sonders von den Franzosen, nach ihm benannt werden.
Die grösste derselben ist die bergige, pittoreske Insel
Rarotonga; sie ist vulkanischen Ursprunges. Danach
kommen Mangaia (S. O. davon) nebst Atiu
(Katutia), Mauki, Mitiaro, Manuai und Aitutaki,
N. O0. und N. von Rarotonga, alle, mit Ausnahme
der Atolle Manuai, erhöhte Koralleninseln. Eine
achte, Palmerston-Island, weit nach N. W. ist bewohnt
gewesen, war aber schon bei der Entdeckung
(1774) verlassen. Die neunte, Takutia, ist unbewohnt.
Die Bewohner dieser Inselgruppe gleichen der Bevölkerung
von Tahiti. Sie sprechen einen Dialect,
welcher zwischen dem tahitischen und dem Maori-Dialect
liegt.
Nach Traditionen, welche sich bei einer Familie
auf Rarotonga erhalten haben, scheint die Einwanderung
von Samoa ausgegangen zu sein, und ähnliche
Traditionen trifft man auf Mangaia. Aber auch
von Tahiti haben Einwanderungen stattgefunden,
wahrscheinlich zu einer Zeit, als sowohl die Hervey-Inseln
als Tahiti Raiatea, als der heiligsten unter den
Gesellschaftsinseln, unterworfen waren. Die Hervey-Gruppe
scheint ihrerseits den Tubuai- oder Austral-Inseln
Colonisten geliefert zu haben. (Bewohnt sind
von letzteren Rimatara, Rurutu, Tubuai, Raivavai
und die am weitesten nach Süden gelegene Oparo
oder Kapa iti). Die Aehnlichkeit in der Cultur dieser
beiden Inselgruppen erstreckt sich auf die Ornamentik
und auf die Formen der Geräthe. Von der
sinheimischen Ornamentik Tahitis und der dazu
gehörenden Inseln hat sich merkwürdigerweise wenig
erhalten *). Aber die Erzeugnisse der Hervey-Gruppe
scheinen eine so ausgedehnte Verbreitung über die
Tahiti-Gruppe gehabt zu haben, dass beide mit Fug
und Recht als eine ornamentale Provinz betrachtet
werden dürfen.
Von mehreren Schriftstellern wird besonders
Mangaia als der Ort genannt, wo die reich mit
Schnitzwerk verzierten Axtstiele und die paddelförmigen
Geräthe etc. angefertigt werden, deren
Ornamente den Stoff für vorliegende Abhandlung
bilden. Es scheint, als ob die Hervey-Insulaner durchschnittlich
energischer und in industrieller Beziehung
1) Ich besitze in meiner Sammlung eine höchst merkwürdige
Copie einer Lanze von Tahiti, welche einen Ansatz
zu einer abweichenden Ornamentik zeigt. Ich habe die Copie
an Ort und Stelle angefertigt und die dort erhaltene Auskunft
über ihren Ursprung ist durchaus authentisch, Ich erwarte
indessen noch weitere Nachrichten, bevor ich die
yefundene Spur weiter verfolge.
ınternehmender, vielleicht weniger demoralisirt gevesen
sind, als die verweichlichten Tahitier. Ihre
zrosse Bildungsfähigkeit haben sie übrigens dadurch
jewiesen, dass sie überraschend schnell und vieleicht
in höherem Grade als irgend ein anderes Volk
les südlichen und mittleren Polynesiens sich die
uropäische Civilisation angeeignet haben.
In religiöser Beziehung standen die Hervey-Insuaner
und die Tahitier einander sehr nahe. Das
cönnte auch die Verbreitung gewisser Gegenstände
>rklären, die mit religiösen Ornamenten geschmückt
ınd, muthmasslich für religiöse Handlungen bestimmt,
nsofern man zahlreichen Angaben über ihre Herzunft
in verschiedenen Museen trauen darf, von den
Tervey-Inseln nach Tahiti geführt zu sein scheinen.
Dass die im Folgenden näher zu schildernde
)rnamentik, wie wir nachstehend darlegen werden,
n religiösen Vorstellungen wurzelt, ist ausser Zweifel.
Ss ist freilich sowohl in der Archäologie als in der
\thnologie viel Unfug damit getrieben, dass man
\lem, was man nicht anders zu erklären wusste,
»änen religiösen Hintergrund gab. Allein, wenn jenals,
so ist diese Auffassung auf dem polynesisch-;:thnographischen
Gebiete berechtigt, wo das ganze
‚eben der Menschen dergestalt mit religiösen Vor-‚:tellungen
durchwebt ist, dass es schwerer fallen
lürfte, nachzuweisen, wo die Religion nicht mit
ılneinspielt, als das Gegentheil. Es gibt kaum eine in
ınseren Augen noch so profane Handlung, die nicht
ınter dem Schutze einer besonderen Gottheit steht %).
n allen Dingen, selbst in solchen, die von Menschenı1and
gemacht waren, wohnte ein Gott oder der
xegenstand selbst war ein Gott. Kein Wunder also,
lass wir in der Ausschmückung der Dinge eine auszeprägte
Symbolik finden.
Zu einem richtigen Verständnisse der Ornamentik
st deshalb eine kurze Darstellung der wichtigsten
Züge der Götterlehre unumgänglich, wenigstens
ım zu zeigen, welchen Platz die für unsere Frage
vichtigsten Gottheiten in dem polynesischen Pan-’heon
einnehmen, Es ist keine leichte Sache, die
sich öfters geradezu widersprechenden Angaben in
Zinklang zu bringen. Nicht nur, dass die Tradi-;‚ionen
auf den verschiedenen Inseln von einander
ı) Warrz-GerLanD, Anthropologie der Naturvölker. VI,
ag. 297, 8. Hier lässt sich hinzufügen, dass auf den Hawaii-Inseln
das Klopfen der Tapa unter dem Schutze Hinas, der
Mondgöttin, stand. Derselbe Mythus scheint auf den Hervey-Inseln
bekannt zu sein, Cır., Myths and Songs from the
Youth Pacific, pag. 45-47. (The woman and the moon.)