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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 12=22.1892

112

A. I. In Reihen geordnet,
auf getriebenen Bronzeblech-Arbeiten (z. B. Hallstatt:
Sacken, VIII 8; IX, 8; XXI, 2,3; XXI, 3; XXIV,
6—8; Steiermark : Mvocn, 1. ce. XLII, 3), auf thönernen
Gefässen und Deckeln (Oberitalien: Gozzanını, Scavi
Arnoaldi-Veli, II, 6; IV, 5, 8; vgl. namentlich auch
die Thonstempel mit Ornamenten, ebenda, Taf, V—VI,
wo unter den Thierfiguren die Vogelgestalt — viermal
als Doppelprotome, sonst einfach — weitaus überwiegt);
 freistehend als Vasenschmuck (Hallstatt:
Sacren, XXI, 3; XXIV, 4; Gemeinlebarn: Mitth. d.
prähist. Comm., I, S. 60, Fig. 39‘); Oedenburg:
Sitz.-Ber, d. Anthr. Gesellsch., Wien 1891, S. 75,
Fig. 15”); Frög: Mucn, 1. c. XLVYIII, 19), ebenso
auf Fibeln (passim, zumeist in Italien, s. z. B.
ConzsTABıme, Sovra due dischi ete., VII, 3).
A.Ila) Symmetrisch gruppirt
(viel seltener), paarweise gegeneinander gekehrt im
runden Ausschnitte grosser Sichelfibeln (Hallstatt:
Sacken, XV, 1; Baiern: NaAvus, Hügelgräber XXIV, 1ete.;
wie hausbacken in solchen Fällen die „heraldische“
Paarung aufgefasst wird, ersieht man daraus, dass
die Thierköpfe entweder mit den Schnäbeln zusammengewachsen
 [vgl. auch Zannoxr, Fonderia di
San Francesco, Taf. XLIV, 60] oder in einen gemeinsamen
 Futtertrog geduckt sind); in dem Bogenrahmen
eines Bronzekammes (Lıinnessohmrr, Alterth, u. h.
Vorz., II, 3, 4, 11), unter dem Bauche einer Pferde-1)

 Diese kleinen Bronzevögelchen sind. zweifellos aus
Italien importirt, wo sie sich in vollkommen gleicher Form
und mit demselben Zäpfchen zum Aufstecken wiederfinden:
vgl. z, B. Zannonı, Fonderia di San Francesco, Taf. XLIV.
Fig. 109.
?) Ich kann nicht umhin, hier die Bemerkung beizufügen,
wie dieses neugefundene Stück ganz und gar den an erster
Stelle citirten Bronzeschalen aus Hallstatt mit breitem, flachem
Rande entspricht. Das Decorationssystem ist genau dasselbe:
hier wie dort besteht es aus Vogelfiguren, die mit runden,
knopfartigen Ornamenten abwechseln, Auf der Thonschüsse]
ist dieser Zierrath plastisch gebildet; an den Bronzeschalen
ist er in der bekannten Weise mit Hammer und Punze von
rückwärts herausgetrieben. Das will dasselbe sagen, und
wenn irgendwo in unserem Besitze an Funden aus der ersten
Eisenzeit, ist in diesem Falle die Analogie zwischen dem
feinen Bronzegeschirre, das man jetzt mit Recht so skeptisch
betrachtet, und dem groben einheimischen Thongeschirre eine
complete. Dennoch möchte ich, schon wegen der Verwandt:
schaft mit cyprischen Thongefässen, nicht an blosse NachaAhmung
 importirter Bronzegefässe aus Italien denken, sondern
lediglich den Parallelismus zweier Erscheinungen constatiren,
Jie vielleicht auf verschiedenen Wegen aus derselben Quelle
geflossen sind. (Vgl. auch die Anmerkung S. 111.)

figur (Ungarn: Hawrer, 1. c. LX, 5, s. unsere Fig. 94,
wo sie sinnloser Weise als saugende Junge angebracht
 sind)

‚Sig. ‘4. Seitentheil eines Pferdegebisses, 1/„, nat. Gr.

A. 1165) Asymmetrisch gruppirt.

Einige interessante Beispiele der gehäuften Comoosition
 wollen wir weiter unten in Betracht ziehen ?).

B. IL Selbstständige Thierabschnitte.
Vogelprotomen, einzeln ® oder mehrfach als An-1ängsel
 (Ungarn: Hawmrer, 1. c. LXVI, 6 [s. unsere
ig, 95]; LXIX, 4; Croatien: Lsusnie, 1. e. XI, 41;

Fig. 95. Vogelprotome als Anhängel, 1/, nat. Gr.

3osnien: an dem Vogelwagen von Glasinac, Mitth,
1. Anthr. Gesellsch. X, 10—12, Taf. 2); reihenweise

1) Die „gehäufte Composition“ entsteht, wie hier beiläufig
jemerkt werden mag, auf rein ornamentalem Wege durch
zedankenlose Aneinanderfügung von Thiergestalten, die aber
ılcht frei und in gleicher Grösse neben einander gestellt,
sondern zumeist in ungleichem Massstabe neben einander
zsehängt oder gekettet weraen. Es ist derselbe auf Bereicherung
ınzielende Vorgang, als wenn an ein grösseres dreieckiges
\nhängsel kleinere ebensolche mit Ringen oder Kettchen
befestigt werden. Selten wird ein geistiger Inhalt eingeführt
ınd das vorhandene schematische Motiv zur Darstellung eines
Mutterthieres mit sangendem Jungen oder eines Vierfüsslers,
zuf dessen Rücken sich ein Vogel niedergelassen hat, oder
von etwas Aehnlichem benützt und dadurch der figuralen
Kunst näher gebracht.
            
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