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Es ist ein Epulum dargestellt, ein mit Spielen verbundener
Festschmaus, d. h. eine bis in die späte
Römerzeit hinein besonders beliebte Form italischer
Götterverehrung.
Wir besitzen darüber vorzugsweise römische Nachrichten;
aber es heisst in denselben ausdrücklich, dass
Etrurien das Mutterland dieser Cultushandlungen gewesen
sei. Schon der vierte König Roms, Ancus MAroivs,
gründet nach Lıvıivs I, 35 eine Rennbahn für die
jährlichen ludi Romani oder Magni: „Ludicerum fuit
equi pugilesque ex Etruria maxime acciti.“
(Im Spiele waren zu sehen Pferde und Faustkämpfer,
meist aus Etrurien herangezogen.) An die Spiele schloss
sich regelmässig der Festschmaus, von welchem Lıvıvus
an vielen Stellen (XXV, 2; XXVII, 36; XXIX, 38;
XXX, 9; XXXI, 4; XXXII, 7; XXXII, 42) berichtet,
meist mit den Worten: „Et epulum Jovis fuit ludorum
causa“ (und es gab einen Jupiter-Festschmaus
der Spiele wegen).
Bald nach dem zweiten punischen Kriege (196
vor Christo) wurden die tres (später septem) viri epulones
zur Besorgung dieser Schmäuse in’s Leben gerufen,
und ein heiliger Wettkampf, wie auch die von AuGust
gegründeten actischen Spiele, war in Rom immer mit
einem Opferschmaus verbunden (Dio Cass. LI, 1). Bei
den „Grossen Spielen“ ging den Circuskämpfen eine
feierliche Procession voraus; auch von einer „probatio
8quorum“ ist die Rede!). Den Ursprung all dieser
schönen Dinge dürfen wir unbedenklich in das (jedoch
schon hellenisirte) Etrurien zurückverlegen, wo uns in
den Wandgemälden tarquiniensischer Grabkammern auch
Bildwerke darüber vorliegen, Beiläufig sei hier noch
auf ein Thongefäss von Clusium verwiesen (Micali,
Mon. Ant. tv. 20 n. 19 = MüöLLER-Wıssener, D. d.
a. K. I, 284), welches in stumpf eingedrückter Darstellung
zwei sitzende, von Dienern umgebene Zecher
und daneben ein Zweigespann zeigt, dessen Lenker (als
Wettfahrer) den Leib ebenso rechtwinkelig über die
Wagenbrüstung krümmt wie die Wagenlenker auf
unserer Situla, Das Wagenrennen nimmt auf der letzteren
den breitesten Raum ein, Es sind vier Gespanne
in ziemlich einförmiger Weise hintereinander dargestellt.
Nur der Lenker des ersten sieht sich als voraussichtlicher
Sieger nach seinen Coneurrenten um, ein Motiv,
das auch griechische Darstellungen kennen, (Vgl. z. B.
die Wettreiter auf einem Vasenbilde in GERHARD’S Trinkschalen,
Taf. 14, wo der eben beim „Pfosten“ anlangende
Sieger den Blick nach den geschlagenen Mitbewerbern
zurückwendet. Auf diesem Vasenbilde sehen wir auch,
wie auf unserer Situla, den zurückbleibenden Reiter
sein Pferd mit der Gerte bearbeiten ?). Das sind lauter
1) Die probatio equorum ist vielleicht auch in jener
Gruppe der Situla Benvenuti von Este zu erkennen, wo ein
Mann den Hinterfuss eines Pferdes aufhebt, das von einem
zweiten sitzenden und trinkenden Manne am Zügel gehalten
wird. Unmittelbar daneben finden wir das Schankgerüste und
den Faustkampf. Ich habe jene Gruppe früher für sinnlos gehalten
bin nun aber. doch geneigt, darin (wenn auch in starker
Abbreviatur) Bedeutung und Zusammenhang zu erblicken.
?) Auch auf der Ciste von Moritzing, welche jetzt Franz
7. Wırser mit Ausschluss nicht zugehöriger Bruchstücke so
zleine Züge, die auf bessere Vorbilder hindeuten.
Ibenso der Hahn hinter den beiden Reitern, das
Symbol des Wettkampfes in der archaischen Vasennalerei
der Griechen, ferner die Doppelruthe der beiden
fampfrichter bei den Pugiles (vgl. dieses Attribut in
JERHARD’S Auserl. Vasenb., Taf. 271; Mus. Pourtalös,
Taf, 26). Auch der Mann hinter den beiden Reitern
scheint eine ordnende Function zu erfüllen und mit
;rhobener Hand einen Kampfrichterstab oder Aehnliches
zu halten. Nach unseren Begriffen wäre er als „Starter“
‚u bezeichnen, Ob es dieselbe Figur ist, welche mit den
7üssen nach links gewendet steht und die zweite (geıenkte)
Doppelruthe hält, erscheint zweifelhaft, da das
jefäss hier arg zerbrochen war. Möglich wäre es
mmerhin, und eine Verschmelzung zweier Figuren der
rorlage darin zu erblicken, Ganz frei von sinnlosen
Jetails ist ja die Darstellung nicht gehalten; der
rorderste Wagenlenker hat einen Vogel auf dem Rücken
ätzen, wie z, B. drei Thierfiguren auf der Situla von
Natsch, wo die Nachbildung eines griechischen Motives
rorliegt, (vgl. diese Mitth,, Bd. XIV 1, c.); Zu einer
ier anderen Figuren sieht ein grosser, auf dem Boden
tehender Vogel mit gerecktem Halse empor, wie auf
inem Chiusiner Henkelkrug bei Micali, }. c. tv, 22
= MüöLLER-WissEeLgr, 1, ec, I, 280. So finden wir durchyegs
Analogien mit griechischen und etruskischen
Werken; nur dass sich dieselben keineswegs auf Denknäler
alterthümlichen Stiles beschränken, sondern auch
lie Uebernahme jüngeren Formengutes verrathen, Hinichtlich
der Pugiles wäre es ermüdend, aufzuzählen,
wie oft sich solche in etruskischen Darstellungen finden.
Täufig sind beim Faustkampf Flötenspieler anwesend,
vas auch in oberitalischen Arbeiten noch durchblickt,
venn z. B. auf der Situla von Watsch einer der Zecher
lie Syrinx bläst!) oder auf dem Centosa-Eimer ein
Syrinxbläser und ein Leierspieler einander gegenüber
#itzen, während die beiden Faustkämpfer (oder Mimen)
vuf den löwenköpfigen Enden der Kline zu stehen
;cheinen, Nicht selten erscheint auch der Kampfpreis
;wischen, d, h. neben den beiden Faustkämpfern aufzestellt.
In einem Wandgemälde, Mus, Greg. II, 92,
;ehen wir wenigstens den leeren Ständer auf der ervähnten
Sedia Corsini, Mon del inst. XI. 9, 3, dagegen
len Helm ohne Ständer; auf einem Chiusiner Wandzemälde
ibid. V, 16, 3, scheint das ZdAov der Fausttämpfer
bedeckt auf einem Stuhle zu liegen. Auf dem
Situla-Fragment von Matrei und auf dem Sessel Corzlücklich
reconstruirt hat (Die Bronzegefässe von Moritzing,
ferdinandeum, III. F., Heft 35, Innsbruck 1891, Taf, I), finden
vir in der obersten Reihe eine Vereinigung von Wagenfahrten
ınd Pferderennen. Von den letzteren ist zwar nichts erhalten
ıls die Hand eines Reiters (des zurückbleibenden von zweien
)der mehreren), welcher weit nach hinten ausholend die Reit-‚erte
schwingt; aber die Vergleichung mit der Situla von
Suffarn, welche Wırser zur Zeit seiner Arbeit noch nicht
ıäher kannte, setzt ausser Zweifel, dass wir es hier nicht,
vie der Genannte annimmt, mit dem Ueberrest eines Wagenenkers,
sondern mit dem einer Reiterfigur zu thun haben.
1) Ein anderer hält einen oben getheilten blattförmigen
tegenstand in der Hand; vielleicht ist es nur eine der miss-'erstandenen
Doppelruthen, welche den Mastigophoren beim
"austkampf zukommen.