Typen der landwirthschaftlichen Bauten im Herzogthume
Bukowina,
Aufgenommen und beschrieben von Carl A, Romstorfer,
Architekt und Professor an der k. k. Staatsgewerbeschule in Czernowitz.
(Mit 9 Textseiten-Illustrationen und einer Textfigur.)
Das Studium der ländlichen Bauweise erfreut
sich erst seit einigen Decennien einer allgemeinen
Pflege. In unserem Vaterlande, welches diesbezüglich
wohl als bahnbrechend bezeichnet werden darf.
hatte Jakos v. Fang als Mitglied der k. k. Central-Commission
für Kunst- und historische Denkmale
den Vorschlag gemacht, die typischen Bauernhäuser
Jesterreichs für Zwecke ethnographischer und kunsthistorischer
Forschungen aufzunehmen, während der
k. k. Ministerialrath ARTHUR FREIHERR v. HOHENBRUCK
aus allen Kronländern Pläne der verschiedenen Bauerngehöfte
sammelte, hauptsächlich um auf Grund derselben
Vorschläge von mit den neueren Fortschritten
der Bodencultur und Bautechnik im Einklange stehenden
Verbesserungen im landwirthschaftlichen Bauwesen
machen zu können. Zahlreich sind die mittlerweile
bei uns und in anderen Ländern, vornehmlich
aber in Deutschland über das Bauernhaus erschienenen
wissenschaftlichen Arbeiten, welche ich in einer
besonderen Abhandlung: „Zur Entwicklungsgeschichte
des Bauernhauses“ !) würdigte.
Seitens des k. k. Ackerbauministeriums wurde
aus der heute weit über 300 Nummern umfassenden
Bauplänesammlung des BAron HoHEnzrucK eine Reihe
von 61 Typen unter dem Titel: „Pläne landwirthschaftlicher
Bauten des Kleingrundbesitzes in Oesterreich“
?) herausgegeben. Die Bukowina ist in diesem
Werke durch einen ruthenischen Bauernhof aus
Balkoutz, durch rumänische Gehöfte aus Ober-Wikow
und Kimpolung, sowie durch ein deutsches
Bauernhaus aus Sanct Onufry vertreten.
Die Landesausstellung in Czernowitz vom Jahre
1886 brachte ein rumänisches Bauernhaus aus dem
1) Im „Oesterr. Landw. Wochenblatte“ Nr. 40 und 41,
1891,
2) Gesammelt und erläutert von A, Frsım v. HONENBRUCK;
gezeichnet und autographirt von CArı A, RomstorrFEr. Wien 1878,
Farsy & Frıcx; Paris, A. More, & Comp, — Das auf der
Pariser Weltausstellung vom Jahre 1878 exponirt gewesene
zolorirte Exemplar, welches mit dem „Grand prix“ auszezeichnet
wurde, befindet sich im k, k. Österreichischen
Museum für Kunst und Industrie,
Afittheilungen d. Anthrop. Gesellsch., in Wien. Bd, XXI 1892.
Bezirke Storozynetz sowie ein Huzulenhaus aus
ler WyZnitzer Gegend, über welche Objecte ich
n Nr, 89 der „Wiener Landw. Zeitung“ des geıannten
Jahres berichtete, nachdem bereits in Nr. 39
lieser Zeitung ein kurzer Aufsatz über das Bauernhaus
in Galizien und der Bukowina von mir erıchienen
war.
Gelegentlich der im darauffolgenden Jahre durch
yeiland den Kronprinzen ErzuEerzog Runonr unterı1ommenen
Bereisung der Bukowina, hatte der Landeszusschuss
ein viergliederiges Comite mit der Insceniung
einer ethnographischen Ausstellung in Czernowitz
getraut und fiel mir als Mitglied des erwähnten
Jomites unter Anderem die dankbare Aufgabe zu,
lie charakteristischen Bautypen in den verschiedenen
*egenden unseres Kronlandes aufzunehmen und zu
jeichnen. Es geschah dies durch die nachfolgenden,
vuf 9 Textseiten in entsprechend verkleinertem Mass-;stabe
dargestellten Illustrationen, bei deren Ausührung
ich durch Professor Franz SCHWERTNER unterstützt
wurde.
Im Jahre 1890 endlich habe ich über Ersuchen
ler Commission der Allgemeinen land- und forstwirthschaftlichen
Ausstellung in Wien daselbst ein
'n Berhometh angefertigtes Huzulenhaus aufzestellt
und für die Besucher derselben eine Broıchüre
unter dem Titel veröffentlicht: „Das Bauern-1aus
in der Bukowina“ *). Mit theilweiser Benützung
lieser Schrift wurden die nachstehenden Erläuteungen
zu den Tafeln verfasst,
Die Anthropologische Gesellschaft in
Nien setzte im Vorjahre behufs Förderung der Ethnozraphie
in unserem Vaterlande ein eigenes Comite
xın, welchem es obliegt, das Bauernhaus umfassenden
ınd methodischen Studien zu unterziehen. Mit der
Tderausgabe des vorliegenden Werkchens setzt die
xesellschaft die Reihe der Publicationen über das
3auernhaus fort. Möge diese meine Arbeit, welche
zich über ein abgeschlossenes, selbstständiges Gebiet
erstreckt, den Intentionen der Gesellschaft entı)
Zweite Auflage, Czernowitz 1890.