Studien zur germanischen Volkskunde.
Von Dr. Rudolf Meringer, k. k. a. ö. Professor an der Universität Wien,
(Vgl. Bd. XXI, S. 101 ff, und Bd. XXII, S. 101 ff.)
(Mit 127 Text-Illustrationen.)
„Die Wohnungen des Volkes sind die treuesten Verkörperungen
seiner Seele.‘ Rosegger, Gesammelte Schriften, VII, 8. 12,
Von Literatur, die unsere Gegenden berührt, ist
mir Folgendes bekannt geworden:
Topographia Ducatus Stiriae. Authore et
Delineatore GEorcıo MatrnaRo Vischer, 1681. Leider
st auf diesen Bildern das Bauernhaus nur berücksichtigt,
wenn es in unmittelbarer Nähe einer Burg
steht, und auch dann ist es gar zu schematisch
gezeichnet.
Die nordöstliche Steiermark. Eine Wanderung
durch vergessene Lande von FERrRDINAND
Krauss. Graz 1888. Leider hat der Verfasser wenig
Rücksicht auf die Bewohner genommen.
Die eherne Mark. Eine Wanderung durch das
steierische Oberland von Ferdinand Krauss, Landes-:echnungsrath,
Graz 1892, I. Bd. Dieses Werk entaält
eingehende Schilderungen und werthvolle Artikel.
Seine Stärke liegt aber in Dingen, die uns hier
wenigstens nicht zunächst interessiren, Ueber den
obersteierischen Bauernhof handeln die Seiten 15—21.
Beigegeben sind einige Illustrationen, welche dem
Xronprinzenwerke entnommen sind.
Sehr schöne Artikel enthält der Band Steiernark
des Kronprinzenwerkes: Die österreichischıngarische
Monarchie in Wort und Bild.
Namentlich kommt. der Aufsatz: Zur Volkskunde
Steiermarks, von Oberlehrer Jouann Kranz in Betracht
(S. 139 ff.). Vom Bauernhause handelt Kranz
5. 146 ff.; auf S. 147 sind recht gute „obersteierische
Bauernhaustypen“. (Auf derselben Seite spricht
Kranz von einer „Äsen“ „zur Trockenlegung des
3rennholzes“, Äsen kann blos eine falsche Uebersetzung
in’s Hochdeutsche sein. Man spricht „Asn“
mit dumpfem a, folglich ist schriftdeutsch „Asen“
und nicht „Äsen“ zu schreiben *). Und „Asen“ schreibt
auch RosEGGEr.)
1) In meinem früheren Aufsatze habe ich die dumpfen a
des Dialektes mit o bezeichnet; ich werde sie jetzt wieder
mit a bezeichnen, um einen Zusammenfall mit o zu vermeiden;
a bedeutet also bei mir sowohl das dumpfe a,
welches aus reinem a entstanden ist, wie auch das ganz
helle. welches auf ä zurückgeht.
Im Anschlusse an Bancanarı's Arbeit über das
oberösterreichische Bauernhaus („Ausland“ 1892,
Heft 16, 19, 20, 21, 22) und zur Ergäuzung meines
eigenen Versuches über das Bauernhaus von Aussee,
schien es mir nothwendig, das volksthümliche Haus
Nordsteiermarks und seine Geräthe darzustellen:
deshalb widmete ich mit Unterstützung der Anthropologischen
Gesellschaft in Wien diesem Zwecke eine
Reise, Welche von Payerbach nach Mürzzuschlag, Bruck
a. d. Mur, Leoben, Vordernberg, Eisenerz, Admont,
Aussee, Bischofshofen und Salzburg führte. Mit Freude
möchte ich hier schon der Museen in Salzburg und
in Eisenerz gedenken, welche recht schöne Sammlungen
von volksthümlichem Hausrathe aufweisen.
Namentlich das Museum in Eisenerz verdient Lob.
weil es zeigt, was ein einzelner Schulmann, wie
JoHAnn Kranz, für den Ort seiner Thätigkeit auch
ausserhalb seiner Pflicht zu leisten im Stande ist.
Möchten nur bald Andere dem Beispiele solcheı
Männer folgen; denn heute wäre ein kleines Ortsmuseum
zu errichten eine noch verhältnissmässig
leichte Sache, wenn eben das Augenmerk auf volksthümliche
Dinge, die ausser Gebrauch kommen und
in Rumpelkammern und unter dem alten Eisen zu
Grunde gehen, und nicht auf Kostbarkeiten und
Schätze gerichtet würde. Seelsorger und Lehrer
stehen überall solchen Fragen wohlwollend gegenüber,
und es bedarf vielleicht nur eines kleinen Anstosses,
um guten Willen in gute Thaten umzusetzen.
Ich hoffe, dass auch Admont, das berühmte Benedietiner-Stift,
dem Gedanken, ein volksthümliches
Museum anzulegen, nicht mehr fern steht *). ;
ı) Der Curschmied des Klosters, Herr FErDinNAnD LEITNER
hat einer solchen Sammlung schon verständnissvoll vor
gearbeitet und hat die alten Eisensachen in einem Nebenhofe
untergebracht. Die gelehrten Patres des Klosters wären geradezu
prädestinirt, eine solche Sammlung anzulegen, wie
sie Eisenerz und Salzburg besitzen, Die günstige Lage des
Ortes, sowie die vielen über das Land zerstreuten Seelsorger
würden die Arbeit rasch zu einer erspriesslichen machen und
der Orden St. Benedict’s hätte ein nenes Ruhmesblatt den
anderen beigefügt.