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ainander unmittelbar gegenüberzustellen, was erst
auf einer höheren Stufe der Zeichenkunst oder bei
vorgeschrittenen mechanischen Proceduren erreicht
wird, Die Mischgestalten aber gehören ganz ebenso
einer vorgeschrittenen Kunstrichtung an, da sie die
Fähigkeit erfordern, in einem einzigen Umrisse zugleich
zwei. Gestalten zu erblicken, was einer rein
parataktisch arbeitenden und nie zur wirklichen
iruppencomposition fortschreitenden Kunst einfach
ınmöglich ist. Also in symmetrisch gebundenen, wie
n frei phantastischen Darstellungen ist die präıstorische
Kunst von Anfang an und auch allen
ierneren Anregungen gegenüber eine inferiore gewesen
and geblieben *).
Vielleicht berechtigen uns diese Ausführungen
zur Aufstellung des folgenden Stammbaumes:
I. Primäre (autochthone) Wurzel Il. Secundäre (externe) Wurzel
Theromorphe Umbildung einer . einheimischen, (Entlehnung der fertigen, belebten Form von
unbelebten Ornamentfigur) auswärts)
A. ganz B. bruchstückweise
St ———— ET A N CT I
[. primitiv: II. vorgeschritten : I. primitiv: IL. vorgeschritten :
Reihen Gruppen selbstständige Thierabschnitte Combinationen
(Endungen aller Art)
VE N SE EL > N a ER
a) symmetrische b) asymmetrische a) symmetrische b) asymmetrische
„heraldische Paarung“ „gehäufte Composition“ „Doppelthiere“ „Mischfiguren“
(classisch). (prähistorisch). (prähistorisch). (classisch).
ketten; Krain: Adamsberg bei Hof, im Laibacher
Museum, an Kettchen als Endstücke eines Gehänges
mit radförmigem Hauptstück), dann:
1) Das erläutern in ihrer Art auch die kürzlich gefun--lenen
figurenreichen Vasen von Gemeinlebarn und von
Jedenburg. Schon in meinem Buche: „Die Urgeschichte des
Menschen“, S. 611, habe ich auf die gegenständliche
/erwandtschaft des Figurenschmuckes einer Gemeinlebarner
Jrne und der Darstellungen des Plattenwagens von Strettweg,
jowie der oberen Figurenreihen des Certosa-Eimers von
3ologna hingewiesen und bemerkt: „Wir können es nicht
zenug betonen, dass auch hier, trotz der Ursprünglichkeit
der Erscheinung, alles nur abgeleitete Kunst ist, und dass
nan sich ohne den Einfluss importirter Vorbilder
ıie an eine solche Aufgabe herangewagt hätte.“ Diese Ansicht
‚at kürzlich auch Szomsaruy in den Sitzungsberichten der
\nthropologischen Gesellschaft, Wien 1891, S. 86, vertreten
ınd etwas weiter ausgeführt. Ich meine aber, dass man daraus
ıicht etwa ohne Weiteres auch das gleiche Alter der betrefenden
Urnen und der uns erhaltenen importirten Bronzen
schliessen dürfe, wie man denn überhaupt bei einem so alten
"ormenkreise keineswegs in dem uns zufällig überlieferten
Zest getriebener italienischer Bronzearbeiten die consreten
Vorbilder doch ziemlich abweichender und zudem
ınderen Fundregionen angehörender keramischer Producte
x suchen braucht. Was mag nicht Alles auf anderen älteren
ich meine östlichen) Wegen lange vor dem Beginne des
talienischen Bronzevasen-Importes an die Grenze des oberen
ınd des mittleren Donaugebietes gelangt und — da es wohl
‚us vergänglichen Stoffen bestand — für uns verloren sein.
Siehe auch die Anmerkung unten S, 112, N. 2) Auch an die
ı1ahe Verwandtschaft der, Oedenburger Zeichnungen mit dem
Stil textiler Arbeiten (SzomnATAHY, 1. c.) habe ich bereits in
meinem Buche a. a. O0. gebührend erinnert.
Der Thierleib als Ornamant -
Bei Gruppen mehrerer Thiergestalten bevorzugt
die classische Kunst die symmetrische, bei Combinationen
von Thierabschnitten die asymmetrische
Anordnung. Die prähistorische Kunst verharrt zumeist
auf der primitiven Stufe, die wir mit I bezeichnet
haben, indem sie Reihen ganzer Thierfiguren und
selbstständige Thierabschnitte verwendet. Wo sie auf
Jie Stufe II übergeht, unterscheidet sie sich dadurch
von der classischen Kunst, dass sie in gerade entgegengesetzter
Weise in der Gruppenbildung der
asymmetrischen (gehäuften) Composition, bei den
Combinationen von Thierabschnitten dagegen der
symmetrischen (Doppelthier-) Composition den Vorzug
gibt.
Wenn wir uns nun in dem oben bezeichneten
Zeit- und Länderraume nach Beispielen für das Gesagte
umsehen, so ergibt sich Folgendes, Wie schon
bemerkt, überwiegt in der ungarischen Bronze- und
in der gleichzeitigen Hallstattperiode die Vogelgestalt
bei weitem alle übrigen Thierbildungen. Sie erscheint
zunächst einzeln als Deckelgefäss (aus Bronze, Ungarn:
Hamrpeı, Alterth. d. Bronzezeit LXVIII, 5; LXVII, 3;
aus Thon, Ungarn: Mvcu, Atlas, XXXV, 12; vgl.
ebenda XLIII, 8, Steiermark) oder Anhängsel (Bosnien:
Mitth. d. Anthr. Ges., Wien, XIX, S. 43,
Fig. 79; S, 144, Fig. 198; Glasnik, Sarajevo 1890,
5. 90, Fig. 78; Croatien: Lsunı6, 1. c. XXI, 118, 119,
atwas voller gearbeitet als die bosnischen und mit
zwei Tragringen, also wohl Mittelstücke von Schmuck-