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Näpfchen und Vögelchen, ganz im Geschmacke der
prähistorischen Keramik Cyperns, erscheinen auf dem
Rand einer grossen Fussschale aus Oedenburg *),
vier Näpfchen auf einer bombenförmigen Urne aus
Gemeinlebarn ?), acht urnenförmige Miniaturgefässe
auf dem Halse einer grossen Urne aus Rabensburg ®),
kleine Vögelchen rings umher auf dem unteren
Rande und auf dem Scheitel hoher, mützenförmiger
Thongefässdeckel von Pillichsdorf im östlichen Niederösterreich
4), vier Stierköpfe häufig als Urnenansätze
in St. Margarethen (Ostkrain), auf der Wies (Steliermark
5 u. s. w., u. s. w. Das Alles sind Erscheinungen,
die sich für Jedermann verständlich aneinanderschliessen.
Ihnen ist es auch anzureihen, wenn
eine grosse schwarze Urne von Marz einen doppelten
Hals und Mundsaum besitzt ®), wenn sich in Oedenburg
so häufig ganze Doppelgefässe finden, die nur
einen Theil der Wandung und etwa den Henkel
miteinander gemeinsam haben”). Auch in diesen
Dingen müssen wir eine Bereicherung der Formensprache
erblicken, wenngleich der Zuwachs nicht
immer als ein glücklicher bezeichnet werden darf.
Die plastische Neigung dieser ostmitteleuropäischen
Keramik drückt sich aber auch auf anderen
Wegen aus. So in der Anbringung reliefartig
hervorragender, statt vertieft eingeritzter
Ornamente, Diese Geschmacksrichtung finden
wir stark vertreten in Ungarn (Lengyel®), Oeden-1)
Diese Mitth, XXI. Sitz.-Ber. f. December 1891.
') SzomsaATAayY, 1, c. Taf. 2, Fig. 9,
) Mucy, 1, ©.
1) F. Hecer, Der Tum. b. Pillichsdorf. Diese Mitth.
Bd. IX, Taf. 3, Fig. 2,3. Vogelfiguren als Deckelgriffe: UNDserT
in Zeitschr. f. Ethnol. 1890, S. 136, Anm. 1. Er hält sie für
ein „ursprünglich griechisches Motiv“, was wohl kaum zuireffen
dürfte,
5) SzomBaTAy, 1. c. S. 76, Anm, 1.
) R. Houranss. Eine Doppelhalsurne von Marz. Diese
Mitth. Bd. XX, Sitzb. S. 81, Fig. 20. Doppelhalsgefässe (allerdings
anderer Form) aus Cypern: Cesnola, Cypern, Taf. 13
links unten und 16 rechts unten, aus Hissarlik: SCHLIEMANN,
{lios S. 430, Fig. 358 u. 8. 431, Fig. 359.
7) Diese Mitth. Bd. XXT, folg. Heft u. Sitzb. f. December
1891. Doppelnäpfchen, die durch einen kurzen dicken Steg
aneinander gekuppelt sind, finden sich, untereinander sehr
ähnlich, in der Lausitz (BemLA, Die Urnenfriedhöfe m, Thongf.
d. Laus. Typ, Taf, 1, Fig. 17) und in Ungarn (z. B. Tököl
auf der Insel Csepel, ein Exemplar im k. k, nh. Hofmuseum).
Verwandtes aus Hissarlik, ScuLieMmann, 1. c. S. 430, Fig. 356.
®) S. z. B. Wosinsey, 1. c. Taf, 7, Fig. 12 u. Taf. 10,
Fig. 48 (nicht zu verwechseln mit der gemeinen Anbringung
eines durch Tupfen gegliederten, erhabenen Umlaufstabes,
was schon in vorhallstättischen Schichten häufig vorkommt.
yurg) !) und Istrien (Castellier von Villanova ?), Gräber
ron Pizzughi®. In letzterem Lande bringt sie es
ıicht nur zu Spiralbändern (sp. corrimi dietro) und
Mäandern, sondern auch zu Reihen von Thierfiguren,
velche aus Thonwülstchen geformt und auf den
Zefässkörper aufgeklebt werden *).
Dieser Geschmack am Derben, Vollen, Runden
steht der älteren Vorliebe für glatte Flächen mit
ein eingeritzten, kleinen geometrischen Mustern
‚jemlich schroff gegenüber und verdrängt sie .auch
vohl stellenweise. Die Keramik der La Tene-Periode
nacht dann zwar von den plastischen „Cordoni“
ler hallstättischen Töpferei in etwas anderer Vervendung
Gebrauch, verschmäht aber gänzlich jenen
'lteren Formenschatz an geometrischen Ornamenten.
Die La Tene-Zeit vernachlässigt überhaupt den
jcehmuck der Thongefässe; und ihr sonstiges Formenut,
namentlich in Ringaufsätzen, schliesst weit eher
ın die zuletzt betrachtete ostmitteleuropäische Gechmacksrichtung
an, als an den Stil echt halltättischer
Erzeugnisse im Westen.
Dazu kommen nun noch die freigearbeiteten
Zundfiguren aus Thon. Oedenburg und Lengyel
1aben die bekannten halbmondförmigen Thonkörper
reliefert, welche namentlich an ersterem Orte eine
"eiche und verschiedenartige Gliederung zeigen 9).
/iereckiger, getupfter Reliefrahmen auf einer Thonplatte,
bid. Taf. 34, Fig. 261. Hakenkreuz en relief, ibid. Taf. 37.
Pig. 292.
1) Hier ist diese derbere Decorationsweise namentlich an
len „Mondbildern“ (wie übrigens auch in Lengyel, Wosınsky,
‚ c. Taf, 37, Fig. 287), dann auf der Innenfläche grosser
“ussschalen und auf der Aussenseite gekuppelter Gefässe
jeliebt, also in sehr charakteristischer Weise gerade an jenen
‚ektonischen Gebilden, deren Ursprung wir auf eine besoniere
Anregung des plastischen Triebes zurückführen möchten,
2) Ined. Reichliche Belegstücke in den von mir für die
Anthr. Ges, ausgegrabenen, jetzt im k. k, Hofmuseum bevahrten
Funden; vgl. diese Mitth, Bd. XXI, Sitzb. S. 38.
8) Amoroso, Le necr. preist. dei Pizzughi, Taf. 2, Fig. 3,
Lt, 10. Die einfachen Cordoni, ibid. Fig. 1; Taf. 3, Fig. 5, und
an so vielen anderen hallstättischen Fundorten im südöstichen
Mitteleuropa fallen unter denselben Gesichtspunkt.
'ch habe auch hier immer nur die Thonplastik im Auge und
sehe von den in Bronze getriebenen Gefässreifen und Figuren
us methodischen Gründen völlig ab.
4) Reliefmäander aus Villanova, ined. im Wiener, Thieriguren
von ebenda, ined. im Museum zu Parenzo.,
5) In Lengyel sind sie mit Ausnahme des bereits in der
\nm. 9, 8.153 eitirten Stückes, welches den Oedenburger Exempolaren
ganz nahesteht, schwerfälliger, grösser, meist fusslos,
ınd erinnern auch durch die geringe Entwicklung der hornörmigen
Enden mehr an kleine Altäre, als an einen bankırtigen
Aufbau oder an Thierfiguren, wie die Oedenburger