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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 11=21.1891

- 14

(Hromnice), an welch’ letzterem die Lichtmess-Kerzen
(hromnice) geweiht und dann bei verschiedenen Gelegenheiten
 angezündet werden, wie z B. bei herrschendem
 Gewitter gegen Blitzschlag, bei Gebeten
‚ür Kranke oder Verstorbene u. Ss. Ww.
Ehemals haben die Heiden auch Feuer bei Begräbnissen
 und an verschiedenen Festtagen auf den
Gräbern ihrer Vorfahren gebrannt !), welcher Brauch
sich nunmehr im Brennen der Lichter auf den
Gräbern der Verstorbenen erhalten hat. Sonst werden
 auch Lichter in der Kirche und zu Hause
bei Gebeten für die verstorbenen Verwandten und
Freunde, sowie auch oft bei anderen Gebeten gebrannt,
 Ueberhaupt hat das künstliche Feuer bis auf
den heutigen Tag in verschiedenen Gebräuchen, Sagen
sowie im Aberglauben eine so grosse Bedeutung
beibehalten, dass das Brennen desselben fast als
Verehrung angesehen werden kann, und es mag
HAyeg von Lisocan wohl Recht haben, wenn er bei
Erwähnung der Feuer-Anbetung bemerkt: dass sich
— wie dafür gehalten wird — die Seelen der Verstorbenen
 im Feuer von ihren Sünden reinigen.
Wie oft und zu welchem Zwecke noch Feuer
und Licht gebrannt wurde, erhellt aus manchen
Aberglauben, Hexereien und auch aus Sprichwörtern,
So sagt man beispielsweise, wenn Jemand in ein
Mädchen verliebt ist und sich um ihre Gunst bewirbt,
 dass er: „za ni pälf“, d. i. brennt für sie
(etwas). Wenn man sich bei Jemandem einschmeicheln
will oder ein unliebsames Opfer bringt, sagt man:
„Certu v musi taky nökdy svicka rozvitit“, d, i.
auch dem Teufel muss man manchmal ein Kerzlein
anzünden.
Was für eine Verehrung dem Feuer erwiesen
wird, beweisen auch nachstehende Gebräuche und
Sprichwörter:
Am Herde darf das Feuer niemals mit Wasser
gelöscht werden, sonst würde der böse Geist (Lindwurm
 oder Teufel) Zutritt in das Haus gewinnen.
Prager Kreis.)
Wenn ein neues Haus oder eine neue Wohnung
bezogen wird, beten die neu Eingezogenen beim
Anzünden des ersten Feuers, auf welchem gekocht
wird. (Podbrder Gau.)
1) Vergl. weiter unten „VySehrad“, dann die gebräuchlichen
 Friedhofsfestlichkeiten am zweiten Tage nach dem
Kirchweihfeste und .sonst am dritten Osterfeiertage und an
Pfingsten, vor Allem aber am Tage und Abend von „Allerseelen“
 u. s w., wo auf den Gräbern Lichter gebrannt
werden.

Wer auf das Feuer spuckt, dem fällt die Zunge
ab. (Prager Kreis.)
Schliesslich muss ich noch der Freudenfeuer
»rwähnen, welche bei verschiedenen Gelegenheiten,
ıber seltener, gebrannt werden. Dieser Brauch datirt
ıuch aus der Heidenzeit und dürfte mit den oben
»esprochenen Hexenfeuern im Zusammenhange stehen,
Ja sie den Göttern ohne Opfer, nur zu deren Ehren
der zur Danksagung und Verherrlichung angezündet
wurden.
Der Brauch, Freudenfeuer zu machen, erhielt
sich durch das ganze Mittelalter bis auf unsere Tage;
wie lebhaft er geübt wurde, erhellt daraus, dass im
Jahre 1517 der Stadtrath von Prag auf der klei-1eren
 Insel zu Ehren der M. M. Hus und Hieronymus
»n solches veranstaltete‘). Als im Jahre 1867 die
»öhmische Krone nach Prag zurückgeführt wurde,
yurden überall in Böhmen, auf Bergen, Anhöhen und
anderen Orten, grosse Freudenfeuer bis über Mitternacht
 hinaus erhalten.

Die Skeletgräber von Zizkov.
Im Jahre 1872 wurden in der Vorstadt Zizkov
Skelet- und Brandgräber entdeckt, von welchen uns
n den Pamätky Archaeologick€ (Bd. X,
9. 70 sqq.) leider nur ein oberflächlicher Bericht
‚orliegt. Wir erfahren aus demselben blos, dass
;ines von den gefundenen Skeletten bronzene Ringe
ın den Händen und Füssen trug, gestreckt dalag
ınd dass dessen Kopf auf einem Steine ruhte; über
lie Brandgräber findet sich nichts Näheres verzeichnet,
 ausser dass dieselben calcinirte Knochen
ınd Scherben von rohen Gefässen enthielten. Von
len 22 Skeletten, welche aufgedeckt wurden, sollen
O0 in einer Reihe nebeneinander, die anderen aber
zerstreut gelegen sein.
Von den daselbst gemachten Funden sind zu
‚erzeichnen: Thongefässe, welche auf der Töpfer-‚scheibe
 verfertigt wurden, Fibeln, Armringe und
zleine Blechbeschläge aus Bronze, Aus Eisen: zwei
3chwerter, von welchen das eine über 95 cm lang
var, ein Griff von einem Dolche, eine Lanzenspitze
ınd ein kleiner Steigbügel. Aus Gold: Fingerringe
ınd drei Münzen; aus Silber: zwei barbarische
Tünzen und schliesslich Knochen von Hausthieren.
7on diesen Objecten gelangten blos zwei Münzen,
nige Fibeln und Ringe, eine Bronzeplatte und die
Situation des Skeletgrabes zur Abbildung.
1) B, Seript. rer. boh. p. 408
            
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