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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 12=22.1892

‚90

In einem Anhange sind noch die Bogen von Neu-Guinea,
ler Negritos und der Wedda beschrieben,
Wir sprechen die Erwartung aus, dass der geistvolle
Verfasser diese mit so vielem Glück betretene Bahn weiter
verfolgen und uns zu der in Rede stehenden Schrift die unumgänglich
 nothwendige Ergänzung geben möge, auch die
anderen Waffen der besprochenen Völker einer solchen Betrachtung
 za unterziehen, Blos eine solche umfassende Darstellung
 eines nur schwer gesondert zu betrachtenden Gegen-Standes,
 wie es die Bewaffnung des Naturmenschen ist, wird
ans ein klares, übersichtliches Bild geben und vielleicht noch
einige überraschende Analogien und Ergänzungen zu der von
RATZEL SO meisterhaft entworfenen Skizze liefern. Von grossem
Nutzen dürfte in Zukunft bei derartigen Darstellungen die
schon eingangs bereitete kartographische Verarbeitung des
Stoffes sein, die, wie Referent hofft, sich bei Arbeiten dieser
Art in Zukunft immer mehr einbürgern wird. Das wäre die
trefflichste Ergänzung einer sonst so musterhaften Arbeit
zleich einem Schauspiele auf der Bühne gesehen, gegenüber
ler einfachen Lecture desselben. Heger.
26.

Saussure, Henri de, Antiquites mexicaines. I** fascicule.
 Le manuscrit du Cacique. Geneve 1891.
Der Verfasser legt in dieser Publication die Abbildung
einer von. ihm .‚angefertigten Copie eines neuen, bisher noch
unbekannten altmexikanischen Codex vor. Derselbe kam
zum ersten Male im Jahre 1852 in Puebla zum Vorschein
bei Gelegenheit eines Processes, den ein Indianer aus der
Mysteca, dem alten Mixtecapan, einem Theil des heutigen
Staates Oaxaca, hatte. Um seine Rechte nachzuweisen, legte
er denselben seinen anderen Documenten bei; dieser hatte sich
wahrscheinlich in seiner Familie fortgeerbt, und der Mann
behauptete, aus einer Kazikenfamilie zu stammen. Sein
Advocat wurde auf das Stück aufmerksam und erlangte dasselbe
 von dem Eigenthümer, nachdem dieser seinen Process
gewonnen hatte. Von Ersterem hat Saussure die Erlaubniss
erhalten, eine Copie zu nehmen, nach der die in Rede
stehenden Abbildungen angefertigt sind.
Nach der sich an diesen Codex anknüpfenden Tradition
stellt uns derselbe die Geschichte eines reichen Caciquen
der Mizteken Namens Sar-Ho dar, der in einem Tindu
(i. e. die Kugel) genannten Orte residirte und für den
mächtigsten Mann der ganzen Gegend galt. Seine Frau hiess
Con-Huyo. Der Codex hat die gewöhnliche Form und besteht
 heute aus 16 Seiten. Jede Seite ist gewöhnlich in drei
übereinanderliegende Abschnitte getheilt. Es ist unmöglich,
zu sagen, ob das Stück complet ist; möglicherweise fehlt
der Anfang, das Ende ist jedenfalls abgeschnitten; zwischen
Seite 14 und 15 ist wahrscheinlich eine Unterbrechung vorhanden.
 Nach den Dimensionen der Holzbüchse zu urtheilen,
in welcher dasselbe von dem ursprünglichen Besitzer aufbewahrt
 wurde; dürfte es kaum grösser gewesen sein; möglicherweise
 ist aber die Büchse schon für das bereits defecte
Document angefertigt worden,
Das Original ist sehr schlecht erhalten, namentlich sind
die einzelnen Blätter am oberen Rande recht schadhaft. Die
Bemalung zeigt sechs Farben, von welchen jedoch die eine,
nämlich Grün, selten vorkommt und vielleicht auf einer

rrthümlichen Uebermalung des Gelb durch Blau beruht.
Die anderen fünf Farben sind: Schwarz, Cochenilleroth,
‚.ndigoblau, Gummiguttigelb und Gelbbraun. Die Malereien
iind gewiss schon mehrere Male retouchirt worden. Der
derausgeber meint, dass der Codex eher ein religiöses Docunent
 darstellt, als eine historische Begebenheit erzählt.
Von besonderem Interesse sind die miteinander kämpfenlen
 Kriegerfiguren, welche alle die Attribute, Schutz- und
rutzwaffen der altmexikanischen Krieger zeigen. Wieder
indet man die kreisrunden Schilde, Stosslanzen, eine Art
Yolch, Pfeile, eine Art Wurfbrett, merkwürdige Beile, wie wir
olche noch aus jüngstverflossener Zeit von einigen nordmerikanischen
 Indianerstämmen kennen gelernt haben,
etztere freilich schon mit Eisenklingen etc. Eine überaus
ıteressante Scene ist auf p. III, Fig. 7 abgebildet. Dieselbe
tellt zwei Personen dar, welche unzweifelhaft im Begriffe sind,
"euer anzumachen. Die linke Person hält, auf dem Boden
:nieend, ein Stück Holz (gelb gemalt), in dem sich oben drei
schwarze Punkte — die früheren Bohrvertiefungen — finden,
vährend die zur Rechten ebenfalls auf dem Boden knieende
"Figur mit einem Stab, der oben einige färbige Absätze zeigt,
ın einer vierten Stelle durch Quirlen des Stabes (a) mit
jeiden Händen das Feuer anzumachen versucht. Der dabei
;ich entwickelnde Rauch ist durch eine stilisirte, ornamental
»ehandelte Figur (b) dargestellt, Heger.

927.

Holm, G. Ethnologisk Skizze of Angmagsalikerne.
Saertryk of „Meddelelser om Gronland“. X, Kiebenhavn.,

Capitän Gustav Hosm unternahm in den Jahren 1883
»is 1885 eine Expedition an die Ostküste Grönlands und
ılelt sich hier zehn Monate zu wissenschaftlichen Zwecken
auf. Sein Forschungsgebiet .lag innerhalb des 65. und
56. Grades nördlicher Breite in der Umgebung des Caps Dan,
lort wo die älteren Karten Eczpe’s Land verzeichnen. Er
jenennt dieses Küstengebiet Ostgrönlands Angmagsalik 1).
Sein Schiffslieutenant V. Gare untersuchte während dieser
Zeit die südlichen Theile Ostgrönlands; Herr Pansen dagegen
lrang noch ziemlich weit nach Norden vor. Die wissenschaftichen
 Resultate dieser Expedition sind in hohem Grade
nteressant, indem sie uns ein nahezu erschöpfendes Bild
ler Eskimobevölkerung des ostgrönländischen Küstenstriches
zeben, Die mitgebrachten Sammlungen gehören relativ zu
len vollständigsten, welche jemals von einem Volksstamme
zemacht wurden, Die Wichtigkeit des Gegenstandes mag
laher die in Nachstehendem gegebene eingehende Besprechung
‘echtfertigen. .
Die von der Expedition im Jahre 1884 gezählte Bevölke-‘ung
 Ostgrönlands betrug 548 Personen, welche in 17 An-‚jjedelungen
 vertheilt waren. Von diesen bewohnten 413 Indiriduen
 in 13 Ansiedelungen die Umgebung von Angmagsalik,
vährend der Rest auf die südlichen Gebiete der Ostküste
;ntfiel. Auffallend ist das Verhältniss der Geschlechter, inlem
 auf 245 Personen männlichen Geschlechtes 303 Personen
weiblichen Geschlechtes entfielen, was auf 1000 Männer

:) Eigentlich die drei Fjorde Sermiligak, Angmagsalik
ınd Sermilik.
            
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