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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 12=22.1892

— 1%

Sobald der Frühling herannaht, übersiedeln die
Menschen aus dem Gharadam in den Srah über, denn
man weilt im Allgemeinen sehr ungern unter dem Dache.
Die Ursache ist leicht erklärlich,. Die drückende,
ungesunde Atmosphäre in dem Hause, die primitive
Einrichtung des Herdes, die nicht so viele Vortheile
als Nachtheile hat, und manches Andere verleidet
ihnen das Verweilen unter dem Dache. Bei jedem wenn
auch noch so geringen Windstosse füllt sich das
Haus mit unerträglichen Rauchwolken, wobei den
Sitzenden das Athmen schwer, ja unmöglich wird,
die Augen sich mit Thränen füllen und sie gezwungen
 sind, entweder sich auf den Bauch zu Boden
zu legen oder in die kalte Luft hinauszugehen oder
die Thüre zu öffnen. Dazu kommt noch, dass der
Herd sehr wenig und im Ganzen beständig abwechselnde
 Wärme darbietet. Auf ihn werden fortwährend
 grosse, ungeheure Baumstämme und Balken
quer aufeinandergelegt, welche der Bauer, aus dem
Walde kommend, auf seinen kräftigen Schultern herbeischafft
 oder auf dem Rücken seiner Lastthiere bringt.
Eine Zeit lang zischen und lärmen sie, bis sie, gründlich
 erhitzt, selbst Feuer fangen. Dann gewährt solch
ein brennender Herd einen schönen Anblick; man
glaubt sich einen Augenblick in einen Urwald versetzt,
 in einen Kreis von Menschen, an welche sich
die Civilisation noch nicht herangewagt hat. Sobald
 aber das Lodern aufhört, fühlt man auch sogleich
 die Wirkung der Kälte, denn das Haus ist
gewaltig gross (unter manchem Dache schlafen im
Winter mehr als 15—20 Menschen); es ist vor
beständigem Luftzuge durch nichts geschützt und
trotzdem das Feuer vom frühen Morgen bis zur Nachtzeit
 unterhalten wird, verspürt man keine ordentliche,
 genügende Temperaturerhöhung.
Vor dem Schlafengehen muss die Hausfrau die
noch nicht verbrannten Holzstummel sorgfältig mit
heisser Asche verdecken, damit für den nächsten Tag
das Feuer aufbewahrt bleibt !). In der Nacht werden
auch die beiden Dachfenster zugedeckt.

1) Bei Dr. R. MErınoGgr lesen wir a. a. O., S. 151, Folgendes:
 „Agni wird parıvıta umhüllt genannt“, z. B. IV, 3, 2.
(Vgl. Grassmann, a. a. O.: vya [Sp. 1360]). „Dabei ist gewiss
nur an die umhüllenden Rauchwolken gedacht, nicht an
irgend eine Herdeinrichtung.“ Dem gegenüber, glaube ich,
wird man das Beiwort des Agni viel einfacher und naturgemässer
 erklären können, wenn man die armenische Sitte
in Betracht zieht. Es hatten eben die indischen Hausfrauen,
wie jetzt die armenischen, dafür Sorge zu tragen, dass das
Feuer während der Nachtzeit und auch am Tage nicht ausyinge,
 und sie umhüllten jedesmal, wenn das Feuer nicht

Aus einer sehr anschaulichen Schilderung des
pereits mehrmals erwähnten Comte Cmnonet, die ich
hier dem Wortlaute nach anführen möchte, können
vir ersehen, dass die Herdeinrichtung und die Art
ler Heizung der Wohnräume bei den Armeniern und
Xurden in der Türkei von dem von mir beschriebenen
ılcht viel verschieden ist, obgleich in dem von ComrE
)nyoLET geschilderten Vilajet Erzegian in Ermangelung
lies Holzes Kuhmist gebrannt wird und auch die
Tauseinrichtung etwas verschieden ist von der, die
vir oben kennen lernten.
„Combien etaient *) fastuteuses les miserables habi-;ations
 du Nord de l’Anatolie et de l’Armenie comjardes
 aux Dpauvres maisonnettes dans lequelles
10us logeons maintenant! Quelquefois construites
ın pilerres reunies par de la glaise elles se compoient
 plus generalement d’une excavation creusee
lans le sol ou dans le flane de la montagne; de
orts troncs d’arbres grossierement Equarris forment la
nuraille et supportent un toit de terre et de bran-:hages;
 un large lit de camp faisant presque tout le
:our de T’unique piece dans laquelle on puisse habiter
;t le seul meuble qu’on y rencontre et les petites
"enötres perc6es au haut des murs ne sont fermöes
jue par des morceaux de papier huile. L’&ecurie,
ıttenante ä Ilz salle commune, n’en est le plus
jouvent separege par aucune eloison: chevaux, vaches,
noutons, chevres et poules y vivent dans un douce
'amiliarite et contribuent par leur presence ä rTEe-;hauffer
 l’interieur de la demeure. A la porte möme
je dressent de hauts pitons coniques, de trois ä
Juatre metres de hauteur sur deux metres ä deux
netres cinquante de diamöetre ä la base, completenent
 recouvert de neige; on y distingue seulement
vu niveau du sol une petite ouverture dans lajuelle
 on ne peut s’engager qu'en rampant. De temps
ı autre on voit les habitants entrer dans cette construction
 bizarre et en ressortir quelques instants
ıpres tenant ä la maine d’&enormes morceaux d’une
:;ouleur noirätre qu’ils jettent dans le feu et qui
1'y brülent que lentement en produisant une 6paisse
'um6e d’une odeur particulierement nausgabonde,
Yest le tezek, seul combustible qu’on puisse trouver
lans toute la region et exclusivement compose de
jouse de vache, ramassee, pendant l’'ete, par les
‚eunes filles et femmes kurdes ou armeniennes, petrie
nehr brannte, den Agni in der oben beschriebenen Weise
nit glühender Asche, daher der Beiname.
1) Le Comre DE CHoLEr, Armenie, Kurdistan et Mesojotamie,
 S. 194.
            
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