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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 13=23.1893

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kurzen, schnellen Schritten. In der Gesichtsbildung
herrscht eine grosse Verschiedenheit; immer haben
sie aber markirte Backenknochen, breiten Mund.
dunkle Augen, längliche Nase, mitunter breite Nasen-Aügel.
 Bei den Frauen findet sich Neigung zuı
Corpulenz, woran der viele Genuss von Fisch- und
Seehundsfett schuld sein mag. Die dichten, schwarzen,
weit in die Stirne hereinwachsenden, nicht geschmeidigen
 Haare tragen die Männer halblang, mit
einem Schnürchen über die Stirne gehalten, die
Frauen in Doppelzöpfen. (Siehe Anhang 2.)
Im Sommer gehen die männlichen Indianer entweder
 ganz nackt in ihren Niederlassungen herum,
oder sind nur mit einem leichten Felle um die
Lenden bekleidet; im Winter sind sie in Felle vom
Hirsch, Tiger (amerikanischer Löwe) und Reh gehüllt,
 stets den Köcher, Bogen und ein langes, zweischneidiges
 Messer an einer Handschnur mit sich
führend. Auf dem, Kopfe haben beide Geschlechter
kleine, runde, in zierlichen Mustern aus Gras geflochtene
 Käppchen. Dieselben werden von Männern
auf der Jagd, im Kriege oder sonst bei ernsteren
Gelegenheiten nicht getragen. In neuerer Zeit lernten
sie den Gebrauch europäischer Kleidung, tragen vielfach
 Hemden, Hosen, Hüte und oft sogar Fussbekleidung.

Bei festlichen Gelegenheiten tragen die bedeutenderen
 Männer einen weissen Gürtel von Seehundsfell,
 worauf sie die rothen Schöpfe der Schwarzspechte
 nähen und verschiedene Verzierungen von
anderen Thieren anbringen; in die Kopfschnur
stecken sie dann auch Federn von Falken, Rothspechten
 und den aus dem Flaume des Silberreihers
bestehenden, gerade aufrecht stehenden Federschmuck
 etc. Gesicht, Arme und Brust bemalen sie
mit Zinnober sowie mit weisser oder blauer Farbe
Die Frauen tragen um die Lenden immer einen
weichen, bis an die Kniee reichenden Lederrock.
dessen unteres Ende in lange, schmale Streifen
geschnitten ist, an welche sie Zierrathen hängen:
über den Oberleib hängen sie oft ein leichtes Fell.
oben zusammengeheftet, manche sehr kunstvoll aus
vielen kleinen Bälgen von Eichhörnchen, Erdmäusen
u. A, zusammengenäht.
Statt der Felle benützen jetzt beide Geschlechter
häufig amerikanische Wolldecken. Zierrathen haben
sie am Kopfe nicht, dagegen aber reiche, lange Halsgehänge,
 daran auch ein flaches Beinstück, womit
sich die Schönen den Schweiss vom Gesichte streifen.
Am Armgelenke und an den Füssen tragen sie Ringe

aus dickem Messingdraht oder geflochtene Schnüre
mit Glasperlen. Kleine Glöckchen oder angehängte
Fingerhüte (gelb messingene, aber nicht weissgesottene)
 benützen sie in Form von Anhängseln als
Zierde um den Hals oder an den Rockstreifen; auch
schmücken sie die Kinder mit denselben. Als Tauschmittel
 besitzen sie 1—2 Zoll lange, hohle, weisse
Muscheln, welche von der Nordküste Oregons stammen,
 in der Form eines Miniatur-Elephantenzahnes
(Dentalium), die sie an Schnüre reihen und um den
Hals legen. Der Werth dieser Stücke richtet sich
nach der Länge der Muschel; so gilt etwa ein Stück
von wenigstens 2 Zoll Länge einen Dollar. Im ganzen
Küstenstriche vom russischen Territorium bis San
Francisco cursirt dieses Tauschmittel und wird daher
als überall von Indianern acceptirtes Geldsurrogat
von den weissen Kaufleuten sehr gesucht.
Die Knaben gehen im Sommer ohne Bekleidung,
im Winter mit kleinen Fellen bedeckt; die Mädchen
tragen vom zweiten Jahre an Leibröckchen, Die Gesichter
 tätowiren sie schon den Kindern, und zwar
Irei breite Streifen vom Munde abwärts zum Kinn
mit blauer Farbe. Anführer zeichnen Schlangen u. dgl.
auf beide Seiten der Brust, auf die Arme etc. (Siehe
Anhang 3.)
Mit allen Dingen geht es in Amerika sehr schnell,
auch mit der Entwerthung anfänglich sehr hoch geschätzter
 Indianer-Tauschgegenstände und daran is!
die verschwenderische Art und Weise der Weissen
Ursache. Man hielt diese wenig kostspieligen Artikel
nicht hoch und der Indianer ist schlau genug, durch
gehörte Aeusserungen und im Handel sich selbst bald
von dem geringen materiellen Werthe derselben zu
überzeugen. Kleine Glasperlen, rothe oder weisse, von
der Grösse kleiner Schrote, waren 1850 so hoch im
Werthe, dass man für etwa einen Esslöffel voll gerne
einige Salme, etliche Pfeile oder Dinge im Werthe
von etwa einem Dollar eintauschen konnte. Für eine
Salmangel bekam man willig einen circa 15pfündigen
Lachs oder für vier Stück einen Dollar. Ein Stück
Messingdraht von einer Spanne Länge zu einem Armringe
 kostete 1—1*/, Dollar, Fingerhüte per Stück
U/,, Dollar; ganz kleine Glöckchen drei Stück einen
Dollar. Gleich gesucht waren Nadeln, Faden, Scheeren,
Messer, kleine Spiegel, . Zinnober für Schminke;
aber jeder neue Artikel war bald überführt und im
Werthe auf fast nichts in ihren Augen gesunken.
Alte Schmiedefeilen, die sie zu langen zweischneidigen
Messern zuschmieden liessen, auch kleine Sägefeilen.
zleine Handäxte, Wolldecken, seidene bunte Taschen-
            
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