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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 13=23.1893

und zwar dürfte der innere Wall mit der weiteı
unten besprochenen Wallburg „Na Hradei“ von Pon&Sic
gleichzeitig hergestellt worden sein; dafür spricht
nicht nur die Anlage des innersten Walles, wenn auch
die Steine und die Lehmschichte desselben hier eine
umgekehrte Anordnung zeigen, sondern auch die hier
gefundenen Scherben, welche viele Aehnlichkeit mit
denen von der Burg „Na Hradei“ besitzen. Diese
ursprüngliche Burg mag nicht nur als Wacht am
Ufer der Moldau, sondern vielleicht auch zu Cultuszwecken
 eine Wichtigkeit erlangt haben, wie dies die
heidnische Benennung „Bäba“ des gegen die Moldau
vorspringenden Felsens derselben anzudeuten scheint:
sie wurde deshalb später, zur Zeit der Anlage der
verschlackten Wälle, noch sicherer befestigt durch
Errichtung zweier kleinerer, durch Gräben getrennter
Wälle und eines äussersten, aber mächtigsten Walles,
der nach Art der verschlackten Wälle durch Kohlenbrand
 hergestellt wurde.
Wallburg „Na Hradei“ unweit Frauenberg.
Auf dem rechten Ufer der Moldau befindet sich
im PoneSicer Revier auf dem Gipfel des „Hradeec-Berges“
 eine ebenfalls von mir aufgefundene Wallburg,
 die jedoch, wie der Name besagt, klein ist
and nur 90 Ar umfasst. Ihre Anlage habe ich im
ersten Theile meiner „Beiträge zur Urgeschichte
Böhmens beschrieben und unter Nr. 4, Fig. 1, 2,
3 und 4, abgebildet.
Die nähere Untersuchung unternahm ich unter Betheiligung
 Sr. Durchlaucht des ErBrrinzen JoHANN FÜRSTEN ZU
SCHWARZENBERG im Jahre 1890. Dieselbe begann am innersten
Steinwalle an einer am besten erhaltenen Stelle im Südwesten,
 da wo im Grundriss meines ersten Berichtes unter
Nr. 4, Fig. 1, der Querstrich me sich befindet. Es wurde
hier ein 3m langer Durchstich des Walles vorgenommen:
die Höhe des im Ganzen sehr zerfallenen Walles betrug hier
L‘4 m, die Breite 9 m; das Profil (Fig. 12) zeigte auf dem Naturboden
 eine sandige Lehmlage von 0:8 m Mächtigkeit (1), die
(wenigstens zum Theile) wahrscheinlich der inneren Vertiefung
neben dem Walle entnommen wurde; darüber lagen grössere
Steine, aus Quarzit und Gneiss bestehend, 06 m mächtig (2);
von Kohlen war, von drei winzigen zufälligen Stückchen
abgesehen, keine Spur vorhanden, auch waren weder Sand,
noch Lehm, noch die Steine gebrannt oder verschlackt. Sowohl
 in der Lehm- als in den Steinlage kamen Scherben vor.
Ein zweiter ähnlicher Durchstich auf der östlichen Seite
argab dasselbe Resultat.
Der Innenraum wurde zunächst an der höchsten Stelle,
etwa 10m vom östlichen Walle entfernt, untersucht, indem
hier ein 4m langer, 1m breiter und 0:6 m tiefer Graben
gezogen wurde; unter einer sehr schwachen Lage Walderde
folgte sofort ein sandig-steiniger Naturboden ohne jegliche
Reste. Auf der nordwestlichen Seite wurde neben dem Walle
Mittheilungen d. Anthropv. Gesellsch. in Wien. Bd. XXI. 1892

zn 4m langer und 1m breiter Graben gezogen; hier lag eine
)3 m mächtige Schichte humöser Walderde, unter welcher, auf
dem Naturboden liegend, mehrere Scherben zum Vorschein
kamen. Diesem Walle gegenüber wurde im Nordosten neben
iem Walle ein 2 m langer und 1m breiter Graben gezogen;
hier lagen unter einer schwachen Schichte Walderde einige
Stückchen Kohlen auf dem sandigen Naturboden. In der
Mitte der südlichen Hälfte wurde auf erhöhter Stelle ein
2m langer, 1m breiter und 1m tiefer Graben angelegt, der
ınter einer schwachen Lage Waldboden einen sandig-lehmigen
Naturboden ohne Reste zeigte. Endlich wurde noch in der
Mitte des Innenraumes ein 2m langer, 1m breiter und 08 m
:jefer Graben gezogen, in welchem unter schwacher Walderdeage
 sandig-lehmiger Naturboden folgte, auf dem zwei kleine
Scherben und ein grosser Henkel von einem Thongefässe
‚agen. Auffallend ist der Umstand, dass hier keine Thier-<nochen
 vorkamen,
Scherben. Unter den ziemlich zahlreichen Scherben
5efinden sich Wand-, Rand- und Bodenfragmente sowie sehr
kleine und grössere Henkel; einige Randstücke sind nach
auswärts gebogen, ein Bodenstück besitzt einen sehr kleinen
nach innen eingedrückten Boden; einige Wandstücke stammen
von niedrigen, weitbauchigen, kleinen Gefässen. Im Ganzen sind
die Scherben, von denen leider keiner eine Verzierung trägt.

‚Metern nfas

Fig. 12. Profil des innersten Walles auf der Wallburg
Na Hradei“

von den Scherben der benachbarten Litoradlicer verschlackten
Burg ziemlich verschieden und zeigen ein entschieden älteres
Gepräge; sie sind meist dünnwandig und aus geschlemmtem
Lehm erzeugt, viele mit Graphit glänzend schwarz, andere
innen und aussen roth und gelb bestrichen; alle diese
Scherben sind aus freier Hand verfertigt und schwach gebrannt.

Resultate, Bei Errichtung dieser von drei
:ingsherum verlaufenden Wällen eingeschlossenen
zleineren Wallburg wurde, den vorgenommenen Untersuchungen
 zufolge, zunächst eine sandige Lehmlage auf
lem Grunde des Walles aufgeführt, welche dann durch
übereinandergelegte Steine erhöht wurde; eine Benützung
 von Kohle und Feuer zum Zwecke der
zrösseren Festigkeit kam hier nicht vor. Es konnte
ıer constatirt werden, dass das zum Baue verwendete
 Quarzitgestein von einem südöstlich am
Libochova-Bache gelegenen alten Steinbruche auf
len Berg, wahrscheinlich auf Schleifen, befördert
wurde, denn es stimmt nicht nur das Gestein, sonlern
 es liegen noch vereinzelte Quarzitgesteine längs
>iner Linie am Abhange des Berges, die vom Steinoruche
 zur Wallburg führt. Aus den vorgefundenen
Scherben lässt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit
            
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