Digitized Materials

Here you will find digitized editions of anthropological journals and monographs. For more information about the digitization project, please visit [here].

Search in

Full Text : Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, N.F. 10=20.1890 u.Index 11/20.1881/90(1890)

26

welche die bisher entdeckten Mammuthreste im
Boden unseres Vaterlandes einnehmen und die über
der Schichte, in der diese lagern, nach einander
eingetretenen Wandlungen im Pflanzen- und Thierleben,
 und man daneben zur Ueberzeugung kommt,
dass die Urbevölkerung des Landes, wie unsere
Kenntnisse heute. liegen, kaum eher als etwa in der
Mitte dieser Wandlungsserie aufgetreten sein kann,
so wird es Einem erst recht klar, dass nur eine
Summe von Jahrtausenden den Abstand ausfüllen
 kann zwischen der Lebenszeit dieser Steinalterbevölkerung
 hierzulande und der Zeit, der das
blühende Leben der Mammuthschaaren angehört,
deren Skelette wir in den Leichenfeldern .Mährens
and Mitteleuropas vor uns haben.
Ziehen wir nun in Betracht — und hierzu sind
wir sicherlich nicht unberechtigt — dass diese
Leichenfelder in Mitteleuropa im Grossen und Ganzen
gewiss kaum, wenigstens im geologischen Sinne,
sehr zeitverschieden sind von denen, die in Russland
 und dem nördlichen ‚Asien sich finden und
leren Knochen in unermesslicher Zahl und manchmal
Jurch zusammen wirkende Wasser- und Eisbewegungen
neuerdings umgelagert und über unbegrenzte Strecken
dieser Gegenden und namentlich längs der Küsten
und Inseln des Eismeeres zerstreut sind, so haben
wir auch zwischen diesen sogenannten „sibirischen“
Mammuthen und den jakutischen und tungusischen
Stämmen, die durch das Einsammeln der Elfenbeinzähne
 dieser ausgestorbenen Thiere eine so wichtige
Zinnahmsquelle besitzen, annähernd und mindestens
 eine gleiche Zwischenzeit von
Jahrtausenden, wie zwischen unseren Ureinwohnern
 und den Mammuthen der Leichenfelder,
ron denen die Knochen und Zähne in unseren
Geröllbildungen herstammen.
Ich sage ausdrücklich annähernd und mindestens,
 da ich nämlich der Ansicht bin, dass sich
ler Abstand zwischen unserer Steinzeit und der
Zeit der heutigen Jakuten nicht mit Vortheil in
Rechnung ziehen lässt, indem derselbe nach den
Calculen der Geologen über die Länge der Eiszeit
und die unbestimmte Dauer der Mammuthzeit selbst
leicht von verschwindender Grösse sein könnte. Auf
der andern Seite muss ich den Archäologen
gegenüber, welche in den verschiedenen Stufen der
Culturzustände immer einen festen Anhalt zur
Beurtheilung von Zeitabständen und Zeitfolgen zu
besitzen glauben, bemerken, dass ich absichtlich
unterlassen habe. auf zwei Umstände dieser Ari

Zücksicht zu nehmen. Ich war der Meinung, dass
38 bei einem solchen Gutachten weder etwas davon
1och dazu thun könne, dass die jakutischen Elfenjeinjäger,
 soviel wir wissen, alle eiserne Jagdwaffen
 und Geräthe hatten, als sie sich über Sibijens
 Ebenen ausbreiteten, oder dass sie, ehe sie
sich daselbst dem Jägerleben .hingaben, wahrscheinlich
 längere Zeit hindurch nomadisirende
Völker mit Schafherden gewesen waren, wie
MıDDENDORF auf Grund mehrerer interessanter Umstände
 treffend bemerkt.
Nur zwei Worte habe ich am Schlusse hinzuzufügen
 mit Bezug auf die entsprechenden Zeitıbstände
 bei Pfedmost selbst, damit in dieser
Beziehung: über meine Meinung kein Zweifel möglich
3el, mag diese nun richtig sein oder nicht. Das
Mammuth-Leichenfeld der Culturschichte ist für
mich, wie man aus dem Früheren oftmals entnehmen
wird, gleichen Alters mit den. anderen
Leichenfeldern und liegt der strengeren
fiszeit Mitteleuropas voraus. Dahingegen
ı1abe ich nicht das geringste Anzeichen dafür zu
inden vermocht, dass die Renthierzeit, in
welche die Jäger gehörten, die bei den
‚eichenfeldern hausten, jenseits der Eis-‚eit
 liegen könne; vielmehr dafür, dass sie in
eder Hinsicht diesseits derselben zu stellen (also
zigentlich postglacial) sei. Wenn man mich deshalb
ragt, ob ich dann wirklich auch zwischen den
jeiden wesentlichen Factoren in der Bildung der
‚Culturschichte“, den Mammuthen mit ihren Zeitzenossen
 in der Thierwelt einerseits und den
Zlfenbeinsammlern oder Renthierjägern mit ihrem
Nildstande andererseits, eine Summe von Jahrtausenden
 einschieben und durch eine solche
zeitliche Kluft die Elemente auseinander
halten will, die man bisher für so völlig
zleichzeitig angesehen hatte, dass das
eine täglich das andereerlegte und hauptsächlich
 auf Kosten dessen sich ernährte,
so antworte ich darauf unbedingt mit: Ja.

Hinweis auf die Literatur über die als Beispiele
angezogenen deutschen Mammuth-Leichenfelder,
a) bei Thiede (1816. August).
Dken’s Isis, 1817. S. 999—1000. (Hofapotheker Wıremann’s
und Prosector BEreEr’s Briefe an Oxzn).
3allenstedt. Archiv der Urwelt. Bd. I. 1819. BALLENSTEDT'’S
Reise zu den Gypsgruben von Thiede. S. 9—23; Nachtrag
dazu, S. 24—30; BALLENSTEDT’S zweite Reise nach Thiede
u. ss, w. SS, 353 u. ff, zumal S. 431—434.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.