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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 11=21.1891

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seinem oberen Rande mit langgezogenen gestrichelten
Dreiecken ornamentirt; vorne ist dieselbe Stelle unverziert,
 dafür läuft unten ringsumher ein doppelter
Ornamentsaum und in der Mitte erscheint auf jeder
Seite ein 11l- (resp. 12-) zackiger Stern, dessen
Centralpartie leicht erhoben ist. Diese Sterne sind
Ornamente, wenn wir uns die Figur mit einem Kragen
bekleidet denken; erblicken wir aber in jenen Randwülsten
 die Arme, so haben wir hier die Brüste der
Figur in einer allerdings mehr schematisch-symbolischen
 als naturalistischen Darstellung zu erkennen.
Noch schwieriger ist die Deutung eines dritten
13zackigen Sternes, der sich zwischen den von den
beiden Halsringenden gebildeten Spiralen, also auf
der Kehle der Figur, befindet. Man hat da nur die
Wahl zwischen der Annahme eines so seltsam dargestellten
 Mundes oder einer blos schmückenden Zuthat.
 Sollte jener Stern den Mund bezeichnen, was
ich nicht glaube, so hätte man die Dreiecksfigur,
welche sich unmittelbar an die Nase anschliesst und
allerdings vertical getheilt ist, als die Nüstern des
sonderbaren Kopfes aufzufassen, M. Vanrrovic, der
die Autopsie des Originales vor mir voraus hat,
hält jenes Dreieck für den Mund und den Stern für
die Andeutung des Kinnes, was immerhin als möglich
 bezeichnet werden darf, aber nicht sehr wahrscheinlich
 ist.
Um die Mitte des Leibes läuft der Gürtel in
Gestalt eines breiten, offenbar gewebten Bandes.
Dasselbe ist in seiner oberen Hälfte horizontal gestreift
 ; den unteren Saum bildet ein Zickzackstreifen,
oberhalb dessen eine schmale Zone mit kleinen
Verticalstreifen erscheint. Vom Gürtel fallen, ähnlich
den dvodvoıg am homerischen Frauengürtel (Il. Z 185),
ringsumher, die man namentlich auf der Rückseite
der Figur deutlich sieht, Schnüre oder Kettchen
herab, an welchen Zierscheiben (durch je 3 concentrische
 Kreise mit Centralpunkt ausgedrückt) herabhängen.
 Die Zahl derselben würde nach Massgabe
Jer rückwärts sichtbaren 9 Stück etwa 16—18 solche
Anhängsel betragen. Möglicherweise sind sie von
ginem nicht sichtbaren Ledergürtel ausgehend zu
denken, über welchen der Stoffgürtel umgelegt ist.
Von letzterem fällt vorne, zum Theile die erwähnten
Anhängsel bedeckend, eine kurze Schürze herab, welche
in ihrer oberen Hälfte mit 2 Zickzackstreifen, in der
unteren abwechselnd mit Gruppen von Verticalstreifen
and mit schräg gestrichelten Dreiecken gemustert ist,
Oberhalb des Gürtels sieht man 3 langgezogene
schräggestrichelte, mit den Spitzen emporgekehrte

Dreiecke, welche der Stickerei des Gewandes
ıngehören, Die letztere bedeckt zuletzt den Rock in
jeiner ganzen unteren Hälfte derart, dass ein Zick-;ackband
 und ein schmaler, vertical gestrichelter
jaum den unteren Rand bilden (vgl. die Einfassung
‚es Kragens und der „Mütze“), während ein zweites
xräftigeres Zickzackband (wie am Gürtel und an der
Schürze) den übrigen, schachbrettartig gemusterten
Intertheil des Rockes horizontal durchschneidet.
Durch Reihen kleiner Kerbstriche sind endlich am
<opfe die Ränder der Ohrmuscheln, dann die Augen-»rauen
 und die Nasenlinie kräftiger betont. Die Augen
jestehen aus dreifachen concentrischen Kreisen, welche
yanz ebenso gemacht und genau so gross sind, wie
lie Zierscheiben des Gürtelgehänges.
Die gesammte Decoration der Figur ist nach
VALTROVIG mit einem spitzigen Spatel oder Stichel
n den weichen Thon eingegraben, und es sind nachıer
 die Vertiefungen mit einer weissen kreidigen
Masse ausgefüllt. In dieser Ziertechnik arbeitet bezanntlich
 die prähistorische Keramik vom östlichen
ittelmeergebiete an bis zu den Ufern des Atlantischen
 Oceans, während der Bronzezeit sowohl, als
uch in der Hallstatt-Periode; und in der Keramik
ler Schweizer Pfahlbauten liegt uns namentlich eine
Tülle von Belegstücken dieser feinen und wirkungsrollen
 Decorationsweise vor!). Viele Sammlungen
zeben uns auch Gelegenheit, die häufige Anwendung
Jerselben in der ältesten Metallperiode Cyperns, wo
nit Vorliebe kleinere flaschenförmige Gefässe, aber
zuch Schalen und Thierfiguren, jedoch meist auf glänzend
 rothem Grunde dergestalt mit weissen geometrischen
 Figuren überzogen werden ”), kennen zu lernen,
Nach Vanrrovic’ Angabe scheinen auch die beilen
 verloren gegangenen Gefässe aus dem Funde
von Klicevac in dieser Technik verziert gewesen zu
sein. Das erhalten gebliebene dritte Gefäss ist eine
nnen und aussen schwarze, unverzierte Schüssel von
5 cm Höhe und 18 cm Mündungsdurchmesser, Der
zeschweifte Mundsaum ist 5 mm breit. Sie hat einen
unedrigen Fuss und vier Ansätze, ist aus freier Hand
zeformt und zeigt an der Aussenseite Kohlenreste.
ı) S. z. B. Gross, Protohelvötes, Taf. 33.
?) Proben s. z. B, in Cesnola, Cypern, Taf. 13. Ich muss
ıler ausdrücklich bemerken, dass dieselbe Decorationstechnik
nsbesondere auch an jenen bereits erwähnten hallstättischen
Pundplätzen Mitteleuropas geübt wurde, wo wir den Aeusseungen
 des plastischen Triebes begegnet sind; so z. B. in
‚engyel (Wosmnsxry, 1, c. II S. 4 ff), Oedenburg, Gemeinlebarn,
°jlichsdorf u. s. w. Bekanntlich ist sie auch in Hissarlik
ı1achgewiesen.
            
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