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Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

RO

vollendet waren, dass in diesem Körper nicht mehr
gegraben werden durfte. Wie oben bemerkt, hatten
lie Arbeiter die Gruben nicht ganz ausgehoben, und
so konnten wir etwa 15 derselben in der Zeit von
7 Stunden, bei tropischer Hitze keine kleine Aufgabe,
lurchsuchen. In der Regel lagen die Gruben in der
abenen Fläche des Materialgrabens und waren gegen
den weissen Flussschotterboden durch ihre schwarzgraue
 oder röthliche Farbe leicht erkenntlich. Alles
zeigte, dass sich seit dem Verlassen dieser Wohnstelle
 der Humusboden kaum um 50 cm vermehrt hat;
wir sehen auch deutlich, dass die Ansiedlung dicht
am Flusse lag, da auf der anderen niedrigen Seite
des Eisenbahndammes keine solchen Stellen mehr
zu finden sind.
Heute fliesst der Kamp etwa 500m von dieser
Stelle, also in keiner grossen Distanz. Die Gruben
hatten, von der Humusdecke aus gerechnet, hier meist
noch eine Tiefe von 2m, eine Weite von oft 3m.
In dem Schotterboden waren sie noch gut 50 cm eingetieft.
 Es fand sich in ihnen eine Menge Knochen
von sehr gutem Erhaltungszustande, und zwar vom
Rinde und vom Pferde; erstere gehörten sehr starken
Thieren an, während letztere einer kleineren Rasse
zuzuzählen sind. Die Aschengruben waren durch und
lurch mit Wasser vollgesogen, auch damals, als es
schon einen Monat nicht geregnet hatte, und doch
war in ihnen alles so gut erhalten. ‘Die Gefässe
waren alle gut geformt, wichen aber in ihrem Typus
sehr von jenen des Urnenfeldes vom Bahnhofe ab;
vesonders viele ornamentirte Scherben fanden sich
unter denselben, auch einer, der gewürfelt rothbraun
and weiss bemalt war; auf mehreren waren die
Ornamente mit dem Kopfe einer Bronzenadel eingelrückt,
 und die Figur stellte in diesem Falle einen
Tannenbaum vor.
Die gehenkelten Gefässe waren weit flacher und
grösser als jene des Grabfeldes, alle graphitirt; es
kamen auch solche mit schraubenartiger Verzierung
vor, ähnlich jenen aus dem oberen Felde. Die meisten
Gefässe waren bauchige Urnen oder ähnlich grossen
Suppentöpfen mit einem Henkel; auch riesige Töpfe
wie jene aus dem Funde von Ziersdorf mit einer Höhe
von mehr denn 60 cm muss es zur Genüge gegeben
haben. Ein kleines Töpfchen fand sich, vielleicht ein
Salbgefäss, mit ähnlichen bogigen Verzierungen, wie
wir sie bei 2 Krügen in Hippersdorf und an 2 Urnen
zu Retz fanden. Auch flache, langgehenkelte schwarze
Schalen kamen vor, wie die aus dem Thürnthaler
Funde und jenem vom Hausberge zu Ober-Stockstall.

Ein Gefäss, leider in Trümmern, hatte fast die
Torm einer alten chinesischen Theekanne, war etwa
5cm hoch; an einer Seite befindet sich ein 4 cm
anges Ausflussröhrchen.
In der grossen Feuerstelle fanden sich mehrere
wa 12cm hohe Becher, die sehr schmal waren,
>» wa wie moderne Biergläser, eine Form, die auch
n römischen Ansiedlungen häufig vorkommt, Einen
rleichen fanden wir zu Stillfried. Sie waren hier
zerade so wie die römischen, z. B. aus Carnuntum,
aus rothgebranntem Thon, Trümmer grosser runder
Thonkugeln fanden sich auch; es dürften, nach
'hrer Abnützung zu schliessen, vielleicht Wurfkugeln,
len Bolas ähnlich, gewesen sein.
Ganz sonderbar sind die Reste von Formen zum
Yindrücken, vielleicht für Thongefässe; ich fand in

Fig, 32, Zeiselberg.

3 Herdstellen je eine. Die grösste, welche in der
Abbildung (Fig. 32) zu sehen ist, mag 15 cm lang sein,
bei einer Höhe von 6cm und einer Dicke von 3 cm;
3ie gleicht fast einem Ziegel und hat halbe kreis-‚ande
 Verzierungen, die man mit Augen vergleichen
zann; ein ganz ähnliches Ornament fand sich hier
zuf einem Gefässscherben abgedrückt, Der Ziegel,
wenn wir das Stück so nennen wollen, hat an seinen
3ruchstellen zwei lothrechte Bohrungen, in seiner
Aitte eine horizontale. Die Löcher scheinen mit
inem Metallstifte gemacht worden zu sein. Es
nuss dieses Thonstück wohl noch einmal so gross
zewesen sein; trotz eifrigen Suchens fanden sich im
Schutte die fehlenden Theile nicht und müssen schon
rüher bei den Erdbewegungen weggekommen sein,
Zine andere Form weist 4 concentrische Kreise auf;
88 ist dies ein Stempel, der auf den Urnen des Grab-
            
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