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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 13=23.1893

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ANHANG

1. Das waren eben die in Rede stehenden Zoreisch-Indianer,
 Dieselben traten erst um das Jahr 1850 mit den
Weissen in Berührung und hatten damals noch ausschliesslich
Waffen und Geräthe aus Stein und Knochen im Gebrauche
Da die nur kleine Bevölkerung (etliche 50—80 Köpfe).
welche an der von dem Trinidad head geschützten Rhede
wohnte, ihren Lebensunterhalt hauptsächlich dem Meere entnahm,
 so waren auch die meisten ihrer einfachen Geräthe
auf den Fischfang berechnet.
Wohl mag vor dem angegebenen Jahre in der blauen
Ferne des Meeres manchmal ein Segelschiff aufgetaucht sein,
das nach den Pelzlagern des in den Zwanziger-Jahren am
Columbia-Strome gegründeten Astoria segelte, wie ja auck
die Spanier, dann Behring 1729 und Cook 1778 bereits jene
Gewässer befuhren. Vielleicht, dass die Spanier oder diese
Entdeckungsreisenden die offene Rhede zu einem kurzen
Aufenthalte wählten; aber für erstere bot der ausgedehnte
Urwald mächtiger Sequoien, der Mammuthbäume Californiens,
welcher längs der Küste und, so weit das Auge reichte, nach
dem Innern zu einem allmälig ansteigenden Waldgebirge sich
erhob und welcher die verborgenen goldenen Schätze des
Binnenlandes nicht ahnen liess, keine Anziehungskraft, noch
sahen sie dort jene ausgedehnten Grasfluren, welche dem
arbeitsscheuen Südländer Gelegenheit zu der so gerne von
ihm betriebenen mühelosen, halbwilden Viehzucht bieten
konnte, und auch der Entdecker bemerkte an der steil abfallenden,
 vom Meere aus gut übersehbaren Küste keine besonders
 in die Augen fallenden Punkte, wie grosse Flussmündungen
 oder Meereseinfahrten, welche ihn zu näherer
Jntersuchung und längerem Aufenthalte bewogen hätten.
Fuhr je einmal ein Schiff in die einsame Rhede ein, sc
mögen die furchtsamen, abergläubischen Eingeborenen sich
dann wohl, wie man es oft in Reisebeschreibungen der ersten
Entdecker zu lesen bekommt, aus ihren Hütten in das Dickicht
des nahen Waldes geflüchtet haben, und das fremde Aussehen
 etwa Gelandeter, zumal wenn sie den Wildreichthum
zu einem Jagdausfluge benützten und das Krachen eines
Schiessgewehres, das zum ersten Male in dem feierlich stillen
Walddome der majestätischen Sequoien, dieser unübertroffenen
Riesen der Pflanzenwelt, wiederhallte, dürfte sie noch mehr
verscheucht haben, so dass ein Verkehr mit den Weissen
nicht stattfand; wenigstens zeigte sich weder in Erzählungen
noch an irgend welchem ihrer Geräthe eine Spur eines solchen,
wie auch die grosse Entfernung der früheren europäischen
Niederlassungen, der Mangel an Verkehr unter den vielen
kleinen Indianerstämmen, noch erhöht durch die Unwegsamkeit
des Landes und die feindselige Haltung der Stämme untereinander,
 es erklärt, dass die geschätzten und ihnen sehr
brauchbaren europäischen Praoducte damals nicht bis zu ihnen
gelangten,
Den weit in’s Meer vorspringenden Felsberg, welcher die
Rhede bildet, verbindet ein schmaler Isthmus mit dem Fest:
lande, auf welchem sozusagen über Nacht das Küstenstädtchen
Trinidad im Jahre 1850—1851 erbaut worden war, von dem
die Verproviantirung der Minendistricte des Innern ausging
Ein mehr oder minder steiler, theilweise felsiger Hang bildet
das Küstengelände: auf einer kleinen Terrasse desselben

unterhalb des Südendes der Stadt, .befand sich das Dörfchen
ler Zoreisch-Indianer, dessen 6—8 Hütten je 10—12 m lang,
etwas weniger breit und unregelmässig gruppirt beisammen
lagen. Ueber einige Hütten breitete ein riesiger wilder Lorbeervaum
 von sonderbarem Wuchse (indem sein früher einmal
ımgestürzter Stamm wie eine grosse, über der Erde liegende
Wurzel sich weithin erstreckte) seine grossen, schattigen
Aeste mit saftigem, dunkelgrünem Laube aus. Unter ihm
antströmte dem Schiefergesteine eine reichliche Quelle und
versah die Ansiedlung in bequemer Nähe mit diesem Lebens-3lemente;
 um sein Wasser besser fassen zu können, war das
<leine Jlettige Rinnsal zu kleinen Beckchen abgedämmt.
Zwischen den Hütten, welche etwas weiter voneinander
ijegen, namentlich aber aussen um die Ansiedlung herumlagen,
ırhoben sich wallartige Anschüttungen von Muschelschalen,
ıauptsächlich der bis spannenlangen Miesmuschel, wahre
{Jökkenmöddinger; diese Muschelhaufen, deren Grösse auf ein
bedeutendes Alter der Ansiedlung hinweist, sind sowie die
nächste Umgebung mit grossen Brennnesseln bewachsen, welche
weiterhin dem fast mannshohen Feldfarnkraute Platz machen.

2, Die Zoreisch-Indianer waren von mittlerer, eher noch
zeringerer Körpergrösse (etwa 160—165 cm); wie meist überall,
waren die Frauen etwas kleiner, von gut proportionirtem Bau,
neist schlank und breitschulterig, mit kleinen Händen und
Tüssen, Die Gesichtszüge trugen den allgemeinen Indianertypus:
Stwas hervorstehende Backenknochen, rundliches, eher breites
iesicht, wohlgeformte, bei Manchen selbst römische Nase,
loch meist etwas breite, abstehende Nasenflügel, dunkle
Augen‘ und üppiges, schwarzes, schlichtes Haar. Beide
jeschlechter trugen dasselbe meist offen im Scheitel ge-:heilt
 und nach rückwärts frei herabhängend. Oefters,
namentlich auf der Jagd und bei sonstigen Beschäftigungen,
vobei das vorfallende Haar hinderlich sein konnte, wurde
28 nach Art der alten Germanen rückwärts in einen Schopf
zusammengebunden oder durch ein Stirnband festgehalten;
lie Weiber trugen es auch manchmal an beiden Seiten in
Zöpfe geflochten, die sie vorne über die Schultern herabıängen
 liessen. Wie bei allen wilden Völkern, fehlten auch bei
hnen die Bewohner des Kopfhaares nicht und namentlich
lie Frauen verlegten sich eifrig auf die Jagd nach denselben ;
die Beute wurde dann einfach verspeist.
Die Hautfarbe war ein verschieden dunkel schattirtes
Röthlichbraun, am besten durch die Bezeichnung „kupferfarbig“
 wiedergegeben; manche Mädchen und Jünglinge konnten
nach europäischen Begriffen für schön gelten; doch alterten
arstere ziemlich rasch und bekamen nach den ersten Kindern,
die sie bis zum zweiten oder dritten Jahre und auch noch
länger säugten, Hängebrüste,
Die Männer rissen sich sorgsam jedes keimende Barthaar
 aus, wozu sie sich einer im Schlossgelenke noch zusammenhängenden,
 an. ihren Rändern zu gut packenden
Flächen abgeschliffenen Miesmuschel als Zange bedienten.
Nur einmal war ein uralter Indianer eines benachbarten
Stammes zu sehen, der einen schütteren, verkümmerten,
grauen Kinnbart trug, während sein Haupthaar noch kräftig
ınd schwarz war
            
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