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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 11=21.1891

— 150

Das alte Wort scheint brandreite oder brantisen
gewesen zu sein. Vgl. Grımm, Wb. II. 300 s. v.
„Brandreite“, Grımm gibt als Bedeutung craticula,
taedarium an. Auch als Zierrath wurden sie nachgeahmt
 und getragen, vgl. PuımmanD. I. 300. Grimm
a. a. O0. Vgl. mhd. wb. brantreite, brantisen *).
Dagegen citirt ScnuLze, Höfisches Leben *I. S. 55,
aus dem mhd. Gedicht: Dis ist von dem husrate
die Stelle: brantreiden, spis unde Trost, blosbalg,
trifuos (MyıLEer, ‚Altdeutsche Gedichte II, Prermrrer,
Altdeutsches Uebungsbuch Nr. XIV) und übersetzt
brantreiden „ Feuerböcke“, was wohl nicht richtig ist,
Die Stelle aus dem erwähnten mhd. Gedichte
lautet:
Beide spis vn rost der han ich mich aller vertrost
Hauenstein für isin kan ich niergent bewisen
Hoheln vn brant reiden hant sich gar von mir gescheiden
Pfeffer müln mürsel stein der han ich nirgent kein
Blosbalg trifüs ribisen her umbe mus ich grisen
Essich kruge salz vas so ich gedenke was ist das,
Wir finden also Folgendes: Spiess und Rost,
Steine (vgl. mhd. Wb. III, 614), auf denen wohl
die Kochtöpfe standen, Feuereisen, was allein
sich auf einen Feuerbock deuten liesse, Hacheln, der
Kesselhaken und wohl auch der für die Brandreite
(vgl. mhd. Wb. Is. v. hähel), die Kienspanlampe.
Einen lithauischen szibintas beschreibt BEzzEN-BERGER,
 Altpreuss, Monatsschrift IV, Bd. XXUI,
S. 35, nach einem Berichte LernNer’s vom Jahre
1744. Diese muss der zweiten obigen ziemlich ähnlich
 gewesen sein. Vgl. aber auch a, a. O0. S. 47.
LernerR sagt: „Einige haben ein rundes von Leim
und Holz fest zusammen gekleibtes Wesen, welches
sie szibintas, eine Leuchte, nennen ... unten ist es
breit und rund, mitten drin hänget ein Eisen gleich
einer Rost, darauf der Kien oder klein gehauenes
Holz brennet und ihnen Licht im Finsteren gibet;
es gehet etwas zugespitzt durch die Bretter und das
Estreich auf die Lucht, dahin sich der Rauch ziehet,
welchen sie gar wohl vertragen können.“ Eine andere
Vorrichtung beschreibt ScuuLtz (1832): „Der dameläkas
 (Rauchfang) aber dient in der Dunkelheit zur
Erleuchtung des Zimmers mit Kienspänen (Ziburys),
welche auf einem unter dieser Glocke auf dem Tontischehen
 befindlichen eisernen Roste angezündet
werden.

1) Das mhd. Wb. II, 673 citirt aus Diefenbach, Mittellatein.-hochd.-böhm.
 Wb. Seite 161 die Stelle: ipogirgium (ypopyrgium)
 est instrumentum ferreum, quod sustinet ignem,
brantreite.

£. Der indogermanische Herd,
Hat das indogermanische Stammvolk einen Herd
besessen oder aber war die Feuerstelle auf dem
3oden selbst? Darf man also von einem indoyermanischen
 Herde oder nur von einer indogermanischen
 Feuerstelle sprechen ?
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten; jeden-‚alls
 fällt es auf, dass es keine indogermanische
Zezeichnung des Herdes gibt. Von zusammenhänzenden
 Wortsippen ist nur zu nennen:
Eoti@ Vesta Curtius Grdz. * 399. Wegen vestiyulum
 vgl. Hexsıne, Das deutsche Haus, S. 109.
Vgl. Fıog, I * 133.
Herd, cremare.
Dagegen stehen föcus, &oydApa, ab. dista (zu diz)
ıllein. Von diesen Wörtern weist blos das altbaktrische
ıuf die Art des Herdes hin. Ab. dista (Justi disti)
zehört zu diz, aufwerfen, anhäufen ai. dih „beschmieren“,
 got. deigan „aus Thon bilden“, lat. figuius
 etc., vgl, Kıvcz, „Teig“.
Das altbaktrische Wort könnte darnach einen
zemauerten Herd bedeuten, wie dista nahe verwandt
st mit Ttotyog rtelyos. Aber es gibt Bedenken; das
Wort kommt an zwei Stellen vor:
Vd, 8. 235 heisst es: apa a@täm distäm barayen,
‚sie sollen die Scheiterhaufen wegtragen“, übersetzt
SpıEGEL. Jedenfalls kann das fem. dista nicht „Herd“
‚edeutet haben. Das ergibt sich klar aus dieser Stelle.
Vd. 8. 254 ist leider sehr unklar. Ahura wird
zefragt, was der Lohn für einen Mann sei, yo
itarem distat haca . . . ava baraiti, der das Feuer
vom Herde wegtrüge. Srizecr., Uebersetzung, sagt
zu der Stelle, dista „das Aufgehäufte“ könne nur
len Herd bedeuten, Das ist aber doch fraglich.
Sonst enthält der Vers das semitische tantüra „Schmelzfen“,
 und klumba m., das man hier mit „Ofen“
ibersetzt, während man ihm vd. 8. 99 die Bedeuung
 „Topf“ gibt nach ai. kumbhä.
Eines wird als sicher gelten dürfen, dass das
Feuer seine bestimmte Stelle im Hause hatte, und
Jass auf die Feuerstelle etwas von der Verehrung
des Feuers überging.
Sehr gross ist die Verehrung des Feuers, und
zwar des Herdfeuers, bei den Indern des Rigveda
zewesen und das dürfte wohl ein gemeinsamer indozermanischer
 Zug sein *).

1) Vgl. Tyior, Anfänge der Cultur, II S, 282. Die weitverbreitete
 Vorstellung, dass es Sünde ist, in’s Feuer zu
;pucken, ist auch ein Nachklang aus alter Zeit,
            
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