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schöpft hat. „Zu dieser Zeit“ — schreibt Hs —
„Wurden auf dem Petfin Steine gebrochen und nach
Prag geführt; die Leute, welche in den Steinbrüchen
arbeiteten, erbauten sich in der Nähe einer mächtigen
Eiche eine dem Hause ähnliche Wohnstätte, und als
der Winter herangebrochen war, unterhielten sie daselbst
ein Feuer, um sich zu wärmen. In diesem
Feuer zeigten sich den Leuten verschiedene wunderbare
Menschengestalten ; diejenigen von ihnen, welche
Heiden waren, erwiesen dem Feuer grosse Verehrung
and beteten dasselbe an, welchem Beispiele, auch
säinige Christen folgten. Als sich nun das Wunder in
dem Feuer immer mehr vergrösserte und den Eindruck
von etwas Heiligem machte, verbreitete sich
davon das Gerücht allenthalben; Heiden sowohl als
Ohristen strömten zur Nachtzeit der Wunderstätte
zu, legten Holz in das Feuer und indem sie ähnliche
Gestalten in dem Feuer gewahrten, waren sie der
Meinung, dass dies die Seelen ihrer Väter und Vorfahren
wären, die sich in dem Feuer von ihren
Sünden reinigten. Es warfen auch Einige Brod und
wieder Andere Geld in die Gluth als Opfer. Herzog
Boleslav (IIL.), dem von diesem Treiben erzählt wurde,
less sich von den Geistlichen belehren, dass dies
Umtriebe des Teufels seien, und sandte seine Diener
aus, das Feuer zu löschen und die Eiche zu fällen,“
Damit war jedoch dem Treiben der Heiden noch
nicht Einhalt gethan; denn sie machten ein neues
Feuer an; ja im folgenden Jahre wäre es daselbst
beinahe zu Gewaltthätigkeiten gekommen und musste
der Fürst den Ort stark mit Mannschaft besetzen,
um weiteren Ausschreitungen zu begegnen. HäAJyzr
bringt diesen Vorfall mit der Gründung der nachherigen
St. Laurenz-Kirche in Zusammenhang, welche
aber um ein Jahrhundert später erfolgte. Uebrigens
war der Berg seit jeher bewaldet und bot auch in
späteren Zeiten einen erwünschten Ort zu verschielenen
geheimen Zusammenkünften. Es muss noch
arwähnt werden, dass nördlich vom Räj eine Flur,
wo sich Steinbrüche befinden, den Namen „Peklo“
‘d. i. Hölle) trägt; es dürfte dies eine Erinnerung
an den hier bestandenen heiligen Hain sein.
Zum Schlusse muss ich noch einer Sage erwähnen,
nach der im gräfl. KıssKy’schen Garten (auf dem
Laurenziberge) noch vor wenigen Jahren ein feuriger
Priester ohne Kopf umging; dieselbe ist aber heute
verschollen.
Auffallend ist das häufige Erscheinen von ähnlichen
Gespenstern in Böhmen, namentlich in Prag
und dessen Umgebung. Die Gespenstergestalten er-‚cheinen
bald ohne Kopf, bald als Skelette und
iann wieder mit Feuer sprühenden Augen; oder diejelben
sind ganz feurig. Sie werden gewöhnlich als
cn&z (Priester) oder Ritter bezeichnet. Der Name
xn&z“ rührt aus alten Zeiten her; denn im Alt-»öhmischen
und im Slavischen überhaupt bedeutet
lieser Name einen Fürsten, und die Identifieirung
jeider ist lediglich eine mittelalterliche Anpassung
les höheren Standes an die damals herrschenden
3egriffe über das Ritterthum. Im Uebrigen ist es
vohl bekannt, dass die heidnischen Fürsten und
?’otentaten gewöhnlich auch die Würde des höchsten
7riesters bekleideten, weshalb auch die in den Sagen
ırscheinenden Priester als weltliche Oberhäupter anzusehen
sind.
Von ähnlichen Erscheinungen erzählen folgende
Sagen: Auf der Kleinseite in Prag im „Hohlwege“
»flegte zur Nachtzeit ein Priester ohne Kopf in einem
-Jeinen Wagen, welcher von zwei kleinen Pferden ge-„ogen
wurde, einherzufahren. Bis in die Fünfziger-‚ahre
soll ein anderer Priester ohne Kopf in einem
‘eurigen Wagen über den Rossmarkt in Prag gefahren
sein. Mit dem ersten Schlag der Mitternachtsstunde
‘uhr derselbe aus dem gräfl. Kon.owrar’schen Palaisxarten
am Graben bis zum Rossthor, wo er sehr
chnell umkehrte, so dass er mit dem letzten Schlag
ler Mitternachtsstunde wieder zurück war und verschwand
*). Auf der Kleinseite fuhr wieder aus dem
Tause „zu den drei Kronen“ ein Gerippe ohne
Schädel im feurigen Wagen durch die Spitalgasse;
ınd auf dem Josephsplatz auf der Neustadt spukte
xn Ritter, der ‘ohne Kopf auf einem dreibeinigen
>ferde sass. Derselbe ritt mit Windeseile über den
>latz und unter den Hufen des Pferdes sprühten
Tunken hervor. Bei Motol und im KoßSiter Thal
'‚eitet ein Ritter ohne Kopf auf einem schwarzen
Jengste 7). Bei Klecan und in den Wäldern bei
3fezinka reitet wieder ein Priester ohne Kopf ein
1) Eine Frau, die aus Neugierde dieser Erscheinung beim
7enster auflauerte, hatte den Tod davon; denn als der
Nagen an ihrem Hause vorbeifuhr, glotzte sie der Priester,
velcher seinen Kopf auf dem Schoosse hielt, derart an, dass
lie Frau vor Schrecken in Ohnmacht fiel und am dritten
Tage verschied.
2) Derselbe soll ein heidnischer Magnat gewesen sein. Er
itt, der Sage nach, einst aus Muthwillen mit seinem Ross in
xne christliche Procession hinein, die andächtigen Pilger
ıiederwerfend, Das Ross, welches scheu wurde, rannte
nit dem Frevler auf den Kreuzberg, wo es sammt ihm vom
Jelsen herabstürzte, so dass dem Ritter der Kopf zerschellt
wurde. Ein Kreuz bezeichnet bis auf die heutigen Tage die
itelle. wo er herabgestürzt war.