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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 13=23.1893

— 121

feinfaserigen Red wood leicht ging. Schleifsteine, dann scharfe
Steinsplitter dienten zur Bearbeitung der Horn- und Knochen:
theile der Speere, zum Schaben und Abdrehen der Pfeilschäfte,
 zum Gerben der Felle, beim Aufbrechen und Zerlegen
des Wildes. Geschliffene Steinwaffen oder Werkzeuge hatten
sie nicht.

10. Die Männer fröhnten, obwohl nur selten (monatlich einbis
 zweimal), der uralten, weitverbreiteten indianischen Sitte
des Rauchens. Als Tabak dienten die grünlichen getrockneten
Blätter einer anscheinend hanfähnlichen Pflanze, die aber
nicht an der Küste wuchs, Die Blätter wurden in der Hand
etwas zerkleinert und dann in die ganz primitive, unten
trichterartig erweiterte Höhlung eines spannlangen Hollunderstengels
 gestopft, der Rauch in tiefen Zügen bei stark
zurückgelegtem Kopfe eingesogen und durch die Nase ausgeblasen,


11. Einige Wörter der Zoreisch-Indianer; zur Vergleichung
derselben auch die entsprechenden Bezeichnungen der Tlinkits !)
in Alaska:
Deutsch
Baum
Feuer
Wasser
Bär
Seelöwe
Seekuh
Seehund
Gewehr
Bogen -
Messer
Elk
klein
groSS
Häuptling
Grosser Geist, Gott
nicht, kein
ja
nein ;
gut
böse, schlecht
sehr weit
gehen
eins
zehn
Brot
Wildgans
Lachs
Indianer
Weisser
Geld
indianisches Geld
(Dentalien)
Geld der Weissen
Frau

kwo-tsing
?
ka-schat, schan- wot

ı) Aus dem Werke von Dr. A, KRAUSE.
2) Von diesen Wörtern scheint nur die auch von den
Zoreisch-Indianern durch den Handel erlangte Dentalien-Benennung
 auf einen gemeinsamen Ursprung hinzuweisen.

Deutsch Zoreisch
‚öser Waldgeist umaha
Xleiner Fluss (Little
River) skena-maraz
Trinidad-Indianer zoreisch-aloque
Made river-Indianer walawala
Ein Schimpfwort) . woschaä
sterben, todt kizmakei
Haar Jleptag
sprechen wauwau
assen mukamuk
Gehen wir! Zoho uma'
Fischotter schräz
Schnur pakzes
Gebüsch gäb
ich nek
du kel
sehen nidin
Hand slekwa
hungrig ziawe

Tlinkit
>

ran-na-nan, kog-kana
ka-scha-chawu
2
at-chra, atra
P

chrat
wöe, wo-etsch
tin
kä-dschin |
chadrän-uha

Uebliche Zeichen,
Verheiratet sein: Die beiden gekrümmten Zeigefinger
ineinander ketten.
Geschwister: Die beiden ausgestreckten Zeigefinger nebenainander
 gelegt.
Beschimpfung: Die fünf ausgespreizten Finger einer Hand
gegen Jemanden richten. .
Vernichten (im Kriege): Reibende Bewegung mit Daumen
und Zeigefinger.
Die Worte: Papus (Kind), Squa (Frau) und Canoe hatten
sie wohl von den Weissen gelernt und angenommen.

12. Die allgemeinen Begriffe des Guten und Bösen waren
hnen bekannt und wurden auch beachtet. Einfach war auch
hre Religion, wenn man die dunkle, unklare Vorstellung,
Jie sie hierüber hatten, so nennen kann, Ein grosser Geist,
Jenna mowema — der grosse Häuptling oder Herr —, beherrscht
 Alles; die Menschenseele lebt nach dem Tode fort,
Ein böser Geist — umaha — bewohnt den ungeheueren Urwald;
 beim Lagern in einem Walde wurde derselbe des Nachts
manchmal durch einen Erwachenden mittelst Geschrei und
Schleudern von Feuerbränden zu verscheuchen gesucht. Auch
in den Felshöhlen der Küste sollen Geister hausen und beim
Vorüberfahren im Canoe stimmte der Häuptling oder der
Aelteste einen Gesang an.

13. Ihre Todten bestatteten sie zumeist in der Nähe des
Sterbeplatzes bei der Ansiedlung, in den etliche hundert
Schritte entfernten Gebüschen am Abhange oder am Waldessaume.
 Die Leiche wurde ausgestreckt in eine etwa 1—1:5 m
tiefe Grube gelegt und mit Erde bedeckt; darauf kam eine
breite Diele aus gespaltenem Red wood, dann wieder Erde
and ein gleiches Brett, dann Erde und zu oberst ein drittes
Brett. Die Bretter hatten wohl nur den Zweck, das Ausscharren
 der Leiche durch Raubthiere zu verhindern. Die
Weiber sangen, ehe der Todte bestattet wurde, um die Leiche
sitzend, Klagelieder, Später mieden sie den Begräbnissplatz
und zeigten auch Furcht und Abscheu vor Todtengebeinen.
Die Männer bemalten sich durch einige Zeit mit weisser
Thonarde zum Zeichen der Trauer
            
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