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hatten und wie wir eines vor uns haben, erscheinen
noch zwei ähnliche Gruppen: die Bronzegefässe von
Klein-Glein, Sesto-Calende und Trezzo, deren Figuren
nur durch getriebene Perlchen roh contourirt sind und
welche wir als gleichzeitig mit jenen, vielleicht auch,
Aber nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit, als etwas
älter betrachten können; und andere, besonders die
Mehrzahl der Situlen von Este, deren Zeichnungen bereits
pine entschiedene Herrschaft des La Tene-Stiles zeigen
und daher als jünger betrachtet werden müssen, Diese
letzteren ‚sind es, für welche GmirARDINI Speciell das
Ende des IV. und den Anfang des III. Jahrhunderts
in Anspruch nimmt.
Dem bisher Gesagten zufolge kommt also für unsere
Kuffarner Situla das V. Jahrhundert und die erste
Hälfte des IV. Jahrhunderts, der Zeitraum der Jüngsten
Stufe der Hallstatt-Periode, in Betracht. Für eine genauere
Zeitbestimmung geben nun die von P. LAMBERT
vorgelegten Beigaben Anhaltspunkte ab. Auf den ersten
Anblick fällt wohl die Charakterverschiedenheit, welche,
nach unserer bisherigen Auffassung, einzelne dieser
Fundstücke von einander trennt, auf; aber wir werden
sehen, dass wir doch vor einem ganz möglichen, bereits
durch Beispiele belegten Ensemble stehen.
Als „junghallstättisches“ Stück erscheint uns die
Fibula. Der Fuss fehlt, aber der Bügel mit dem
unterhalb der Nadelspirale angesetzten Knopfe charakterisirt
.das Stück als die in den Ostalpen bis nach
Este hin herrschende Form der Certosa-Fibula. Das am
Halse befestigte Kettchen diente wahrscheinlich dazu,
die Fibula mit einem zweiten (leider gänzlich verlorenen)
Gesponsen zu verbinden. Ich kenne eine Anzahl
solcher zusammengeketteter Fibelpaare aus späthallstättischen
Funden, besonders Certosa-Armbrustfibeln
von St. Lucia in der prähistorischen Sammlung des
k. k. Hofmuseums. Diese Sammlung besitzt übrigens
zuch Certosa-Fibeln von Watsch, welche an derartigen
Kettchen kleine Anhängsel tragen,
Dieser Fibula. stehen. nun Thongefässe und Eisenwaffen
von eminentem La Töne - Charakter zur Seite.
Unter den von P. LAMBERT geretteten Thongefässbruchstücken
erkennen wir eine aus Graphitthon gemachte
kleine Schüssel mit aufrechtem nach aussen geschweiftem
Randtheil, ein grosses, bauchiges, dickwandiges Topfyefäss
aus Graphitthon und ein mittelgrosses, bauchiges
Topfgefäss aus schwach rothgebranntem, feinem Thon,
oberflächlich dunkelbraun, charakterisirt durch drei
oder ‘vier rundumlaufende, fingerbreite, flache Wülste
an der Oberseite der Bauchwölbung und durch deutliche
Spuren der Drehscheibentechnik, Neben diesen
La Tene-Formen finden sich noch die Scherben von ein
oder zwei grossen, an der Aussenseite graphitirten Gefässen,
welche durch ihren stark ausladenden Bauch
und ihren hohen konischen Halstheil eine Verwandtschaft
mit den grossen, charakteristischen Urnen aus
den niederösterreichischen, steirischen und westungarischen
Grabhügeln der Hallstatt - Periode, zu welchen
auch die heute vorliegenden Oedenburger Urnen gehören,
deutlich erkeunen lassen. Die Kuffarner Vasen
waren nur etwas schlanker.
Von den Eisenwaffen erwähne ich zunächst ein
;ypisches Früh - La Töne - Schwert, von welchem leider
ıichts erhalten geblieben ist als das charakteristische
Irtband (siehe Fig. 10, pag. [71]); dann eine grosse und
‚wei kleinere Lanzenspitzen‘ mit sehr breitem Blatte,
zleiner Dülle und unbedeutender Mittelrippe (siehe
7ig. 8, pag. [68]), ebenfalls charakteristische La Töne-Formen,
vier Pfeilspitzen und ein grosses, geschwungenes
Tackmesser mit eisernem Griff (siehe Fig, 7, pag. [68].
Wir haben diese Hackmesser zuerst in einer extrem
zedrungenen Form von Hallstatt!) kennen gelernt.
Jas andere Extrem, eine schlanke, säbelartige Waffe,
rennen wir besonders aus den jüngeren Gräbern von
St. Michael ?). Dr, Hozgryes hat gelegentlich der Beschreibung
dieser dem bosnischen Handschar analogen
Säbel (1. c. pag. 230 ff.) eine Liste von Funden und
alten Abbildungen dieser Form und auch die ein-;chlägen
Nachrichten der Alten zusammengetragen. Er
zelangt zu dem Schlusse, sie ebenso wie INGvALD
JxDserT ?) als einen hallstättischen Typus, welcher sich
n spätere Perioden hinüber vererbte, gelten zu lassen.
m Gegensatze zu dieser Ansicht möchte ich heute
‚iesen Hackmessern und geflammten Säbeln nur ganz
jedingungweise einen Platz unter dem Inventar der
Tallstatt - Periode einräumen. Sie erscheinen mir als
pecifische Früh-La T&ne-Typen, welche sich dem Halltätter
Formenkreise beigesellt haben und nun so wie
lie berühmte gravirte La Tene-Schwertscheide von Hall-‚tatt
mitten unter den älteren Typen erscheinen, Eine
vorläufige Untersuchung dieser Frage, welcher ich an
lieser Stelle gar nicht nähertreten kann, will ich
ın anderer Stelle versuchen, Hier genüge uns, dass
wir auch in diesem Hackmesser einen consequenten
\ltersgenossen des Früh-La Tene-Schwertes anzuerkennen
1aben.
Durch diese Gesellschaft wird unsere Situla in
lie jüngere Hälfte des vorhin genannten Zeitraumes,
ı1ämlich in das IV. Jahrhundert vor Christo gerückt,
Dieser Datirung widerspricht auch die Certosa-Fibula
ıicht. In den Nekropolen von Bologna selbst herrscht
‚je noch in den dem IV. Jahrhunderte zuzuschreibenden
iräbern und in den jüngeren Gräbern von St. Michael,
'owie an anderen Fundorten erscheint sie noch häufig
n Gesellschaft von Früh-La Täne-Typen.
Hier ist wohl der Platz, anzumerken, dass wir
ür mehrere figural verzierte Bronzen österreichischen
*undortes durch die mitgefundenen Beigaben auf das
zleiche späte Datum geführt werden. Für das berühmte
+ürtelblech von Watsch, welches von dem Prinzen
IRNST ZU WINDISCHGRÄTZ gefunden und dessen Fund-;telle
von mir genau untersucht wurde, sind zwei in
lem Besitze des k, k. Hofmuseums befindliche kleine,
zweigliederige Certosa-Armbrustfibeln, deren Fuss statt
1) BARon SackKen, 1. c. Taf. XIX, Fig. 9.
2) Dr. M. Homryes, Die Gräberfelder an der Wallburg
ron St. Michael bei Adelsberg in Krain, diese Mitth., Bd.
KVIIT, Taf. IV, Fig. 4—6,
3) Dr. Inevaıo UnDser, Das erste Auftreten des Eisens
n Nordeuropa, Deutsche Ausgabe von J. Mzsrorr. Hamburg
1882, pag. 20. Siehe ferner die Nachweise daselbst pag, 522,