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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 11=21.1891

42]

Prähistorischen Ansiedlung und des
Gräberfeldes am Burgstall-Berge bei
Oedenburg,

welche damals theils von Professor Lunwıg BELLA in
Vedenburg allein, theils in Anwesenheit des Custos am
k. u. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien, JoszEr
SZOMBATHY, und des Dr. Orro MÜLLER aus Wien vorzenommen
 wurden,
Nachdem hierüber bereits Dr, Orro MöLLER in den
„Mittheilungen der Anthropologischen Gesellschaft in
Wien“, Bd. XVII, neue Folge Bd. VII, vom Jahre 1887,
Sitzungsberichte S, [79-—83] berichtet hat, die Berichte
des Professor BELLA im Archäologiai Ertesitö, VIII Bd.,
neue Folge, vom Jahre 1888, S. 354—360, weiter
unten auszugsweise, und ebenso aus Arch. Ert., IX. Bd.,
neue Folge, vom Jahre 1889, S. 357—366, später
gebracht werden und demnächst eine grössere Publication
 über die vorjährigen Ausgrabungen in diesen
Blättern erscheinen wird, so wollen wir von jenem
Berichte des Vıcror Ruosey nur rühmend hervorheben,
dass er den Zweck verfolgte, auch die ungarischen
archäologischen Kreise auf jene interessante prähistorische
 Fundstätte aufmerksam zu machen.
7. Ju1Lmus DunÄs berichtet S, 157—158 über
prähistorische Bronzefunde bei Cs6ka im
Torontaler Comitate (Südungarn im Banate) an der
Theiss,
In der Theissebene bei Csöka erheben sich einige
allem Anscheine nach künstlich von Menschenhand
zusammengetragene Hügel, darunter ein besonders
grosser in den Weingärten nächst der Theissüberfuhr
westlich von Csöka. Steingeräthe und auch Urnen
wurden in diesen Weingärten schon wiederholt gefunden.
Ebenso ist der Höhenrücken, von den Serben „Kremenya“
genannt, angeblich deshalb vom Volke so bezeichnet
worden, weil dort viele Feuersteinstücke gefunden
wurden; jetzt findet man noch häufig dort uralte Thongefässscherben,
 Alles das weist auf einen prähistorischen
 Ansiedlungsplatz bei Cs6ka hin.
Den bedeutendsten Fund machte ein - Feldarbeiter
am Östlichen Ende des Dorfes, bestehend aus einer
Anzahl von Bronzegegenständen, welche neben einem
Menschenskelet in einer Tiefe von 1m unter dem
Boden lagen. Es waren 6 scheibenartige Bronzebleche,
welche in abnehmender Grösse aneinander gereiht
waren und wahrscheinlich eine Kleidverzierung (Anhängsel)
 bildeten; auf der convexen Seite sind sie
ornamentirt, auf der concaven Seite haben sie kleine
Oehre zum Anheften. Bruchstücke eines bronzenen
Schwertgriffes und der Klinge, endlich ein eigenthümlicher
 walzenartiger Bronzegegenstand mit drei Ausästungen
 beweisen, dass diese Sachen aus prähistorischer
 Zeit stammen.
8. Aus „Allerlei“-Mittheilungen ist hervorzuheben:
a) S, 175. Erwerbungen der Münzen- und Alterthümer-Sammlung
 des ungarischen National-Museums
 in Budapest in der Zeit vom September
bis Ende December 1887:

Steinwerkzeuge und Thonscherben vom Burgberge
dei Peeczel (im Pester Comitate),
3 Steinwerkzeuge von Oroszlän (im Komorner
Jomitate),
2 Kupferbeile (Csäkänye) aus dem Baranyaer
‚Fünfkirchner) Comitate,
1 Kupferhammer (gekauft) unbestimmter Provenienz,
34 Goldreifen und Ringe verschiedener Grösse aus
ler Umgebung von Kaschau,
21 Bronzestücke von der Donauinsel Nagy-Kajdäecs
um Tolnaer Comitate),
Topfscherben aus dem Ende der Bronzezeit von
Felsö-Szöcsö in Siebenbürgen,
1 Thongefäss aus der La Töne-Zeit von P61 (im
Tolnaer Comitate) mit Triquetrum- und Mäander-Ornanenten,

1 goldener Halsring (Torques) aus der La Töne-Zeit
 (?), unbestimmter Provenienz (gekauft),
b) S. 182. Zu Gran-Lök wurde ein „eimergrosses“
 Thongefäss (Urne ?), enthaltend Aschen- und
Kohlenreste, am sogenannten „Heiligen-Berge“ gefunden,
c) S. 186. Am südlichen Abhange des „Gerharts“-der
 „Blocks-Berges“ bei Ofen (Budapest), im
Weingarten des Josef Töth, wurde im April 1888 ein
römischer Opferaltar gefunden, welcher von Titus
Flavius Titanus, „Augur der Aravisker Gemeinde
Civitas Eraviscorum)“ und Genossen dem Jupiter
zeweiht wurde. Dieser Opferaltar (Ara) stammt aus
lem 3. Jahrh. n. Chr. und beweist, nachdem an dieser
Stelle schon mehrere römische Inschriftsteine mit
zeltischen Personennamen gefunden wurden, dass
aier bei Ofen der Sitz der keltischen Aravisker in der
Römerzeit war.
9. Von Dr. Morız Hoxrexes in Wien wird in unga-:ischer
 Sprache die Uebersetzung einer Abhandlung
zebracht, welche die Geschichte und den Fortschritt
ler „Prähistorik in Oesterreich“ zum Gegenstande
 hat.
Dieser Aufsatz besteht aus 3 Abschnitten: Arch.
irt., VIN (neue Folge), S. 221—227, ebenda S. 303—310
ınd IX, S. 45—50. Dr. Hozrygs hat diesen Gegen-‚stand
 zwar etwas kürzer, aber übersichtlich in seinem
Vortrage, den er bei dem Anthropologischen Congresse
zu Wien im Jahre 1889 hielt, behandelt, und verweisen
 wir diesfalls auf die „Mittheilungen der Anthro-9ologischen
 Gesellschaft in Wien“, Bd. XIX, Sitzungsverichte,
 S. 68—72,
10. Beschreibung der „südungarischen und
‚iebenbürgischen Museen“ von Dr. VALEentin
Xuzsinszgy, S, 238—248 und S. 336—343 mit
[2 Abbildungen.
a) Das Somoayı'sche Museum in Szegedin
nthält aus der Steinzeit einige Quarz- und Obsidiannesser,
 einen polirten Steinmeissel und ein durchöchertes
 Steinbeil. Die Gegenstände aus der Kupferzeit
1at Franz PuLszKy in seinem Werke: „Die Kupferzeit
n Ungarn“, pag. 29 und 30, besprochen. Von Bronzeregenständen
 sind 2 Meissel und insbesondere die
“unde bei Röszke bei Szegedin erwähnenswerth,
            
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