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wahre Goldgrube für vergleichende ethnographische Studien
Wenn wir den reichen Inhalt des vorliegenden Jahrbuches
Revue passiren lassen, so müssen wir es mit besondereı
Genugthuung constatiren, dass die Bevölkerung der Vogesenthäler
das Glück hat, unter ihren Pfarrern und Lehrern
Persönlichkeiten zu besitzen, die allen Aeusserungen des
Volkslebens ein warmes Herz entgegenbringen und nichts
für zu gering halten, dass es für die Nachwelt verzeichnet
werde. Es entfaltet auch der Vogesen-Club in dieser Hinsicht
eine eifrige Thätigkeit in Veranstaltung von Vorträgen, aus
welchen nur einige genannt seien: „Bauernhochzeiten im
Hanauerlande vor 45 Jahren“, von Herrn Vocursr, in Buchs:
weiler gehalten (hoffentlich wird dieser gedruckt werden),
„Aus Sage und Geschichte des Kreises Molsheim“, von
Prof, Dr. BArRTgoLDY aus Strassburg, in Molsheim gehalten:
erner: „Ueber deutsches Frauenleben im XII. und XI, Jahrhundert“,
von Oberlehrer Dr. Grure, und „Ueber den Inhalt
des städtischen Museums“ (in Zabern), von Conservator
AupıGieErR, beide in Zabern gehalten. Wer mehr über die
dankenswerthen Bestrebungen des Vogesen-Clubs wissen will,
der sei auf Nr. 25 der „Mittheilungen“ desselben verwiesen
Hoffentlich ist die Zeit nicht ferne, dass dieser Verein durch
Begründung eines Museums für die Vogesen-Volkskunde, die
eine seiner schönsten Aufgaben bilden würde, sich ein unvergängliches
Verdienst erwirbt. W. Hein.
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Bartels, Dr. Max: Die Mediein der Naturvölker.
Ethnologische Beiträge zur Urgeschichte der Medicin.
Mit 175 Original-Holzschnitten im Text. Leipzig.
Tu, Grimsen’s Verlag (L. Fersav). 1893.
Der Verfasser umgrenzt in dem Vorworte seine Aufgabe
dahin, in diesem Werke darzustellen, „was für medicinische
Anschauungen unter niederen Culturverhältnissen herrschen
und was für Mittel und Wege die Naturvölker benützen,
um sich mit den Krankheiten abzufinden“. Es ist daher in
erster Linie ein ethnologisches Werk, das uns hier vorliegt,
aus dem freilich der Mediciner, der gewohnt ist, über den
Kreis seiner gewöhnlichen Berufspflichten hinauszublicken,
eine reiche Fülle von Anregungen schöpfen kann.
Als erster Versuch, diese Frage in wissenschaftlich geordneter
Form darzustellen, überrascht uns das Werk durch
die seine Aufgabe vollkommen beherrschende Conception und
die streng logische Entwicklung der aus einander hervorgehenden
Fragen, Von der Krankheit ausgehend, beantwortei
der Verfasser in eingehender Weise zuerst die Vorstellungen
der Naturvölker über das Wesen der Krankheit und die Entstehung
derselben, Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, über
diese Punkte eine nach allen Seiten klare und präcise Darstellung
zu geben, da die Naturvölker selbst meist nur sehr
verschwommene Anschauungen darüber haben und sich nur
selten über dieselben deutlich aussprechen können, Je mehr
Material über diese Fragen vorliegt — und es ist das ein
Mahnruf für alle Aerzte, welche in der Lage sind, Vertreter
irgend eines Naturvolkes behandeln zu können —, desto leichter
wird es möglich sein, dieselben zutreffender zu erklären,
Die Frage über die Ursachen und Entstehung der Kranka2eit
führt uns folgerichtig zu den Aerzten, welche die Aufzabe
haben, diese zu beseitigen. Ich möchte dieselben im
Gegensatze zu unseren älteren und modernen, wissenschaftich
gebildeten Aerzten Volksärzte nennen, welche Bezeichnung
gewiss nicht missverstanden wird. Unser „Bauernloctor“
ist vielfach das Nämliche, wie der „Mediecinmann“
les Wilden. Mit dem letzteren beschäftigt sich nun unser
Werk in der eingehendsten Weise nach allen Richtungen,
welche hier in Betracht zu kommen haben.
An die Besprechung der Diagnostik der Krankheiten
<xnüpfen sich einige Bemerkungen über Fetische, Amulete
and Talismane an, ein Capitel, das in einzelnen Theilen noch
ainer bedeutenden Erweiterung fähig ist und eine solche in
Zukunft gewiss auch finden wird. Es folgt dann die Be-;prechung
der Medicamente, sowie der Art und Weise der
Anwendung derselben; daran knüpft sich die Betrachtung
ainzelner sehr verbreiteter Curmethoden, namentlich der
Wassercur und der Massage. Die Abschnitte über die übernatürliche
Diagnose und Krankenbehandlung, welche von
besonderem Interesse sind, führen uns schon in das Gebiet
der religiösen Vorstellungen und Gebräuche. Mehrere Capitel
vehandeln ferner einige specielle Krankheiten und deren
Behandlung, auf welche ein Abschnitt über Gesundheitspflege,
ansteckende Krankheiten und Epidemien folgt. Mit der Betrachtung
der mannigfaltigen chirurgischen Eingriffe und
Operationen, welche in einzelnen Fällen von einer merkwürdigen
Einsicht und Kühnheit Zeugniss geben, schliesst
las inhaltsreiche Werk.
Von besonderem Werthe sind die zahlreichen beigegebenen
trefflichen Illustrationen. Aus diesen wird so recht die grosse
Bedeutung unserer modernen ethnographischen Museen klar,
>hne welche heute eine Aufgabe, wie sie das vorliegende Werk
zu lösen versucht, nicht unternommen werden könnte. Wem
dieselbe bis heute nicht klar geworden ist, der möge sich
hier darüber belehren.lassen. Aber auch das Eine zeigt uns
diese vorzügliche Arbeit, dass der Hauptwerth solcher Museen
nicht allein auf dem Umfange ihrer Sammlungen, sondern
auf der möglichst genauen wissenschaftlichen Bestimmung der
einzelnen Objecte beruht. Hier hatte der Verfasser das Glück,
aus erster Quelle zu schöpfen, denn in dieser Richtung wird
das Berliner Museum für Völkerkunde heute kaum von einem
anderen übertroffen,
Durch das ganze Werk zieht sich die von Altmeister
BaAstıAN in so genialer Weise formulirte Idee des Völkergedankens,
Auf dieser nun gewonnenen Basis hat sich in
Zukunft der Aufbau unserer gesammten Völkerkunde zu vollziehen.
Die Ausführung auf einem speciellen Gebiete hat uns
der Verfasser in mustergiltiger Weise dargethan. Insoferne
bedeutet das Werk einen grossen Schritt nach vorwärts und
kann mit vollem Fug und Recht als bahnbrechend
bezeichnet werden. Heger..