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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 12=22.1892

Entwicklungsformen des alten Urbildes eine symbolische
 Bedeutung gehabt haben müssen. Sie
symbolisiren, sie treten an die Stelle ihres Urbildes,
Sie sind mit anderen Worten als eine Art mystischer
 Schrift aufzufassen, die durch stete Wiederholung
 eines oder mehrerer ornamentalen Elemente
diejenige Gottheit in’s Gedächtniss bringt, deren
Dienst der mit den mystischen Zeichen gezierte
Gegenstand irgendwie gewidmet war.
Es ist nicht das erstemal, dass ich diesen, Vielen
vielleicht gewagt erscheinenden Satz aufstelle. Zum
arstenmale geschah dies in einem Vortrage in
ler „Soci6t& des sciences naturelles de Neuchätel“
am 21. April 1881, gleich nach den wichtigen
Funden in den Museen zu München und Basel. In
dem ziemlich ausführlichen Referat über diese Erörterung
 ist eben leider gerade dieser Punkt gänzich
 missverstanden !). Ueber meinen Vortrag in
der General- Versammlung der schwedischen Anthropologischen
 Gesellschaft vom 24. April 1882, in
welchem ich dieselbe Frage ausführlicher behandelte,
erschien kein Referat. Noch einmal bildete dieselbe
 Frage den Gegenstand meines Vortrages „Sur
V’art ornementaire des peuples americains“ auf dem
fünften Amerikanisten-Congresse in Kopenhagen am
24. August 1883. Ich erlaube mir, aus dem 1884
gedruckten Compte rendu des genannten Congresses
Folgendes anzuführen: (pag. 322 ff.) ... „M. Stolpe
fournit un autre exemple, en appelant l’attention
sur les ornements lingaires bien connus, grav6s pour
fournir des ex-voto sur les manches des cogndes
en pierre de Vile de Mangaia (groupe Herveien), ces
ornements devant, comme [le prouvent] les gravures
qui se trouvent sur un grand puisoir dans le
mus6e de Bäle, pour la plupart ötre regard&s comme
des figures transformees d’&tres humains ou plutöt
d’ätres divins.“?) Ich habe diesen Satz des Referates
‘) Bulletin de la Societö des sciences naturelles de Neuchätel.
 1881. Taf. XII, pag. 306—309.
3) Eine andere Erklärung der Hervey - Ornamentik ist
zor Kurzem in Amerika versucht worden. Nach dieser
würden die Ornamente auf den Stielen der Hervey - Aexte
nichts weiter sein, als eine einfache Nachbildung der kunstgerechten
 Umwicklung mit einer feinen Flechte von Cocos-’asern,
 mittelst welcher die Steinaxt an den Stiel befestigt
wurde. — W. H. Hosmss, A study of the textile art in its
relation to the development of form and ornament. Sixth
annual Report of the Bureau of Ethnology, 1884—1885,
Washington 1888, pag. 189—252 (vide pag. 249, 250). Dieses
Daradoxon steht neben der sonst vortrefflichen Behandlung
ornamentaler Fragen seitens des Verfassers wie ein Curiosum,
Jas keine besondere Widerlegung erfordern dürfte.

ıler angeführt, um zu zeigen, welche vollkommene
Tebereinstimmung zwischen meiner damaligen Auf-‘assung
 der Frage und der überraschenden an Ort
ınd Stelle gefundenen Bestätigung derselben herrscht,
lie Mr. WyaAtr GmrL einige Jahre später (1885) in
seinen „Jottings from the Pacific“ ausspricht. Mr.
irn hat 22 Jahre als Missionar auf den Hervey-“nseln
 gelebt, und was wir überhaupt von den
'eligiösen Vorstellungen ihrer Bewohner wissen,
ı1aben wir ihm allein zu verdanken. Sein Zeugniss
st so wichtig, dass ich es hier ausführlich mit-‘heilen
 muss. Es heisst da unter der Rubrik
‚Stone Adzes in the Pacific“ wie folgt‘): The adzes
»f the Hervey Islanders are frequently hafted with
3arved pua wood. The carving, which is often adnirable,
 was formerly executed with sharks’ teeth
ınd was primarily intended for the adorning of
‘heir gods. The fine pointed pattern is known as
‚the sharks’ teeth pattern“ (nio mango). Other
igures are each supposed, by a stretch of imagi-‚ation,
 ‚to represent a man squatting down (tikitiki
angata). Some patterns are of recent introduction,
ınd, being mere imitations of European designs, are
lestitute of the significations which invariably
ıttached to anecient Polynesian carving. The large
‚quare holes are known as „eelborings“ (ai tuna);
he lateral openings are naturally enough called
‚clefts“ (kavava). To carve was the employment
ȣ sacred men. The national gods of Mangaia,
with one exception, were carved in ironwood
»y one man, Rori, who was believed to have
jeen specially assisted by the gods for the purjose.
 The idols were called „carvings“ (#iki in the
Tervey group, tü in the Tahitian and Society
zroups).“
Recapituliren wir das oben Angeführte, so geht
Jaraus hauptsächlich Folgendes hervor:
1) Wrarı GL, a. a. O., pag. 223. Dasselbe Citat führt
JıeLi0L1 an in seinen „Notes on a remarquable and very
zeautiful Ceremonial Stone Adze from Kapsu, New Ireland“,
nternationales Archiv für Ethnographie 1890, pag. 182, inlem
 er versucht, die Erklärungen Gını’s auf die äusserst
;»hantastischen, aber doch mit ziemlich naturalistischen
KXenschen- und Thierbildern geschmückten Axtstiele von
Jeu-Irland anzuwenden. Dass auch diese Aexte und die
»hantastischen Sculpturen von Neu-Irland und Neu-Britanaien
 überhaupt eine religiöse Bedeutung haben, ist wohl
nehr als wahrscheinlich. Eine Aehnlichkeit mit den Mangaia-\exten
 ist jedoch nicht vorhanden, und ausserdem stammen
jje aus zwei ganz verschiedenen Culturkreisen, Die Neu-'rländischen
 Verhältnisse erfordern deshalb eine eigene
‚pecielle Untersuchung.
            
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