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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 11=21.1891

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baten die Schwagerin, uns etwas zu erzählen. Sie
wehrte ab: „Wer nix g’segn und g’hert hot, glaubt
nix.“ Wir versicherten, dass wir auch an Gespenster
glauben. Nun erzählt sie unter deutlichen Zeichen
von Unbehagen. Alle seien durch das Gespenst „sehr
obplogt g’wesn“ !). Man.habe es oft gesehen: ein
Weib „oltertümli anglegt“. Es hat Holz zerbrochen,
 die Tische gerückt. Ihr Bruder, der 14 Jahre
Soldat gewesen, habe es auch gesehen. Wenn was
zeschah, hat es sich angemeldet. Wenn Jemand in
der Nähe gestorben ist, hat man’s „henna (weinen)
g’hert in da Kommern“. Als der Nachbar Bartler
im See verunglückte ?), „hot dos Marienbild an Folla
on“, Zum letzten Male hat das Gespenst sich gemeldet,
 als ihre Mutter starb, Da hat es noch „ons
Fenster klockt (geklopft)“ und hat die Thür aufgerissen.

Ein anderer Alt-Ausseer hat uns noch Folgendes
arzählt. Man hat die Onewaig öfter ansprechen
wollen, aber Niemand hat es gekonnt, es hat Jedem
Jie Stimme versagt. Als die Onewaig es zu arg trieb,
hat der ehemalige Bergmeister zu verschiedenen
Malen Bergknappen die ganze Nacht wachen lassen.
Diese nahmen aber nichts wahr. Der Pfarrer rieth
den Leuten, die Thüren zuzubinden. Das nützte,
denn die Onewaig konnte sie nicht aufreissen *).

ı) Vgl. dazu die Etymologie des Wortes „Onewaig“ unten.
2) An dem See zunächst der „Seevilla“ ist ein „Marterl“
aufgestellt. Oben sind drei Personen dargestellt, welche im
Eise des Sees einbrechen. Darunter eine Inschrift, welche besagt,
 dass der Franz Grill, vulgo Bartler, mit seinen drei
Kindern am 1. Jänner 1862 hier eingebrochen und ertrunken
 sei.
3) Man sieht, dass die „Onewaig“ ein ganz ordinäres
Gespenst ist; es kann keine anderen als die gewöhnlichen
Kunststücke. Vgl. über das Aufgehen der Stubenthür, das
Fallen von Gegenständen, Gramm, Mythol. III. 328. Ueber das
Anklopfen, Grimm, I. 334.
Die Etymologie des Wortes „Onewaig“ ist so ziemlich klar,
Man kann nur an got.. and-veihan, ahd. weigjan „vexare“
(vgl. ana-wigi „aciem“) denken, ScHMELLER, II. 871 verzeichnet
„anweigen“, Dazu findet sich öfter „Anweigung“ im Sinne
zon „Anfechtung“. Dzrrer machte mich auf die altnord. gullveig
 aufmerksam. Vgl. MÖLLENHOFF, Alterthumskunde Bd, V,
&. 95 f. Ich nehme keinen Anstand, gullveig „Goldhexe“ zu
übersetzen; man kann daran denken, dass *veig die Bedeutung
 „Anfechterin“, „Hexe“ hatte. So lautet ja auch eine
Stelle der Völuspa (das. S. 76) in MüönnEnHorFF’s Uebersetzung :
„Hexe“ nannte man sie — wohin der Häuser sie kam —
die wohlspähe, weise Frau: — sie trieb Spuk — zauberte,
wo sie konnte“. MüniexuorF scheute sich (das. S. 95 Anm.)
an. gullveig und den hochdeutschen Namen Cholduunaih
zu identifieiren. Es scheint, dass es ein abstufendes Nomen,
zerm. *waix — und *wiy — gegeben hat mit dem Sinne

Alt-Aussee, Fischerndorf Nr. 23, Haus
les Heinrich Kain, vulgo „Mühlberger“ (vgl.
fig. 135). Auf dem Tram von Esteht(gemalt) 17 MK 55,
Jazwischen Zweige, welche von einer Schleife zusammengehalten
 werden. Das Haus selbst ist aber
icherlich viel älter, denn der „Stodl“ zeigt die
FTahreszahl 1677. Aus diesem Jahre dürften wohl
vuch die ältesten Theile des Hauses stammen. Das
Jaus ist ganz aus Holz, aussen mit Brettern verschallt.
 Es liegt mit seinen Nebengebäuden allein
uf einem kleinen Hügel. Aussen eine Sonnenuhr.
Jie Fenster sind vergittert und haben aussen Holz-'aden.

@ „Brückl“. „Brückltisch“ hinaufgeschlagen.
A Die Thür, welche in’s „Haus“ führt, ist mit
‚inem Holzschnitte geziert (178.), die heiligen drei
Zönige darstellend. Einige Theile der Gewandung
Jer Figuren sind mit Metallpapier ausgelegt. Rechts
an der Wand eine Bank und ein Schrank, @ Kamin,
YTöhe des „Hauses“ 2:45 m. Neben der Thür, welche
3in schönes, altes Schloss hat, ein kleines Guckfenster.

C Küche; die Thür ist 1:67 m hoch, 80 cm breit,
x Offener Herd. Die wichtigsten Apparate desselben
werden hier skizzirt (vgl. Fig. 136—138).
b Bank, c Tisch (gekreuzte Beine). An der Wand
neben Thür Weihbrunnen und Bilder (Holzschnitte
nit eingelegtem Metall). 1 Crucifix, 1 Spiegel, 1 altes
Slasgemälde (heil. Dreifaltigkeit). An der Wand bei d
sin Schrank. Daneben die „Schüsselrem“. e Ein
3runnen. An der Decke eine „Witosn“,
D. Die Thür ist 1‘50m hoch, 0:80m breit,
% Bett, 6 Truhen,

‚Unhold, Zauberer“, oder einen Verbalstamm mit der Beleutung
 „durch Zauber besiegen“, vgl. ags. vigelere „Zauberer“,
riglian „zaubern“, Mönn.er etym. Wb. der engl. Spr. II 654,
7gl. ags. vig-veordung BeovuLr „Götzenverehrung“, Dem Sinne
ı1ach zunächst steht der germ. Sippe lat. vincere, lit. veikiü,
1ach SenLEicHER Lesebuch „zwingen“, vaikyti „scheuchen“.
7gl. Fıck I® 304; I* 543, Vgl. auch ags. and-vig und anvigvearu,
 Grein, Sprachsatz II. 701,
Durch all das wird allerdings nur der zweite Theil des
Nortes „Onewaig“ erklärt. Dunkel bleibt der erste, denn
1an würde ein „Onwoag“ (on = nasalirtes o) erwarten. Auch
Ahn-weig“ kann es nicht sein. Vielleicht spielt irgend eine
Tolksetymologie, z. B. „Ohne-Weih’“ oder etwas Derartiges
nit herein.
So mag denn „Onewaig“ ursprünglich „Onwaig“ geheissen
1aben und dann volksetymologisch irgendwie umgedeutet
vorden sein. Mucm sagt mir, er habe von seiner Magd das
/erbum „onewaigern“, d. i, „spuken“, gehört. Die Onewaig
‚rinnert stark an GRBILLFARZER’S „Ahnfrau“,
            
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