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Schädel die ‚höheren (Durchschnittszahl der Indices
75:55), nämlich hypsicephal, sind im Vergleich zu den
männlichen (Index 74:52). Das Gleiche lehrt die Vertheilung
in Serien.
Da allen Schädeln der Unterkiefer fehlte, mass ich
blos die Höhe des Obergesichtes und die bizygomatische
Breite und berechnete aus diesen Maassen einen Index
(nach KoLnMmAann). Dieser Index betrug im Mittel bei
den männlichen Schädeln 52:03, bei den weiblichen
50:81, bei allen zusammen 51°91. Die Schädel sind
daher nach KoLrMmAnn’s Nomenclatur (vgl, die Frankfurter
Verständigung) leptoprosop. Die entsprechende
Serie weist aber einen bedeutenden Intervall im Variiren
des Index auf.
Dem Nasenindex nach sind die Schädel mesorhin
(bei Männern 49:52, bei Weibern 49:21; das Mittel
für alle 49:52) sowohl im Mittel als auch nach dem
Culminationspunkt der entsprechenden Serie.
Nach dem Orbitalindex erscheinen die Schädel
hypsikonch. Der mittlere Index ist bei den männlichen
Schädeln 8400, bei den weiblichen 8614, im Durchschnitt
bei allen (mit Inbegriff der Schädel von nicht
sichergestelltem Geschlecht) 86°37. Einen Index über
85 traf ich bei 47°, einen Index über 90 bei 23°.
Abgesehen von den kraniometrischen Charakteren beobachtete
ich an den Schädeln eine bedeutende Verwölbung
der temporoparietalen Regionen in der Norma facialis,
weiters die tiefgelagerte Insertion der Nasenwurzel an
den männlichen Schädeln und ein zahlreiches Vorkommen
der pränasalen Gruben.
Wie aus dem Angeführten ersichtlich ist, weichen
diese Resultate in vielen Hinsichten von einigen älteren
Angaben ab. Insbesondere weisen diese Schädel das
Gegentheil von dem auf, womit im Jahre 1884 Prof
Dr. E. ZUCKERKANDL die böhmischen Schädel im All
gemeinen charakterisirte, wenn er unter ihren Eigenschaften
auch enge, gedrungene Augenhöhlen und eine
kurze, breite Nasenöffnung anführte *). Denn die Senftenberger
Schädel sind mesorhin und hypsikonch. Und
doch ist die dortige Bevölkerung ganz böhmisch. Auch
die ältere Angabe, betreffend die Chamaecephalie, konnte
hier nicht bestätigt werden.
Wohl aber glaube ich, dass man wahrscheinlich
in verschiedenen Gegenden Böhmens auch verschiedene
Schädeltypen finden wird und bin also weit entfernt,
diese Charakteristik der Senftenberger Schädel ähnlich
den älteren Versuchen auf alle böhmischen Schädel
überhaupt auszudehnen *).
Auch bin ich geneigt, anzunehmen, dass wir in den
jetzt deutschen Gegenden Böhmens im Vergleich mit
den böhmischen — freilich nur bei Durchmusterung
1) Mittheilungen der Wiener Anthropologischen Gesellschaft.
Bd. XIV, 5. 125,
2) Im September dieses Jahres kam ich zufälligerweise
in ein kleines walachisches Dorf Tichä im östlichen Mähren,
wo ich in der alten Kirche hinter dem Altar einen Haufen
von menschlichen Knochen fand. An 18 Schädeln unternahm
ich gleich das Messen. Resultate sind noch nicht bearbeitet,
scheinen aber einige interessante Details vorzuweisen, So z, B.
die häufigere dolichoide Form besonders bei den männlichen
Schädeln. dessen mittlere Längenbreitenindex auf 82 sinkt
83]
jiner grösseren Schädelreihe —- Differenzen in den
<raniologischen Merkmalen finden werden; denn in jenen
leutschen Gegenden werden sicherlich die somatischen
Zigenthümlichkeiten der Colonisten aus dem nördlichen
Deutschland nicht ohne Einfluss geblieben sein. So hat
sich ja auch eine Differenz in der Verbreitung der
»%londen Complexion gegenüber der brünetten sicherstellen
lassen.
Die bisherigen Messungen, die von Herrn Dr. MATIEGKA
ın den Schulkindern in Lobositz und von mir an jenen
ron Neu-Paka und Pouchow (bei Königgrätz) gemacht
xorden sind, haben in dieser Richtung nichts Positives
argeben: an beiden Orten sind die Kinder fast gleich
;tark brachycephal. Nur wenn man die Lobositzer
Xinder nach der vermuthlichen Herkunft (freilich etwas
ınsicher dem Namen nach) in böhmische und deutsche
‚heilt, sieht man, dass sich die letzteren etwas mehr
ın den niedrigen Indexzahlen betheiligen als jene.
Jafür ergaben diese Messungen wiederum, dass bei
ıns die Kinder eine stärkere Brachycephalie besitzen
als die Erwachsenen.
In einem Anhang gebe ich eine vorläufige kurze
Zeschreibung eines Cretinschädels, wie ich deren unter
len Schädeln des Beinhauses mehrere beobachtete. Die
jegend von Senftenberg gehört ja zu denen in Böhmen,
wo Cretinismus verhältnissmässig häufiger auftritt.
6. Für die Bibliothek sind als Geschenke eingelaufen:
"örök, Dr. Aurel v.: Ueber die heutige Schädellehre.
"Aus der internationalen Monatsschrift f. Anat. u. Phys. 1892.
Bd. 1X. Heft 3.] 18 ®. ;
3rinton, Daniel G.: Anthropology: as a science and as
a branch of University education in the United States,
Philadelphia 1892. 16 8.
“arker, Wm. Thornton: Concerning American Indian
Womanhood, — An Ethnological Study. [Reprinted from
Annals of Gynaecology and Paediatry, March, 1892.] 12 8.
Mit. 2 Tafeln.
„si, P.: Contributi all’ archeologia preellenica Sieula,
>arma 1891. [Estratto dal Bullettino di paletnologia italiano,
Anno XV, No 9a 1le 12, 1889.] Mit 3 Tafeln. 6458. [p. 158
bis 231; tav. IV, VI. VIL]
Moscou: Bulletin de la Societe imperiale des Natnralistes
de Moscou. Publie& sous la R6daction du Prof. Dr. M. Menz-BIER,
Annee 1891, N° 4, (Avec 11 planches). (213—600) + 34
+ 70 S. Moscou 1892,
Vicolaysen, N.: Kunst og handverk fra Norges fortid,
Udgivet af Foreningen til Norske fortidsmindesmerkers
Bevaring. Tiende hefte. (Pl. LXXII— LXXTX). Kristiania 1891.
IV + (29—30) 8.
Vicolaysen, N.: Hovedo kloster og dets ruiner, Med Titelkort
og 10 plancher, Udgivet af Foreningen til Norske
fortidsmindesmarkers Bevaring. Kristiania 1891. I1+8 S.
Auben: Niederlausitzer Mittheilungen. Zeitschrift der Nieder-'ausitzer
Gesellschaft für Anthropologie und Alterthumszunde.
Herausgegeben im Auftrage des Vorstandes, II. Band,
4, Heft. Guben 1892. S. 275— 330. Mit Taf, 4—6.
Campi, L.: Traceie di una stazione Gallica nell’ alta Val
di Sole, 4 8.
Sarajevo: Glasnik zemaljskog muzeja u Bosni i Hercegovini.
Urednik: Kosra Hörmann vladin savjetnik, Godina IV.
— 1892. — Knjiga I. II. Sarajevo 1892, 204 S. Mit 3 Taf.
3reslau: Schlesiens Vorzeit. V. Vereinsangelegenheiten,
S. 69—104.