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Badezimmer ist auffallend und wird wohl von der
Tradition des Ortes beeinflusst sein. Im Balneatorium
ist kein Ofen eingezeichnet, aber ich möchte doch
glauben, dass er vorhanden war und sein Fehlen
blos ein Versehen ist. So ist ja in der Badestube
des Abtes gar nichts eingetragen. Das Quadrat in
ler Mitte des Balneatoriums deute ich durchaus nicht
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Fig. 169. Aderlasshaus
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auf einen Herd, der ja im Baderaume sehr unpraktisch
war, sondern nur auf die Lichtöffnung, wie das
Aderlasshaus vier Oefen zeigt und ebenfalls in deı
Mitte das Quadrat. Eine eigentliche Dampfkammer
ist blos neben dem Balneatorium der Brüder und
hier finde ich auch einen grossen Kachelofen verzeichnet.
Zu den Principien.
Der Bauernhausforscher fragt immer‘ nach dem
„typischen“ Hause. Man muss aber da wohl nach
Gegenden unterscheiden. Orte mit wenig Verkehr.
deren Bewohner mehr auf sich angewiesen sind,
bringen es in Allem zu grösserer Gleichmässigkeit
und Uebereinstimmung im Dialekt, in der Tracht.
im Hausbau und der ganzen Lebensführung, als Orte
mit mehr Bewegungsfreiheit. Die Typen Nordoststeiermarks
sind so viel beweglicher, als die ziemlich
starren Nordweststeiermarkes.
Ich habe bei dieser meiner heurigen Reise die
Erfahrung gemacht, dass die charakteristischen Eigenschaften
des Hauses und die Hausgeräthe eigentlich
jedes für sich zu betrachten sind, Eigentlich müsste
man für jedes Detail und jedes Geräthe eine eigene
Landkarte mit Angabe seines Verbreitungsgebietes
zeichnen und man würde dann sehen, dass die Grenzinien
dieser Flächen sich in ganz merkwürdiger
Weise umschliessen, schneiden oder gar nicht be-:ühren
!). Für den Sprachforscher bietet diese Erscheinung
eigentlich etwas Selbstverständliches; denn
es war ja zu erwarten, dass J. Scumipr’s Wellen-;heorie
nicht nur von den Lautübergängen, sondern
sinfach von allen culturellen Erscheinungen gilt.
Unsere „Häusertypen“ sind also Abstractionen
von keiner höheren Realität als die „Dialekte“,
Es war ein ausgezeichneter Gedanke A, BırLenrEIN’s,
auf seiner Karte VI des „Atlas des Lettenlandes“
neben den Isoglossen auch zwei „Isoergen“
aufzunehmen, nämlich die Grenzlinien für den zweispännigen
Wagen und die lange Sense (Linien 18
and 16). Man bemerkt, dass diese Linien dieselbe
Bewegungsrichtung haben wie jene, welche das
Niederlettische vom Nordwestkurischen (Tahmischen)
abtrennen. Es wäre sehr erwünscht, auch auf anderen
Gebieten Isoglossen und Isoergen in Bezug auf ihre
Lage beobachten zu können.
Nachtrag zum Herd.
Zum Herde will ich noch nachtragen, dass
AosEGGER für Rauchmantel das Wort „Feuerhut“
anführt. Er beschreibt einen solchen (vgl. Volksleben
in Steiermark, S. 20). Wie heilig das Feuer ist, erkennt
man daraus, dass nach steiermärkischem Volksglauben
dem, der Schwabenkäfer in’s Feuer wirft,
so viele Male neun Schwabenkäfer demnächst in die
Suppe fallen (RoszecEer, a. a. O., S. 64). Heiliges
Feuer nimmt sich der Hausvater von dem Brande
alter Sargbretter am Charsamstag vom Friedhofe
heim und sorgt, dass es nicht verlischt. Solches
Feuer schützt vor Blitz und Brand und anderem
Unglück. Die Verehrung der Macht des Donnergottes
erkennt man daraus, dass man durch Blitzschlag
antstandenes Feuer für unlöschbar hält und es daher
ruhig brennen lässt (RosrzcGzmr, a. a. O., S. 69, 68).
ULRICH Jan (Die deutschen Opfergebräuche) erzählt
‘S. 26), dass die Bauern mancher Gegenden bei Pest
der Seuche alles Feuer verlöschen und unter feierlichen
Ceremonien durch Reibung mehrerer Hölzer
neues Feuer gewinnen, von dem jedes Haus wieder
. 1) Aus dem Obigen sieht man, dass die Verbreitungsgebiete
der Wohnhaustypen nicht identisch sind mit den
Typen der Scheune oder des Feldkastens u. s, w. Ebenso hat
der Dreifuss eine andere Ausdehnung als der Feuerbock. und
Jasselbe gilt vom Pfannbrett u. s. w.