Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 11=21.1891

Die Körpergrösse der Tiroler und Vorarlberger.
Von Prof. C. Toldt.
(Mit zwei Tabellen und einer Karte, Taf. I.)

Schon öfters sind die Messungen der Körpergrösse,
 welche anlässlich der Untersuchung der
Wehrpflichtigen vorgenommen werden, für die Zwecke
Jer Anthropologie ausgebeutet worden. So, um nur
von Deutschland zu sprechen, durch A. Ecker?) für
das Grossherzogthum Baden, von J. Ranke?) für das
Königreich Baiern, von C. Majer®) für den Regierungsbezirk
 Mittelfranken, von dem St.-A, Dr.
Meisner *) für Schleswig, für das Gebiet der Unterelbe,
 insbesondere Holstein, und für Mecklenburg. Der
Werth solcher Untersuchungen liegt einmal darin,
dass eine wesentliche physische Eigenschaft der
Bewohner gewisser Landstriche — die Körpergrösse
— auf breiter und verlässlicher Grundlage festgestellt
wird, dann aber darin, dass die Frage nach der
Veränderlichkeit von Körpereigenschaften in Folge
von äusseren Einflüssen — allerdings erst dann, wenn
diese Untersuchungen sich auf sehr grosse Gebiete
arstreckt haben werden — von einer neuen Seite her
ın Betracht gezogen werden kann.
Das Materiale an sich, welches uns nach dieser
Richtung hin in den Militär-Stellungslisten geboten
ist, darf als ein ganz besonders günstiges bezeichnet
werden. Es umfasst einen verhältnissmässig grossen
Bruchtheil der Gesammtbevölkerung (annähernd 2°/,)
und vertheill sieh gleichmässig über das gesammte
Bevölkerungsgebiet. Es ist durchaus verlässlich hinsichtlich
 der Ortsangehörigkeit der einzelnen Personen,
 sowie hinsichtlich der Ausführung der
Messungen. Es begreift ausschliesslich gleichaltrige
Personen vom 21. bis zum 23. Lebensjahre in sich,
welche somit sämmtlich an dem Ende der Wachsthumsperiode
 stehen.
Allerdings wird angenommen, dass das Längenwachsthum
 des menschlichen Körpers erst im
23. Lebensjahre zum völligen Abschluss komme.
ı) A. Ecker, Archiv für Anthropologie, Bd. IX, S. 257,
?) J, Ranke, Beiträge zur physischen Anthropologie der
Baiern. München 1883. III. Abschnitt.
8) C. Majer, Baierisches ärztliches Intelligenzblatt, 1862,
Nr. 24 und 25. . .
4) Dr. Meisner, Archiv für Anthropologie, Bd. XIV, S. 235,
AVII, S. 101, und XIX, 8. 817.
Mittheilungen d. Anthrop. Gesellsch. in Wien. Bd. XXI. 1891.

Allein selbst in dem Falle, als diese Annahme wirk-'ich
 für einen grösseren Bruchtheil der Individuen
;utreffen sollte, dürfte der Zuwachs, welchen die
Körpergrösse vom 21. Lebensjahr bis zum 23. etwa
;rfährt, ein so geringer sein, dass er die Gesammtrgebnisse
 der Messungen kaum wesentlich zu berren
 vermag.
Uebrigens bietet das Studium der Stellungslisten
Jie geeignetste Grundlage dar, um über den ervähnten
 Umstand Klarheit zu schaffen. Die Verzleichung
 der für die einzelnen Stellungspflichtigen
n aufeinander folgenden Jahrgängen verzeichneten
{örpergrössen müsste über das etwa erfolgte Wachs-;)hum
 und über das Maass desselben Aufschluss
zeben und überdies festzustellen gestatten, ob etwa
»je1 verschiedenen Völkerschaften in dieser Hinsicht
Jnterschiede bestehen.
Ein Mangel haftet allerdings dem in Rede
‚tehenden Untersuchungs-Materiale an, und zwar,
lass es sich nur auf den männlichen Theil der
3evölkerung beschränkt. Das lässt sich einmal
nicht ändern, kann aber in Hinblick auf die erwähnten
 Vorzüge des Materiales keinen Grund abzeben,
 dasselbe unbenützt zu lassen.
Was nun meine eigenen Untersuchungen über
Jie Bevölkerung von Tirol und Vorarlberg betrifft,
30 habe ich vor Allem dem gewesenen Commandanten
les Tiroler Kaiser-Jägerregiments, Herrn Oberst Ritter
”, Kurz, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen
‘ür die liebenswürdige Bereitwilligkeit, mit welcher
ar mir die Benützung der Stellungslisten aus dem
Jahre 1890 gestattete und durch Herrn Oberlieuteıant
 Kasperowsky die entsprechenden Auszüge aus
Jenselben nach meinen Angaben anfertigen liess,
welcher mühevollen Aufgabe sich der letztere mit
Jankenswerthester Hingabe unterzogen hat.
Diese Stellungslisten umfassen die sämmtlichen
oei der Assentirung im Jahre 1890 untersuchten
Stellungspflichtigen aus Tirol und Vorarlberg, deren
Zahl sich auf 16.384 belief.
Die Ausbeutung der Stellungslisten kann natürich
 in verschiedener Weise erfolgen, je nach dem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.