bislang vermissen. Es dürfte sich hiezu kein Object
geeigneter erweisen, als eben diese nadelförmigen
Stäbe. — Aus den jüngeren Zeiten des Heidenthumes
finde ich auch bei Thietmar (+ 1018) einen
Anhaltspunkt für diese Annahme, indem dieser Chronist
(in seiner Chronik VI, 17 sqq-) sagt, dass in
Riedegast die heidnischen Priester aus gemachten
Strichen wahrsagten. Auf Rügen pflegten auch die
Frauen am Herde in die Asche Striche zu machen,
us deren Zahl, ob gerade oder ungerade, gewahrsagt
wurde.
Zu solchem Zeichnen der Striche in der Asche
der im Sande u. s. w. musste man sich natürlich
Jer Nadeln oder Stäbchen bedienen und, weil diese
Verrichtung bei religiösen Zwecken eine ceremonielle
war, muss man, den dazu nöthigen Geräthschaften
Rechnung tragend, dieselben auch unter den vorgeschichtlichen
Objecten suchen und ausfindig machen,
— Nicht ohne Belang für diese geheime Zeichenkunst
erscheint auch der slavische Name für die
Hexerei und Zauberei, indem derselbe Carati und
Garovati heisst und davon Cäry und Cars (Zauberei)
und Earode6j, Carodejnik und Carodeicı
‘Zauberer, Hexenmeister) entlehnt erscheint. Aber
Zaratı, Carovatı und Eratati bedeutet auch so
viel als Striche oder Zeichen machen (incidere), und
äry und Örzty so viel als Striche, Zeichen *).
Sonach dürfte auch die Benennung der Zauberei von
Jen wahrsagerischen Strichen und dem Zeichenmachen
herzuleiten sein, zu welchem Zwecke — wie gesagt —
ein besonderes Instrument nöthig war, umsomehr, als
es zu geheimnissvollen und religiösen Zwecken Verwendung
finden sollte.
Diese langen Nadelruthen dürften also als
zeremonielle Zeichenstäbe und als Abzeichen jener
Persönlichkeiten anzusehen sein, welche sich mit
der Wahrsagekunst und mit Zeichendeuterei befasst
haben. Auch die gleichzeitige Beisetzung der Leiche
neben Brandgräbern hat gewiss etwas Rituelles
an sich und ist nicht zufällig und ohne Ursache
geschehen. Der Stand und die Verdienste bewirkten
bei den Heiden nach dem Tode, sowie bei Lebzeiten,
‘mmer einen Unterschied unter den Menschen,
1) Auffallend erscheint das aus dem Slavischen entlehnte
italienische ciarlatano und das französische charlatan.
Auch die slavische Benennung des Teufels: ört, Gert, Cort,
art und cart dürfte ihren Ursprung dem Grundbegriffe
von Cars verdanken und der Name der Schriftkundigen,
Zeichendeuter und Zauberer selbst auf‘den Teufel übertragen
3e10.
Aus der grossen Gräberstätte von Liben besitzt
jas städtische Museum in Prag fünf Collectionen
ron verschiedenen Fundobjecten, welche aus den
3räbern vom Libußlin, aus der ehemaligen Feldfiur
x St. Ludmila, aus den Ausgrabungen von Balajenka,
aus dem Hofe Kotlaska und schliesslich aus
len Ausgrabungen in der Stadt Liben selbst herühren.
So viel bisher festgestellt werden kann,
anden sich überall ausser Libusin (wo nur Urnenyräber
vorkommen) Urnen-, Kessel- und Skeletzräber
vor, und es ist demnach schwer zu bestimmen,
welche einzelnen Objecte diesen oder jenen Gräbern
ıngehören. Nur vermuthungsweise kann man die
zrossen Gefässe für Urnen ansehen; alles Uebrige
st ganz zweifelhaft, umsomehr, als die keramischen
”roducte und auch fast alle übrigen Gegenstände
ıbwechselnd in Brand- und Skeletgräbern vorzommen.
Unter solchen Verhältnissen ist es ange-;eigt,
die einzelnen Fundobjecte nach ihren Fundırten
anzuführen, und ich beginne daher mit den
iltesten und gleichzeitigen Ausgrabungen auf der
3alabenka und in dem südlichen Theile von Liben,
welcher sonst zur Balabenka gehörte.
Funde aus der Balabenka-Liben.
Ausser dem oben erwähnten Skeletgrabe wurde
ınweit desselben (ca, 20 m) ein becherförmiger
Crug gefunden, von welchem ich blos so viel in
Crfahrung bringen konnte, dass keine Knochen
el ihm gelegen waren. Dieser Krug, Fig. 15 (1/4),
st aus feinem Thon verfertigt, glatt, mit einem lackırtigen
Ueberzug versehen und mit ringsum laufenden,
‚ingedrückten, punktirten Ornamenten verziert. Die
Jöhe und Mündungsweite beträgt 11 cm und der
3oden 2:5 cm im Durchmesser, Etwas ungewöhnlich
rscheint der Henkel, welcher bei dieser Art von
jefässen selten vorkommt. Man schreibt derlei Geässe,
welche von mehreren Orten Europas bekannt
ind, der Steinzeit zu. In Böhmen kommen ähniche
Gefässe und Scherben von solchen hauptsächich
in der Umgebung von Prag vor. Das Landesnuseum
in Prag besitzt zwei derartige Gefässe
zon Kralup; ein anderes wurde am Smichov
ınd ähnliche bei Markovic, Polep, Steloves
ind beim Baue der Bustehrader-Bahn gefunden.
scherben von solchen Gefässen kamen auf dem
Tradist& in der Sarka und in Liben vor. Sonst
‚reten ähnliche Gefässe auch in Mähren auf und
ainige wenige befinden sich in Mainz und in Kiel,
Scherben dieser Gattung aus gleichem Material und