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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 12=22.1892

. 157

Heisches angebracht. Der in den Dachboden ziehende
Rauch conservirt das Holzwerk und Deckmaterial,
macht es nach und nach ziemlich feuersicher und
hält das Ungeziefer fern. Rauchfänge kommen dann
vor, wenn im Hintergrunde des Vorhauses ein Herd
der eine eigene Räucherkammer angeordnet ist;
die Rauchschlote sind fast ausschliesslich aus mit
Lehm überzogenem Flechtwerk hergestellt. Bei dieser
Gelegenheit sei erwähnt, dass im Sommer das Kochen
nicht im Wohnhause, sondern in einem seitwärts
stehenden kleinen, meist offenen Bauwerke, der sogenannten
 Coliba (Colibuta), erfolgt.
Die Hauswände werden verschiedenartig errichtet;
im Gebirge und in der Nähe von Wäldern sind sie
im Blockwerksbau, und zwar an den älteren Häusern
aus runden Balken mit vorstehenden Köpfen, in
neueren zumeist aus Halbholz hergestellt; Zwischenwände
 macht man jetzt immer aus Pfosten, Namentlich
die Gebirgsbewohner verwenden eine besondere Sorgfalt
 im Zusammenbau der Wände, An der Unterseite
 arbeiten sie beispielsweise die Rundbalken
concav aus, damit eine gute Verbindung in der
ganzen Länge mit den darunter befindlichen runden
Balken erzielt wird und die Fugen möglichst dicht
schliessen. Zum Schutze der vorstehenden Balkenköpfe
 stellt man wohl auch eine Holzsäule knapp
vor denselben auf. In den breiteren Thälern werden
die Blockwände vielfach aus behauenen Stämmen
hergestellt, in welchem Falle die Balkenköpfe gewöhnlich
 nicht über die Gebäudeflucht vorstehen,
Die untersten, auf Steinen oder einem (aus Lehm
bestehenden, seltener gemauerten) Sockel ruhenden
starken Holzschwellen treten fast immer über die
Fronte vor und tragen starke Pfosten, welche. eine
sich an mehreren Seiten des Hauses herumziehende
Bank bilden. Manchmal wird der Sockel selbst nach
aussen derart verbreitert, dass er die Form einer
Bank erhält (prispa).
Das Dichten der Holzwandfugen erfolgt zumeist
mit Moos, an der Aussenseite unter Zuhilfenahme
von Lehm. Auch um die Fenster herum wird Lehm
zum Dichten der Fugen verwendet, den man mit
Weisskalk übertüncht. Gerne streicht man auch die
vorstehenden Balkenköpfe mit Kalk an. In besseren
und neueren Bauten sind die Holzwände im Innern
ganz mit einem Mörtelverputz überzogen, welcher
durch aufgenagelte Holzleisten oder mittelst Rohr
seinen Halt erlangt.
Eine andere Construction der Wand, welche
1äufig auch in Vorstadthäuschen angewendet wird,

yesteht aus Fachwerk, welches mit gespaltenen, in
(uthen geschobenen, wagrecht liegenden Spalthölzern
Staken) ausgefüllt wird. Darnach versieht man
etztere mit Holznägel, welche den Halt für den auf-‚utragenden
 Lehmverputz und Kalkanstrich bilden.
Sehr häufig werden die Wände geflochten, derart,
lass der Raum zwischen den (oft runden, rohen)
Tolzsäulen mit Flechtwerk ausgefüllt wird. In
icheuern und vielfach auch in Stallungen werden
liese Flechtwände nicht, beziehungsweise nur einseitig
 mit Lehm beworfen, in Wohnhäusern dagegen
yeiderseits und mit möglichster Sorgfalt. Die Flecht-,
‚ehm-, Verputz- und Weissigungsarbeiten besorgt
ast ausschliesslich das Weib. Wo immer es die
Jerhältnisse gestatten, trachtet übrigens der Bauer,
lie Wände des Wohnhauses, der Wärme halber, aus
dolz herzustellen,
Gemauerte Wände kommen bei der eingeborenen
Zevölkerung aus dem angedeuteten Grunde für das
Wohnhaus selten vor. Nur wo guter Baustein, wie
n der Dniestergegend, kostenlos zu haben, das Holz
edoch theuer ist, findet man Mauerwerk, allerdings
ıur für Stallungen und sonstige Wirthschaftsgebäude
sowie für die Umfriedungen, angewendet. In diesen
1ölzlosen Gegenden erhalten indess die Mauern ein
zanz merkwürdiges Aussehen, da sie sonnenseitig
um Trocknen der als Brennmaterial dienenden Ab-'älle
 aus der Rinderstallung benützt werden.
Die mit Verputz überzogenen Wände des. Wohnnauses
 hält der Bauer stets sehr rein und versieht
zie alljährlich mit einem frischen Kalkanstrich. Der
Sockel und die Umrahmung der Thüre, dann die
wenigen und stets kleinen Fenster werden dabei
zrau, oft aber in grellen Farben gestrichen, die
Zänder zuweilen auch mit Ornamenten verziert.
Der Fussboden besteht fast immer nur aus gestampftem
 Lehm; nur der etwaige Gang vor dem
Tause, welcher gleich dem Fussboden erhöht herzestellt
 ist, wird öfter mit Holz belegt.
Wenn wir nun noch im Innern des Hauses, welch’
letzteres meist ohne Zuhilfenahme von Eisen, selbst
ıicht in Form von Nägeln, aufgebaut wurde und
las häufig nur ein hölzernes, mit hölzernem, taschennesserartigem
 Schlüssel zu öffnendes Schloss besitzt,
äin wenig Umschau halten, so finden wir in der
ärsten Wohnstube (chata weleka, casa cea mare)
nit Ausnahme eines Tisches in der südöstlichen
Zimmerecke, dann den sich längs den Wänden herumziehenden
 Bänken, welche an der Hinterwand, wo
je als Lagerstätten dienen, sehr breit gehalten sind
            
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