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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 12=22.1892

— 179

ist. Sie hatte ein Liebesverhältniss mit einem „Herrn“
aines Nachbardorfes und als sie sah, dass dieser sie
verlassen wolle, so liess sie sich von ihm ein solches
Glücksei bereiten, in der Absicht, dasselbe bei Gelegenheit
 vor ihm in’s Wasser zu werfen, damit das
dem Ei dann entspringende Gespenst ihren Geliebten
erwürge. Sie trug das Ei lange Zeit bei sich und
wartete auf die Gelegenheit, um ihren Plan ausführen
zu können. Dabei hatte sie ein „auffallendes Glück“;
was immer sie begann, in Allem hatte sie Erfolg.
Da wusch sie einmal in der Nacht allein Wäsche
und das Ei, das sie im Busen barg, fiel in einen
mit Wasser gefüllten Bottich. Das Ei zerplatze mit
30 lautem Krach, dass die Nachbarn darob erwachten
und zur Maid eilten, die bewusstlos am Boden lag.
Als sie erwachte, erzählte sie, dem zerplatzten Ei
sei ein „schwarzes Gespenst“ entsprungen, das ihr
einen Schlag auf den Kopf versetzt habe. Seit der
Zeit ist sie irrsinnig und wird von der Dorfjugend
„Eier-Mariechen“ (tojäsos Märisk6) gehöhnt.
Zum Schlusse dieser Zusammenstellung will ich
noch einige Amulete in genauer Beschreibung mittheilen,
 die mit den Todtenfetischen in enger Ver-»indung
 stehen und die ich durch die Herren LuDwıc
BrÄnrFY aus Szeged, Kart Lakxaros aus Zenta und
Jonann BaranÄAs aus der Häromszeker Gegend erhalten
habe.
Das erste Stück ist ein herzähnliches, dünnes
Thontäfelchen, das zwei Löcher hat, neben welchen
zwei Todtenbeinsplitterchen eingehacken sind, die
von Gebeinen einer im Kindbett gestorbenen Frau
nerrühren. Schwangere Weiber, die nicht nur
eine leichte Geburt haben, sondern auch kräftige
Kinder von langer Lebensdauer zur Welt bringen
wollen, vergraben solche Thontäfelchen unter ihre
Schlafstätte, nachdem sie vorher durch die beiden
Löcher einige ihrer eigenen Haare fest gewunden
haben. Es gibt auch solche Amulete, die, aus Thon
verfertigt, weibliche Genitalien darstellen sollen, in
die man ebenfalls solche Todtenbeinsplitter steckt,
Jieselben mit den eigenen Haaren umwindet und zu
genanntem Zwecke am angeführten Orte in die Erde
vergräbt. Es heisst dabei: Die. gewissen Theile des
Weibes sollen bei der Geburt so weich werden, wie
der Thon es gewesen, dann aber seine Härte in gebranntem
 Zustande annehmen; die Todtenbeinsplitterchen
 aber sollen das Schicksal abwenden, das ihre
einstige, im Kindbett verunglückte Besitzerin gehabt
hat, also eine unglückliche Geburt abwenden, Dergleichen
 Amulete sind in der Szegeder Gegend verreitet

 und werden heimlich von alten Frauen ver-'ertigt
 und schwangeren Weibern verkauft.
Das zweite Stück ist ein aus Nussbaumholz verertigtes
 Kreuzchen, das in der Mitte ein Loch hat,
lurch welches man‘ einen Lappen vom Hemde eines
angetauft verstorbenen Kindes zieht. Eltern, deren
Kinder in zartem Alter gestorben sind, vergraben
lies Kreuzchen unter die Thürschwelle oder in den
ijrund des Kamins, sobald sie wieder ein Kind be-<ommen
 haben. Vor dem Vergraben wird das Kreuzchen
n der einen Diagonalrichtung des centralen Theiles mit
Taaren des Vaters, in der anderen Diagonalrichtung
nit Haaren der Mutter des neugeborenen Kindes
ımwickelt. Dies Kreuzchen bleibt am betreffenden
Jrte bis zur Taufe des Kindes oder bis zum ersten
Sirchgange (avatüs [Weihe] genannt) der Mutter
jegen, dann wird es herausgegraben und verbrannt,
ndem man dabei glaubt, dadurch das dem Kinde
jevorstehende böse Schicksal verbrannt zu haben.
3ut ist es, wenn man dies Kreuzchen in der Kirche
ijegen lässt und es am nächsten Tage mit Weihwasser
 anfeuchtet, dann kann man versichert sein,
lass Hexen und böse Geister dem neugeborenen,
ıoch ungetauften Kinde kein Leid zufügen können.
Nenn dann im Feuer das Kreuzchen gleich und mit
1eller Flamme zu brennen beginnt, so wird das
Zind langes und glückliches Leben haben, brennt
»s aber trüb und qualmt es dabei, so wird das Kind
an kurzes Leben voll Krankheit fristen. Die vom
Kreuzchen zurückgebliebene Asche hebt man auf;
ne ist mit Wasser gemischt und damit das Kind be-'euchtet,
 ein gutes Mittel gegen das Beschreien
'g6z6s), den bösen Blick.
Das dritte Stück ist eine aus rohem Thon geznetete
 Schlangengestalt, welche die Schlange des
>aradieses, die „Verführerin der Eva“ (Eva csäbitöja),
{arstellen soll. In den Rücken derselben werden nach
;ben Zähne aus einem männlichen Todtengebisse ein-‚esetzt,
 in den Leib derselben aber drei Rosmarin-;weige
 (zwei an den Enden, einer beiläufig in der Mitte).
3eim Einstecken des ersten Rosmarinzweigleins sagt
nan: „Der Teufel wollte den Judas betrügen“ (az
irdög Judäst akarta megesalni), beim zweiten:
Judas wollte Christum betrügen“ (Judäs Krisztust
ıkarta megcsalni) und beim Einstecken des dritten
Zweigleins sagt man: „Aber Christus besiegte sie
ınd fuhr gen Himmel. Wenn meine Gattin mich be-:rügt,
 werde sie dürr wie diese Schlange vor Zahnschmerzen“
 (de Krisztus legyözte Öket &s Eybe szällt.
Ja felesegem megesal, legyen soväny mint ezen
            
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