2017
ich 1876, etwa 28 Fuss tief unter der Oberfläche,
in den frisch angeschnittenen, ungestörten Diluvialablagerungen
!) der Ostwand des Thieder Gypsbruches
eigenhändig ausgegraben habe. Der Fundpunkt desselben
lag kaum 20 Fuss (in horizontaler Richtung)
von dem 1890 gefundenen, oben erwähnten Hyänenskelette
entfernt; dem Niveau nach lag er circa 10 Fuss
tiefer. als der Fundpunkt des letzteren. Dass jenes
Ai.
Tr
. 1, 180.
Fio, 181.
Fig. 182.
Fig. 179. Feuersteinschaber aus dem Diluvium des Thieder
Gypsbruches, von der Rückenseite. — Fig. 180. Derselbe von
der Unterseite. — Fig, 181. Längsdurchschnitt von d—ce. —
Fig. 182. Querdurchschnitt von a—d. — Alle Figuren in natürıicher
Grösse, (Vergl. Verhandlungen der Berliner Anthropologischen
Gesellschaft vom 13. Avril 1889, S. 359.)
Feuersteinwerkzeug ein typischer, unzweifelhaft von
Menschenhand hergestellter „Schaber“ ist, haben alle
Diejenigen anerkannt, welche das Stück in meiner
Sammlung gesehen haben; auch Jar, SrTEENSTRUP
trug kein Bedenken, dieses anzuerkennen, als er 1879
meine Sammlung besichtigte. Es liegt nach meiner
1) Da diese Ablagerungen vom Inneren des Gypsbruches
aus terrassenförmig abgegraben werden, um zu den Gyps
felsen zu gelangen, so kann man sich sehr deutlich von der
Ongestörtheit derselben überzeugen.
Ansicht kein {Ariftiger Grund vor, dasselbe für Jünger
zu halten als die fossilen Thierreste, welche in
zleichem Niveau gefunden wurden, Der Feuerstein zeigt
sine sehr schöne, weisse oder bläulichweisse Patina’;
als ich das Stück fand, klebte an ihm eine kalkige,
össkindel-ähnliche Concretion, wie sie in dem be-:reffenden
Niveau des Thieder Gypsbruches nicht
selten vorkommt.
Da die umgebende Ablagerungsmasse durchaus
ungestört war, so muss ich die Möglichkeit, dass
dieser Feuersteinschaber nachträglich an die
Fundstelle (28 Fuss tief!) gelangt sei!), entschieden
bestreiten.
Ein zweites Feuersteinwerkzeug von Thiede hat
die Form eines sogenannten „Messers“; es bildet
eine schmale, mit doppelter Rückenkante versehene
Lamelle, welche aus einem mattgrauen, wenig glänzenden
Feuersteine besteht (siehe Fig. 183—156).
An seiner Oberfläche haften einige kalkige Concretionen.
Offenbar war das „Messer“ ursprünglich
am circa ein Drittel länger; es ist bei d (Fig, 183)
abgebrochen.
Ich fand das Stück, circa 18 Fuss tief unter der
Oberfläche in der durchaus ungestörten Ablagerungsnasse
der Ostwand des Gypsbruches, in der Nähe
von Rhinocerosknochen und nicht weit von dem
Fundpunkte des oben besprochenen Hyänenskeletes
entfernt. Dass es ein menschliches Artefact sei, haben
bisher Alle anerkannt, welche es in meiner Sammlung
besichtigt haben.
Ausser diesen beiden Werkzeugen besitze ich
noch eine Anzahl von Feuersteinlamellen aus denselben
Ablagerungen, welche theils als „Messer“,
theils als Laänzenspitzen zu bezeichnen sind; ich
habe sie sämmtlich in der Ostwand des Gypshrnches
yefunden.
Endlich erwähne ich eine breite Feuersteinlamelle,
welche Herr Dr. A. WorLLrMmanN vor circa 14 Jahren
als damaliger Schüler des Gymnasiums in Wolfenjüttel,
welcher meine Excursionen nach Thiede zeitweise
mitmachte, circa 18 Fuss unter der Oberfläche
in den Ablagerungen der Ostwand des Gypsbruches
zefunden hat (siehe Fig. 187-—189). Dieselbe befindet
sich jetzt im hiesigen Museum für Völkerkunde; sie
st von mir in dem Sitzungsberichte der Berliner
Anthropologischen Gesellschaft vom 13. April 1889,
S. 359 f., näher besprochen worden. Auch bei diesem
ı) Von irgendwelcher Rutschung oder Umlagerung der
umgebenden Ablagerungsmassen war nicht die geringste Spur
zu sehen!