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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 12=22.1892

[901

Die Route von 1892 zerfällt nach den Haustypen
and auch geographisch in folgende charakteristisch verschiedene
 Theilstrecken:
I. Salzburg-Lofer-Kitzbüchel-Wörgl, Unterinnthal
 bis Innsbruck; 10 Märsche vom 27, Juni
bis 6. Juli. Dort herrscht unbedingt das vom Verfasser
am Achensee, am Mondsee und auf der Vereinsexcursion
von 1892 am Mattsee beobachtete Einheitshaus.
An Besonderheiten wurden erwähnt: Todtenbretter im
Salzburgischen, Brechelstuben, abgetrennte Getreidetennen
 in Osttirol; Bretterüberzüge zum Schutze der
kostspieligen Blockwände an Wohn- und Feldstallgebäuden
 bei Kitzbüchel; eine edle Ausbildung des
Holzstiles zwischen Sanct Johann in Tirol und Wörgl.
Die Bewohner sind körperlich und geistig wohlentwickelte
 Bajuvaren.

II. Der obere Inn: Zierl-Landeck-Nauders;
dann Reschenscheideck-Stilfserjoch-Bormio;
10 Märsche vom 7. bis 16. Juli. Dort herrscht ein,
grösstentheils vermauerter Stil, welcher vom Verfasser
1891 mit „Zierler Technik“ benannt und nun
wieder bis Bormio beobachtet worden ist. Das Einneitshaus
 bricht sich in seine, regellos neben einander
gestellten Elemente, den Wohnstock und die Stallscheuer
 mit Tenne. Es wird auf eine gewisse Verwandtschaft
 mit den Bauten der romanischen Dörfer
zwischen Chur und Splügen hingewiesen. An Besonderheiten
 wurden erwähnt: Hübsch gezimmerte Balken an
der Stützvorrichtung des vorragenden Pfettendachs;
seltsame fassförmige Oefen, mit Kacheln gespickt;
schwalbennestförmige Backofenhintertheile, welche aus
den Häusern in’s Freie hinausragen, oft im Obergeschoss;
schiessschartenartige Fensterhacken, welche auch im
comanischen Theile Graubündtens zu finden sind.
Die Bewohner sind eigenartig, mehr den Wälschen
Graubündtens als den Unterinnthalern gleichend.
HL Oberitalienische und südtirolische
Alpenthäler. a) Bormio-Tirano-Edolo-Val del Sole-Val
 di Non -Trient; db) Trient-Sarca- Giudicarien bis
Storo, nördlich des Idrosees; c) Val Ampola und Lago
di Ledro-Riva; d) Riva-Rovereto; e) Rovereto-Piano
delle fugazze (Thalschluss der Valarsa-) Schio bei Vicenza.
 Vom 19. Juli bis 8. August 16 Tage Marsch,
d Tage Rast. Dort wurde das sogenannte „italienische
 Haus“ beobachtet, der von Geheimrath v, MEITZEN
aufgestellte Begriff der „städtischen Formen“ bestätigt,
aber schärfer umschrieben und es wurden die Reste
ehemals allgemeiner Strohdachtypen sichergestellt.
 Das italienische Ziegeldach ist in
Südtirol jung. Sein fast allgemeiner Gebrauch
 hat sich erst in unserem Jahrhunderte
 eingebürgert.
Die Bewohner sind „Italiener“, aber an Orts- und
Familiennamen sowie im Aeusseren der Leute zeigt
sich in mehreren Thälern unverkennbar germanische
Mischung.
IV. Die bajuvarischen Sette Communi
‘Asiago) der Provinz Vicenza. Der Vortragende

ıat dieselben 1890 und 1892 besucht; er hatte dort
zuerst eine eigene Typeninsel vermuthet, aber nichts ver-;ffentlicht,
 weil er seiner Sache nicht sicher war. Jetzt,
ı1achdem die ‚dortigen Bauten im Anschluss an die
ı)enachbarten Gebiete beobachtet wurden, hat sich der
Zindruck abgeschwächt. Die Häuser sind durch Ueberölkerung
 und italienischen Einfluss grossentheils
„städtisch“ geworden. Nur das „Halbwalmdach“,
welches beim Volk so wie in Oberösterreich „Schopflach“
 heisst oder hiess, ist eigenartig.

V. Dasoberitalienische Tiefland., Während
ner vierwöchentlichen Rast in Padua, Chioggia, Venedig
‘‚ussin grande (südöstlich von Pola, Quarneroinsel)
connte zufällig ein ganz neuer, übrigens von VirRCcHOW
‚890 beim Vorüberfahren bemerkter Strohdachtypus,
lie oberitalienische Bauernhütte, gezeichnet
ınd beobachtet werden.
Während alle, auch 1892 bemerkten zahlreichen
Tarianten nach BANCcCALARI’S Urtheil dem sogenannten
oberdeutschen“ Haustypus, welcher bekanntlich
ılle Häuser charakterisirt, in welchen jetzt Franken,
Alemannen und Bajuvaren wohnen, welcher aber auch
N slavische, magyarische und norddeutsche Gebiete
ılnausgreift, unbedingt zugesprochen werden müssen,
veiss dieser Forscher mit der oberitalienischen Strohıütte,
 welche indess auch auf Bildern venetianischer
‘Taler um circa 1500 vorkommt, nichts anzufangen,
Diese einst vorherrschenden, jetzt noch immer zahl-‚eichen
 Hütten heissen „Casoni“, während das solide,
zemauerte, ziegelgedeckte Bauernhaus „Caseina“ heisst.
Der Vortragende ladet ein, diesen interessanten Typus
1ach Vorkommen (geographischer Vertheilung) und
Jebergangsformen ehestens zu erforschen, weil erst dann
iiber denselben abgeurtheilt werden kann.

VI. Heimmarsch durch Innerösterreich
ron Adelsberg bis Aussee, vom 14. bis 29. Sepember;
 15 Marschtage, Eine „italienische Typeninsel“
ei Wippach, wohin der Typus aus dem Isonzothale
ıusgekrochen, wird erwähnt; dann aber ein abnorm
ıohes, steiles Dach bei Präwald, Idria, und im übrigen
‚ine unglaubliche Constanz des inneröster-’eichischen
 Typus in Krain, Kärnten und
Steiermark nachgewiesen, Sehr merkwürdig ist
ler Umstand, dase das Flachdach Tirol ostwärts nicht
rerlässt und im Lungau nur ein kleines Stück ostvärts
 rückt, während doch das Schopfdach im Pusterthal
weit westwärts dringt und dass im oberen Ennsthale, östich
 von Radstadt, ebenfalls das Flachdach nicht mehr
rorkommt. Oberst BANCALARI meint, vielleicht das
Jolonistenhaus der, vom X. Jahrhunderte an, die danaligen
 Slavenländer Obersteiermark, Kärnten und
Xrain besiedelnden Deutschen im innerösterreichischen
Typus erkennen zu sollen,

3. Durch die freundliche Vermittlung des Herrn
x, u. k. Generalconsuls Joser HAAs in Shanghai erhalten
wir folgende, von Herrn Prof. Dr. Friedrich Hirth aus
lem Chinesischen übersetzten
            
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