfolg an die Seite
yestellt werden und vielleicht auch in gewissen Fällen einige
Vorzüge beanspruchen könnten, Aber das müsste erst durch
antsprechende Untersuchungen vorbereitet, respective nachvewiesen
werden. Mit der blossen Aufschreibung und Neugenennung
von 108 Kategorien ist der Praxis nicht gedient.
Das Mindeste, was man vom Autor erwarten darf, ist, dass er
ärenzwerthe für seine neuen Kategorien aufsucht und bekannt
zibt. Aber weit entfernt davon, beschränkt er sich darauf
I, S. 5), die für die jetzt gebräuchlichen Schädelkategorien
ıcceptirten Grenzwerthe als „launenhaft“ zu bezeichnen, uns
zu belehren, dass die Grenzwerthe „erst aus der Eruirung
ler wesentlichen Beschaffenheit der Variationsreihe selbst,
ınd zwar nur mittelst der „Wahrscheinlichkeitsrechnung“,
estgestellt werden können, wozu immer auf genaue und
zenügend zahlreiche Einzelfälle sich stützende. Daten nöthig
sind“ und endlich „zu erklären, dass wir über die wesentichen
Eigenschaften der Variationsreihen der Schädelformen
jisher so viel wie gar nichts wissen, was schon als unımstösslich
festbegründet gelten könnte, somit alle bisherigen
Eintheilungen der einzelnen Gruppen jedweder wissenschaftlichen
Grundlage entbehren müssen“, Und mit dieser Erklärung,
welche doch zunächst über seine eigenen grossırtigen
Untersuchungen den Stab bricht, tritt der Autor in
lie Kritik der Arbeiten KoLLmAnn’s und der Frankfurter
Verständigung ein, um selbst andere Gruppen aufzustellen,
auf welche sein soeben citirter Satz mindestens ebensoyut
passt, wie auf die von ihm bekämpften Gruppen. Die
3illigkeit gegen den Autor sowie gegen unsere Leser räth
ıns, der sich selbst also charakterisirenden Polemik nicht
zu folgen. Immer wieder macht sich der Wunsch geltend,
lass Herr v. Tördg sich daran machen möge, einmal mit
seinem System selbst zu arbeiten und die Ergebnisse anderer
Arbeiten nicht durch Speculationen, sondern wieder mit reellen
Arbeiten zu bekämpfen.
Die Wichtigkeit, welche die Wahrscheinlichkeitsrechnung
für die kraniometrische Calculation hat, wird allenthalben
anerkannt, und die von dem Autor in seinem zweiten Beitrage
unternommene Unterweisung in den Anfangsgründen der
Wahrscheinlichkeitsrechnung wird von Allen, die ihrer bedürfen,
freundlich begrüsst werden. Referent muss jedoch
seiner Verwunderung Ausdruck geben darüber, dass es nöthig
ist, auf ein so niedriges Niveau mathematischer Kenntnisse,
vie es der Autor bei seinen Lesern voraussetzt, Rücksicht
zu nehmen. Herr v. Töröxg besitzt darüber wohl seine Er-“ahrungen
und weiss, wie weit er gehen muss. Ein Zuwenig
an Voraussetzungen kann nicht viel schaden. Zu tadeln ist
iedoch die häufig uncorrecte, Irrthümer ermöglichende Aus-Irucksweise
und die Thatsache, dass sich in diese Unterweisung
einige, vielleicht nur im Ausdruck begründete Fehler
aingeschlichen haben, welche keinem Docenten mathematischer
Lehren passiren dürfen. Am grellsten ist das Folgende:
In Beitrag II, S. 7, wird die Verschiedenheit der Schädel
'n Volumen, Länge, Breite und Höhe an einem Würfel plausibel
gemacht und hiezu auf Taf, XVI ein Würfel von 3 mm
Seitenlänge gezeichnet und in weiteren 26 Figuren dessen Wachsthum
nach den drei Dimensionen dargestellt, Es ist Jedermann
yekannt, dass der Würfel sechs Flächen (daher Hexaeder) und